Die Geschichte von Diego Armando Maradona ist ganz eng mit der Rivalität mit Brasilien verknüpft. Von der polemischen Geschichte mit Pelé über seinen Platzverweis beim FIFA Weltpokal™ 1982 in Spanien bis hin zur Glanztat, mit der er 1990 in Italien eine unvergessliche Partie entschied - die Seleção hat im Leben der berühmten Nummer zehn immer eine wichtige Rolle gespielt.
Am 5. September wird der argentinische Star ein neues Kapitel dieser Geschichte schreiben. Zum ersten Mal wird er diesen Klassiker als Trainer der Albiceleste erleben, und dann handelt es sich auch noch um ein wichtiges Qualifikationsspiel für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™.
Im Vorfeld dieses großen Tages nahm sich der argentinische Nationaltrainer Zeit für ein Interview mit FIFA.com. Im Gespräch ging es unter anderem um sein Verhältnis zu Dunga, um die Stärken der Seleção sowie um die schärfsten Duelle, die es im Laufe seiner Spielerkarriere gab. In einem Punkt ist er sich sicher: "Wir werden die Qualifikation schaffen."
Den ersten Teil dieses Interviews können Sie über den Link mit dem Titel "Im Gespräch mit Maradona" in der rechten Menüleiste aufrufen.
Diego, in Kürze wird es eine Neuauflage des Klassikers Argentinien gegen Brasilien geben. Wie würden Sie die Rivalität zwischen den beiden Ländern jemandem erklären, der nicht dort geboren wurde?
Die Brasilianer spielen einen Gute-Laune-Fussball fürs Auge, während wir besonders kampfstarke, gute Spieler haben. Ich würde sagen, hier gibt es keine bessere Mannschaft. Wir stehen gemeinsam an der Spitze und liefern uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Außerdem muss man berücksichtigen, dass beide Länder dem Weltfussball viele Spieler liefern.
Kann man dieses Duell mit einem anderen Spiel vergleichen?
Es ist ein südamerikanischer Klassiker, der sich vielleicht mit einem Champions-League-Finale oder mit dem Endspiel einer Europameisterschaft vergleichen lässt. Fest steht, wir schenken uns nichts. Wenn sie sagen, dass Kaká nicht spielen wird, dann glauben wir ihnen nicht. Und wenn wir sagen, dass Messi nicht auflaufen wird, dann glaubt Dunga uns kein Wort. So ist das, wir schenken uns nichts.
Brasilien hat im Laufe Ihrer Spielerkarriere immer eine ganz besondere Rolle gespielt. Da wäre beispielsweise Ihr Platzverweis bei der WM-Endrunde 1982. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dieser Partie?
In Wahrheit war der Fußtritt, den ich bei der WM 1982 ausgeteilt habe, nicht für Batista, sondern für Falcão bestimmt. Nach dem 3:1 fing er an, uns zu provozieren, hier und da kleine Nicklichkeiten auszuteilen. Das hat mir nicht gefallen. Ich habe mich einfach aufgeregt, und dann kam es zu dem Tritt. Als ich dann Batista am Boden sah, habe ich zu ihm gesagt: 'Tut mir leid, der war eigentlich nicht für dich bestimmt.' [lacht]
Hat er das verstanden?
Ja, natürlich. Später sind wir gute Freunde geworden, weil er zu Lazio Rom gewechselt ist und damit ganz in meiner Nähe war. Jedes Mal, wenn wir an einer Preisverleihung oder Ähnlichem teilnahmen, setzten wir uns nebeneinander und haben viel geredet. Ich habe ihm immer gesagt: 'Hör zu, der war wirklich nicht für dich bestimmt, ok? Ich schwöre, dass ich dich gesehen habe und dachte, du wärst Falcão'. Dann haben wir gelacht, weil er mir immer geantwortet hat, dass Falcão blond sei und ihm überhaupt nicht ähnlich sähe. Er hat natürlich Recht, aber ich habe ihm dann erklärt, dass ich so sauer war, dass ich vor lauter Wut nichts mehr gesehen habe! [lacht erneut]
Und das Tor von Claudio Caniggia 1990 in Italien? Das war doch eine gelungene Revanche...
Das war einfach wunderbar! Brasilien hatte eine Spitzenmannschaft, sie haben uns die ganze Zeit unter Beschuss genommen. Die einzige Gelegenheit, bei der ich ein bisschen Platz hatte, habe ich dann genutzt. Ich war schneller als Alemão und Dunga und habe noch einen Gang zugelegt [er gestikuliert, als würde sich der Spielzug in diesem Augenblick abspielen]. Als ich nicht mehr weiterkam, passte ich mit rechts auf einen Mann, der inzwischen wie der Blitz nach vorne gestürmt war. Das war Caniggia, der war schnell wie der Blitz. Ich habe den Ball mit dem rechten Fuß zwischen den Beinen von Ricardo Rocha durchgespielt, der mich dann schließlich zu Boden gehen ließ.
Und dann kam Caniggias Treffer...
