Roger Lemerre ist ein typischer Vertreter der französischen Trainerschule und aktueller Coach der marokkanischen Nationalmannschaft. Als Nationaltrainer Frankreichs wurde er bei der UEFA EURO 2000 Europameister, anschließend gelangen ihm als Auswahltrainer Tunesiens der Gewinn der Afrikameisterschaft und die erfolgreiche Qualifikation für die FIFA WM 2006.

Alle Männer, die seit Bestehen des Centre Technique National (Nationales technisches Zentrum) in Clairefontaine die Leitung des französischen Fussballs zu verantworten hatten, folgten stets nur einer einzigen Doktrin: der Nationaltrainer muss immer über vollkommene Handlungsfreiheit verfügen. In dieser Hinsicht ist Roger Lemerre einer der typischsten Vertreter. Der ehemalige Fussball-Profi hat stets eine beispielhafte Geisteshaltung an den Tag gelegt und es gab nur zwei Dinge, die er nicht ausstehen konnte: Ungerechtigkeit und Unehrlichkeit.

Seine Beziehung zu den Medien war von Misstrauen geprägt und sehr konfliktreich. Der hochgebildete und oft sehr dünnhäutige Trainer hat nicht selten zu verbalen Gegenschlägen ausgeholt...

"Wenn ihr den Fussball nicht verlasst, dann wird der Fussball auch euch nicht verlassen!"
Seit Beginn seiner Laufbahn einer seiner Leitsprüche, der nichtsdestotrotz etwas unklar bleibt...

"Die Intrigen, die Prognosen, die Anspielungen, die Debatten - das berührt mich alles nicht. Ich bin und bleibe der erste Anhänger der französischen Nationalmannschaft. Wenn mein Hut wüsste, für wen ich gestimmt habe, würde ich ihn verbrennen."
Rätselhafte Aussage einige Tage nach der Qualifikation der Bleus für die UEFA EURO 2000

"Sie werden mich nicht dazu bringen, etwas zu sagen, was ich nicht sagen will, auch wenn Sie vielleicht Schwierigkeiten haben zu entschlüsseln, was für ein Typ ich bin."
Antwort auf Gerüchte um einen möglichen Rücktritt

"Meine Spieler sind erwachsen, daran zweifele ich nicht. Doch sind sie immer vernünftig? Ich weiß es nicht. Allerdings sollten erwachsen und vernünftig miteinander einhergehen."
Über seine Mannschaft bei der FIFA WM 2002

"Die französische Mannschaft ist wie ein guter Schmöker. Am Anfang ist es manchmal etwas schwierig. Doch je weiter man kommt, desto mehr wird man sich des Wertes des Schmökers bewusst und möchte ihn nicht mehr weglegen."
Am Abend nach einem schwierigen Sieg gegen Schottland

"Die Nationalmannschaft Frankreichs ist eine Pflicht, umso besser, dass wir nicht mehr in den Krieg ziehen. Die Farben meines Landes zu verteidigen ist einer meiner Werte."
Während der Vorbereitung Frankreichs für die UEFA EURO 2000 in Tignes

"Ich weiß es, der kleine Nicolas weiß es, sie aber nicht. Erwachsen zu sein bedeutet, zu wissen, wann man zu schweigen hat."
Über die Berücksichtigung von Nicolas Anelka für die UEFA EURO 2000

"Ich mag Spitzel nicht. So fangen Kriege an."
Bei der Vorbereitung der französischen Nationalmannschaft vor der UEFA EURO 2000 über Spieler, die außerhalb der Pressekonferenzen mit Journalisten sprechen.

"Es gibt keine Nr. 1, keine Nr. 2, keine Nr. 3. Aber die Nr. 1 weiß, dass er die Nr. 1 ist. Und alle drei wissen, wer die Nr. 1 ist. Was die 2 und 3 angeht, das mache ich, wie es mir beliebt. Ich bin schon mein ganzes Leben in diesem Job, mein Herr, und ich habe noch nie gesehen, dass einer dem anderen an den Hals gegangen ist."
Über die Hierarchie der Torhüter bei der UEFA EURO 2000

"Diese Mannschaft ist wie ein Klassenbester, der nicht mehr vermeiden kann, auf dem höchsten Niveau zu sein."
Nach dem Gewinn der UEFA EURO 2000

"Er ist ein loyaler Kamerad, intelligent, er verfügt über einen großen Sinn für Beziehungen und eine ausgezeichnete Fähigkeit zur Analyse. Ich wünsche ihm alles Gute."
Über Didier Deschamps nach seinem 100. Länderspieleinsatz

"Die sportliche Strafe ist erfolgt. Das muss man akzeptieren. Ob ich weitermache? Darüber denke ich noch nicht nach. Heute muss ich die Niederlage akzeptieren, wie ich den Sieg akzeptiert hätte."
Nach dem Ausscheiden Frankreichs bei der FIFA WM 2002

"Ich verbiete es mir, zu verbieten."
Anspielung auf einen der Leitsprüche der 68er-Bewegung, deren Ablehnung er nie verschwiegen hat, als Reaktion auf die Kritik an seiner laxen Führung der französischen Mannschaft

"Tunesien ist lateinischer als die lateinischen Länder und französischer als die Franzosen."
Bei seiner Ernennung zum Nationaltrainer Tunesiens

"Ich rühre die Unschuldigen nicht an, und auch nicht die Dummen."
Als Antwort auf die Anschuldigung des Tunesiers Anis Boussaïdi, er habe seinen Wechsel sabotiert

"Die Verlierer von heute sind nicht unbedingt die Verlierer von morgen. Hoffen wir, dass wir morgen mit genauso viel Hoffnung weiterleben. Das Morgen ist ein Fragezeichen."
Nach dem Ausscheiden Tunesiens im Viertelfinale der Afrikameisterschaft 2008

"Das ist keine Katastrophe. Das wird nicht das erste Mal sein, dass ihr euch nicht für die Weltmeisterschaft oder für die Afrikameisterschaft qualifiziert."
Nach einer Niederlage Tunesiens gegen Burkina Faso (1:2)

"Ich kann euch allen in die Augen sehen und sagen: ich habe dir ein Trikot gegeben, ich habe dir eine Rückennummer gegeben, du musst sie in Ehren halten. [Mikael] Sylvestre, ich habe dir ein Trikot gegeben, ich habe dir eine Rückennummer gegeben, du musst sie in Ehren halten. [Lilian] Thuram, genauso. Ich habe dir ein Trikot gegeben, ich habe dir eine Rückennummer gegeben, du musst sie in Ehren halten. Philippe [Christanval], genauso. Zizou, genauso. Ich habe dir ein Trikot gegeben, ich habe dir eine Rückennummer gegeben, du musst sie in Ehren halten...
Vor seinem letzten Spiel als französischer Trainer 2002 gegen Dänemark