Mexiko bot im Finale des CONCACAF Gold Cups 2009 in New Jersey eine Galavorstellung und eroberte mit einem demütigenden 5:0 gegen den Erzrivalen USA den Titel zurück. Für den Gewinner der letzten beiden CONCACAF-Meisterschaften war dies die höchste Niederlage seit 1985 und auch in punkto Titelgewinne mussten die USA (4) ihren südlichen Nachbarn (5) an sich vorbeiziehen lassen.
Ob dieser Erfolg – der erste auf U.S.-amerikanischen Boden seit fast einem Jahrzehnt – nun bedeutet, dass Mexiko die beste Mannschaft der CONCACAF-Zone stellt, ist sicherlich diskussionswürdig, da beide Teams mit zahlreichen jungen Talenten und jeweils neu formiertem Kader in das Turnier gegangen waren. Aber eines steht fest: Für die Mexikaner, die in der letzten Qualifikationsrunde der CONCACAF-Zone für die FIFA Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ zuletzt auf Platz vier zurückgefallen sind, ist dieser Triumph ein Zeichen des Aufschwungs.
"Dieser Sieg endet hier in der Umkleidekabine, wir können die Geschichte nicht mit uns herumschleppen", warnte der mexikanische Trainer Javier Aguirre. "Jetzt werden wir feiern, aber das war's dann auch schon. Morgen beginnen bereits die Vorbereitung und die Arbeit für den 12. August, das ist wieder eine ganz andere Geschichte", fügte der Trainer hinzu, der im April Sven-Göran Eriksson ablöste und gedanklich bereits beim bevorstehenden WM-Qualifikationsspiel gegen die USA in Mexiko-Stadt zu sein schien.
Bradley setzt überwiegend auf einheimische MLS-Akteure
El Tri erwischte einen mäßigen Start in das alle zwei Jahre stattfindende Turnier - weshalb der Gewinner dieser Auflage nicht für den FIFA Konföderationen-Pokal qualifiziert ist - und setzte sich nur mit Mühe gegen Nicaragua durch. Anschließend gab es ein Unentschieden gegen Panama, bei dem Aguirre auf die Tribüne verbannt und für drei Spiele gesperrt wurde, nachdem er einen Zusammenstoß mit Felipe Baloy provoziert hatte. Im dritten Gruppenspiel sicherten sich die Azteken mit einem klaren Sieg über Guadeloupe, das die Erfolge der Halbfinal-Helden von 2007 nicht wiederholen konnte, den Gruppensieg und den damit verbundenen Viertelfinaleinzug. Nach einem 4:0-Kantersieg über die individuell starken, als Mannschaft aber zu unbeständigen Haitianer gelangte Mexiko in die Runde der letzten Vier.
Das Halbfinale gegen Costa Rica, das in der finalen Runde der WM-Qualifikation momentan in Führung liegt, stellte für Aguirre und seine Schützlinge die größte Herausforderung dar, die Memo Ochoa erst im Elfmeterschießen zugunsten der Mexikaner entschied.
Die USA wiederum hatten bis dahin beeindruckende, wenn nicht sogar atemberaubende Leistungen gezeigt. Bob Bradley musste aufgrund der zeitlichen Nähe zum FIFA Konföderationen-Pokal im vergangenen Monat, in dem seine Mannschaft überraschend Spanien ausschaltete und das Finale erreichte, überwiegend auf einheimische MLS-Akteure und eher unerfahrene Spieler aus Übersee zurückgreifen.
Dos Santos zum Spieler des Turniers gewählt
Die Gastgeber starteten mit Siegen über Grenada und Honduras in das Turnier und sicherten sich mit einem Unentschieden gegen Haiti in Boston den Gruppensieg. Von den jungen U.S.-Akteuren spielte sich vor allem Stuart Holden in den Vordergrund, der zudem zwei Treffer erzielte – unter anderem den Ausgleichstreffer in letzter Minute gegen Haiti.
Im Viertelfinale gegen Panama entwickelte sich eine hart umkämpfte Partie, die erst nach Verlängerung gewonnen werden konnte, ehe die USA mit einem sicheren 2:0-Erfolg über Honduras in das Endspiel einzogen. Dort sollte ihre Unerfahrenheit jedoch bitter bestraft werden. Doch der stets vorbildliche Profi Bradley sah diese Niederlage vielmehr als Lektion. "Wir werden offen über dieses Spiel und über dieses Ergebnis sprechen und ich hoffe, dass wir daraus unsere Lehren ziehen und es in Zukunft besser machen werden", sagte er.
Obschon El Tri nur mühsam ins Turnier fand, entfachten Dos Santos, der zum Spieler des Turniers gewählt wurde, und Vela nur 16 Tage vor dem wichtigen Qualifikationsspiel gegen die USA im Azteken-Stadion schließlich die Leidenschaft im mexikanischen Spiel. Miguel Sabah wurde Torschützenkönig, während Torhüter Ochoa und Innenverteidiger Jonny Magallón ebenfalls überzeugen konnten.
Grenada ohne eigenes Tor
Nur wenige Spieler der U.S.-amerikanischen Gold-Cup-Mannschaft werden beim Qualifikationsspiel im kommenden Monat noch mit von der Partie sein, doch an einigen viel versprechenden Talenten wird Bradley wohl nicht vorbeikommen. Robbie Rogers empfahl sich mit seinem großartigen Flügelspiel auf beständigem Niveau, während sich Holden als vielseitig einsetzbares Talent und große Zukunftshoffnung erwies.
Bei den mittelamerikanischen Mannschaften konnten Carlos Costly und der dynamische Offensivspieler Walter Martínez vom Halbfinalisten Honduras überzeugen. In der Mannschaft Costa Ricas, die den Finaleinzug nur knapp verpasste, präsentierten sich der junge Spielmacher Celso Borges, Torjäger Álvaro Saborío und der aufstrebende Torhüter Keylor Navas in Hochform. Die Panamaer Baloy, Blas Pérez und Luis Tejada zeigten ebenfalls ansprechende Leistungen. Nicaragua, das zum ersten Mal am Gold Cup teilnahm, und El Salvador, das nach wie vor Chancen auf die Qualifikation für die WM 2010 hat, konnten sich in ihren schwierigen Gruppen nicht durchsetzen und landeten jeweils auf dem letzten Platz.
Von den karibischen Mannschaften erwischte es Grenada am schlimmsten: Bei ihrer allerersten CONCACAF-Endrunde verloren sie alle drei Gruppenspiele und hatten am Ende ein Torverhältnis von 0:10 zu Buche stehen. Die Haitianer Fabrice Noel und Leonel Saint-Preux sowie Loic Loval von Guadeloupe waren die auffälligsten Spieler dieser beiden Viertelfinalisten. Jamaika, Titelverteidiger der Karibik-Region, schied bereits in der ersten Runde aus.