Genau. Ich blieb am Boden und sah von dort aus, wie Cani Taffarel gegenüberstand. Und ich dachte nur: 'Mach ihn rein, mach ihn bitte rein', aber er täuschte nur an, und es schien eine Ewigkeit zu dauern. Schließlich hat er ihn dann umlaufen und zog ab. Ich habe dann nur noch auf das Netz gestarrt. Und als ich sah, dass es sich bewegte - ufff! Das war einer der schönsten Augenblicke meines Lebens.
Sie haben anschließend über den nicht gerade ausgelassenen Torjubel von Caniggia gespottet, oder?
Unglaublich! Ich hätte am liebsten den Himmel umarmt! Und Caniggia macht nur diese kleine Geste, diese leichte Bewegung mit den Armen [er imitiert die Geste]. So ist er eben. Gegen Italien war es genauso. Eine verrückte Sache!
Diego, sowohl in Brasilien als auch in Argentinien werden immer wieder Vergleiche zwischen Ihnen und Pelé angestellt. Wenn es darum geht, wer der bessere Spieler war, kommt es sogar oft zu Provokationen. Jetzt 'mal im Ernst, sind Sie beide wirklich vergleichbar? Schließlich haben Sie in ganz unterschiedlichen Epochen gespielt.
Wissen Sie, was ich denke? Ich habe zehn Jahre lang im europäischen Fussball gespielt, und Pelé hat im südamerikanischen Fussball gespielt. Natürlich hat er Weltmeisterschaften gewonnen und noch vieles mehr. Aber in Europa zu spielen, das ist doch eine andere Sache. Ich will damit nicht sagen, dass ich in technischer Hinsicht besser war als er. Darum geht es nicht. Ich habe einfach nur in einer Epoche des spanischen und italienischen Fussballs gespielt, in der die Verteidiger oft wahre Bulldoggen waren, die sich an einem festgebissen haben. Die waren mir immer auf den Fersen!
Pelé hatte Coutinho und Rivelino an seiner Seite, zwei ganz hervorragende Spieler. Und dann hatte er noch Jairzinho, Clodoaldo, Gérson, Tostão - uff! Das waren monströse Spieler. Aber gut. Tatsache ist, dass es eine Umfrage gab, bei der ich ihn hinter mir gelassen habe. Das kann mir keiner mehr nehmen. In Brasilien gab es eine weitere Umfrage, bei der er ebenfalls den zweiten Platz belegte - hinter Ayrton Senna. Also, er sollte langsam mal vom ewigen zweiten Platz wegkommen.
Kommen wir auf die Seleção zu sprechen. Wie bewerten Sie den Auftritt beim FIFA Konföderationen-Pokal?
Sie haben sehr gut gespielt. Allerdings hatte Dunga Probleme, die richtige Lösung für den linken Flügel zu finden und hat es mit Kleber, Santos und sogar mit Dani Alves probiert. Felipe Melos Auftritt hat mir sehr gut gefallen. Das Gleiche gilt für Luis Fabiano und Kaká. Maicon ist ein wahrer Dampfhammer, und Robinho ist jedes Mal eine Augenweide, wenn er den Ball hat und sich auf den Weg nach vorn macht. Das ist ein sehr harter Gegner. Sie haben hervorragende Innenverteidiger und meiner bescheidenen Ansicht nach den besten Torhüter der Welt.
Das ist im Vergleich zu früher ein Riesenunterschied. Damals haben sich die brasilianischen Torhüter den Ball teilweise selbst ins Netz gelegt. Jetzt haben sie den besten: Julio César, der sein Können sowohl bei Inter Mailand als auch in der Nationalmannschaft unter Beweis gestellt hat. Die Mannschaft ist solide, auch wenn sie immer noch ziemlich viele Gegentreffer kassiert. Aber eines ist natürlich klar: Wir werden gewinnen.
Wenn Sie einen Brasilianer für die eigene Mannschaft auswählen könnten, wen würden Sie nehmen?
Von der jetzigen Auswahl? Da hätte ich ganz gern Kaká. Der bringt den Gegner aus dem Gleichgewicht.
Und umgekehrt? Welchen Argentinier würden die Brasilianer sich wohl aussuchen?
Die hätten sicher gern Messi. Ohne Zweifel!
Wie ist ganz allgemein betrachtet Ihr Verhältnis zu Dunga?
Gut. Die Sache ist, als Dunga noch spielte, wollte er immer der Herr auf dem Platz sein. Er kam mit seinen langen Beinen angerannt und versuchte, die Hälfte des Spielfelds abzudecken. Und wenn es mal nicht so lief, wie er wollte, hat er andere Maßnahmen ergriffen, um im Mittelfeld die Oberhand zu behalten. An dem Tag, an dem Caniggia in Italien sein berühmtes Tor erzielte, wollte er mich foulen, aber ich habe es schon kommen sehen. Am Ende hat er weder den Ball noch mich getroffen. Aber in letzter Zeit verstehen wir uns gut.
Letzte Frage: Geben Sie einen Tipp für den 5. September ab?
Nein. Ich halte nichts davon, Ergebnisse vorauszusagen. Ich kann nur eines sagen: Wir wollen in dieser Partie der Qualifikation einen Schritt näher kommen.


