Als Rodrigo Kenton das Amt des Trainers übernahm, befand sich Costa Rica in einer tiefen Krise. Nachdem das Team in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ fast am krassen Außenseiter Grenada gescheitert wäre, trat sein Vorgänger Hernan Medford zurück und hinterließ Kenton seinen Schleudersitz. Doch in den 13 Monaten, die folgten, hat Kenton Bemerkenswertes zustande gebracht. Unter ihm führen die Ticos mittlerweile die Tabelle der Qualifikationsgruppe an, er hat große Talente in die Mannschaft integriert und damit die Hoffnung in dem fussballbegeisterten mittelamerikanischen Land neu entfacht.
Am Donnerstag treffen Kenton und seine Schützlinge im Halbfinale des CONCACAF Gold Cups 2009 auf den langjährigen Rivalen Mexiko. FIFA.com nutzte die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Costa Ricas Cheftrainer.
Beim Gold Cup sind eine ganze Reihe neuer Gesichter in Costa Ricas Kader zu sehen. Mussten Sie einige harte Entscheidungen fällen?
Ich würde diese Mannschaft eher als eine Art Zwischenlösung bezeichnen. Es fehlen zwar einige große Namen, aber dafür habe ich versucht, eine ausgewogene Mischung zwischen erfahrenen und jungen Spielern zu finden. Ich habe einige Jungs mitgenommen, die bislang vielleicht noch nicht den richtigen Rhythmus gefunden haben und vielleicht noch ein paar Spiele Eingewöhnung brauchen.
Sie hatten nicht gerade einen perfekten Turnierstart hier in den USA, denn das erste Spiel gegen El Salvador ging gleich verloren.
In den ersten Spielen haben wir wirklich keinen guten Eindruck gemacht, aber so läuft es nun einmal, wenn man neue Spieler einsetzt. Bei der Niederlage gegen El Salvador hatten wir aber auch Pech. Mittlerweile sind wir aber auf Kurs. In jedem Spiel geht es nun um Alles oder Nichts und die Spieler haben die Herausforderung sehr gut angenommen.
Im Viertelfinale beim 5:1 gegen Guadeloupe hat dann wohl alles gestimmt. Hat Sie diese starke Leistung überrascht?
Es hat mich nicht überrascht, dass wir gegen Guadeloupe Tore geschossen haben, so viele hatte ich jedoch nicht erwartet. Fairerweise muss man sagen, dass wir auch in den Partien zuvor sehr viele Torchancen herausgespielt hatten, nur mit dem Abschluss klappte es nicht recht. Dafür haben wir uns nun entschädigt, wir kamen aus dem Toreschießen ja gar nicht mehr heraus.
Könnte man sagen, dass Costa Rica mit jedem Spiel besser wird?
Ja, das stimmt. Das ist das Gute an einem kurzen Turnier wie diesem. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, einen schwierigen Start zu haben, weil man sich dann mit jedem Spiel steigern kann. Es gibt genügend Spielraum, um besser zu werden, und das hat auch unserem Selbstvertrauen gut getan.
Wo wir gerade von Selbstvertrauen sprechen - das dürfte doch bei ihrer Offensivabteilung gerade nach der letzten Partie sehr ausgeprägt sein ...
Als Stürmer hängt eigentlich alles vom Selbstvertrauen ab, und nachdem meine Jungs im Viertelfinale nun endlich zugeschlagen haben, wird es ihnen in dieser Hinsicht sicherlich gut gehen.
Die Rivalität zwischen Costa Rica und Mexiko ist fast schon als historisch zu bezeichnen. Was für eine Partie erwarten Sie am Donnerstag in Chicago?
Das größte Problem werden für mich die Zuschauer sein. Für Mexiko ist es hier in Chicago wie ein Heimspiel. Es besteht kein Zweifel daran, dass wir das Auswärtsteam sind. Wir müssen einfach die ersten 15 oder 20 Minuten überstehen, wenn sie uns stark bedrängen und von den Zuschauern angetrieben werden. Falls uns das gelingt, können wir etwas ruhiger werden und unser gewohntes Spiel aufziehen. Auf dem Feld können wir in jeder Hinsicht mit ihnen mithalten, nur die Zuschauer bereiten mir ein wenig Sorgen. Es wird wie ein Spiel im Azteken-Stadion sein.
Sie treffen auf eine umformierte mexikanische Mannschaft. Hatten Sie bereits Gelegenheit, sie spielen zu sehen?
Ja, das habe ich. Es gibt zwar einige neue Akteure, aber die Spielweise ist die alte geblieben. [Javier] Aguirre ist wieder zuständig, und er probiert einige neue Dinge aus, aber auf dem Platz dürfte es keine Überraschungen geben. Sie haben kleine wendige Stürmer wie Gio dos Santos, kommen gut über die Außenbahnen, sind physisch stark und schnell. Sie haben einige Trümpfe in der Hand, wir aber auch.
