Carlos Costly zählt beim CONCACAF Gold Cup 2009 zu den Schlüsselspielern der honduranischen Nationalmannschaft. Der Angreifer vom polnischen Klub FC Belchatow ist einer der wenigen Akteure im noch jungen Kader des Nationalteams von Honduras, die ihr Geld im Ausland verdienen. Wohl auch deshalb lastete die Verantwortung für die Offensive in der Mannschaft von Nationaltrainer Reinaldo Rueda von Beginn an zu einem Großteil auf seinen Schultern.

Bisher konnte er die in ihn gesetzten Erwartungen auch erfüllen. Gemeinsam mit Walter Martínez, der bisher ebenfalls zwei Mal für Honduras traf und im Viertelfinale gegen Kanada das Siegtor zum 1:0 erzielte, führt Costly mit zwei Treffern die interne Torschützenliste seiner Mannschaft an. Wenige Stunden vor dem Anpfiff der entscheidenden Partie, die am heutigen Donnerstag über die Bühne geht, unterhielt sich Costly in seiner freundlichen und offenen Art mit FIFA.com.

Junges und ehrgeiziges Team
Unsere erste Frage ist geradezu obligatorisch, denn sie bezieht sich auf die Stimmung in seiner Mannschaft unmittelbar vor der wichtigen Begegnung mit dem gastgebenden Team, gegen das Honduras bei diesem Turnier sein bislang einziges Spiel verlor. "Wir gehen diese Partie in aller Ruhe an", versicherte der Stürmer. "Uns ist klar, dass wir es mit einem sehr schweren Gegner zu tun bekommen. Dennoch hoffen wir, dass wir die USA diesmal schlagen werden. Aus der Niederlage in der Gruppenphase haben wir eine ganze Menge gelernt. Die U.S.-Amerikaner pflegen ihre eigene Spielkultur und machen kaum Fehler. Also müssen wir, sobald ihnen doch einmal einer unterlaufen sollte, möglichst davon profitieren. In meinen Augen wäre es das Beste, wenn wir ein frühes Tor schießen und danach die Räume eng machen würden. Wir wissen um ihre Schwachpunkte und werden versuchen, das entsprechend zu nutzen", so seine Prognose.

Vor diesem CONCACAF Gold Cup galt die honduranische Nationalmannschaft noch als weitestgehend unbekannte Größe, deren tatsächliches Leistungsvermögen schwer einzuschätzen war. Nachdem einige Topspieler ausgefallen waren, musste Trainer Reinaldo Rueda ein Team zusammenstellen, das sich im Kern aus Akteuren der einheimischen Liga rekrutiert, deren Nominierung von der honduranischen Presse prompt kritisiert wurde. Allen Unkenrufen zum Trotz antwortete die Mannschaft mit guten Ergebnissen. "Stars wie David Suazo, Julio de León und Amado Guevara fehlen uns natürlich", räumte Costly ein. "Doch wir sind eine junge und ehrgeizige Mannschaft, die bei diesem Turnier weiterkommen und den Gold Cup gewinnen will. Sicher, von der Erfahrung her besteht ein großer Unterschied zur Bestbesetzung unseres A-Nationalteams. Aber wir haben eine gesunde Einstellung, die weit über die rein fussballerischen Aspekte hinausgeht. Genau das macht unsere Stärke aus", ist sich Costly sicher.

Wenn man ihn so reden hört, könnte man annehmen, dass Costly nie auch nur den geringsten Zweifel am Potenzial seiner Mannschaft hatte. Ist dies tatsächlich so? "Seit dem Freundschaftsspiel gegen Panama haben wir uns auf dieses Ziel konzentriert, und wir waren uns durchaus bewusst, dass es alles andere als leicht werden würde. Es wurde einfach zu viel darüber geredet, dass die Topspieler hier nicht dabei sein werden. Das hat uns verletzt. Ich glaube, dass uns das schließlich dazu motiviert hat, das Beste aus uns herauszuholen. Inzwischen hat sich die Tonlage ja auch geändert", stellte Costly klar.

Gemeinsame Verantwortung
Carlos Costly weiß natürlich, dass seine Mannschaft bei diesem Turnier vor einer einzigartigen Chance steht. Vor allem deshalb, weil Honduras, obwohl es zu den traditionellen Schwergewichten in der CONCACAF zählt, sich beim Gold Cup bisher kaum in Szene setzen konnte. "Wir haben seit vier Jahren nicht mehr im Halbfinale gestanden", bilanzierte der Angreifer, "doch dieses Mal haben wir es endlich wieder geschafft. Das Wichtigste ist jetzt, dass wir das Finale erreichen und dort natürlich auch gewinnen. Denn wenn wir im Finale stehen und am Ende doch nicht die Trophäe holen, wären alle Anstrengungen umsonst gewesen."

Die Spieler indes fühlen sich nicht nur als Fussballer in der Pflicht. Die Mannschaft, die bei diesem Turnier die Farben ihres Landes vertritt, ist sich darüber im Klaren, dass sich das honduranische Volk derzeit in einer schwierigen Situation befindet. Angesichts der aktuellen Lage fühlen sich die Nationalspieler verpflichtet, den Menschen in ihrer Heimat auf ihre Art und Weise einen konkreten Anlass zur Freude zu bieten, erklärte uns Costly ohne zu zögern. "Natürlich haben uns die Ereignisse in unserem Land mehr beschäftigt als uns lieb war. Wir haben darüber in der Mannschaft gesprochen und uns fest vorgenommen, hier unser Bestes zu geben und so dazu beizutragen, dass in Honduras wieder Ruhe einkehrt. Wir wissen, dass wir den Menschen dabei helfen können, diese Probleme zu bewältigen. Auch wir können unseren bescheidenen Beitrag zur Lösung der Konflikte leisten. Deshalb werden wir auf dem Platz alles geben."

Egal wie dieses Turnier auch ausgehen wird, Carlos Costly steht in den kommenden Wochen in jedem Fall eine Veränderung bevor. In diesem Sommer wurde er bereits mit verschiedenen Klubs in Verbindung gebracht, ohne dass dabei ein konkreter Wechsel zustande kam. Eine nicht gerade angenehme Situation für den Stürmer. "Ich weiß noch nicht, wie es bei mir weitergeht. Es wurde viel über mögliche Transfers gesprochen, unter anderem sollte ich nach Mexiko wechseln. Am Ende hat sich jedoch alles wieder zerschlagen. Jetzt muss ich nach Polen zurückkehren, wo ich noch ein Jahr Vertrag habe. Dort werde ich weitere Optionen prüfen, denn der europäische Transfermarkt ist noch nicht geschlossen, so dass ich noch die Hoffnung habe, etwas zu finden", so Costly in seiner direkten und unmissverständlichen Art. So ist er eben, und zwar nicht nur neben, sondern auch auf dem Platz.