Petr Cech bereitet sich auf einen langen und frustrierenden Winter vor. Er versucht, eine Karriere wieder in Gang zu bringen, die durch eine furchtbare Kopfverletzung fast endgültig beendet worden wäre.

Cech kehrte diese Woche wieder auf das Trainingsgelände von Chelsea in Surrey zurück. Ein Teil seines Kopfes war kahl rasiert, und eine lange Narbe zog sich von seiner Stirn bis zum linken Ohr.

Zehn Tage waren seit dem Zusammenstoß des Torhüters mit Stephen Hunt vom FC Reading vergangen, nach dem er sich einer neurochirurgischen Notoperation unterziehen musste. In deren Verlauf wurden zwei Metallplatten in seinen Kopf eingesetzt und eine Impressionsfraktur des Schädels behandelt. Cech schaffte es trotzdem, mit seinen Mannschaftskameraden zu scherzen und zu lächeln, als er zum ersten Mal öffentlich über die Verletzung sprach.

Er kann sich an den sehr umstrittenen Zusammenprall mit Hunt in der ersten Spielminute nicht mehr erinnern, zeigt sich jedoch tief bewegt von den vielen aufmunternden Zuschriften aus der ganzen Welt.

Chelsea TV: An erster Stelle steht natürlich die Frage nach Ihrem Befinden. Wie geht es Ihnen?
Petr Cech: Es geht mir ganz gut. Ich fühle mich besser und mache Fortschritte. Außerdem bin ich froh, hier auf dem Trainingsgelände sein und meine Mannschaftskameraden treffen zu können.
 
Ihre Haare wachsen langsam wieder nach. Sie haben eine große Narbe.
Ja, und natürlich sieht sie jeder, weil ich im Augenblick nicht so viele Haare habe. Deshalb hoffe ich auch, dass sie wirklich schnell wieder nachwachsen. Aber im Grunde bin ich einfach nur froh darüber, dass ich in jeder Hinsicht Fortschritte mache und es mir besser geht.
 
Mit welchen Problemen haben Sie täglich zu kämpfen? Haben Sie Kopfschmerzen, ist Ihnen übel?
Manchmal ist es nicht einfach. Ich wache auf und habe diese schrecklichen Kopfschmerzen. Deshalb muss ich sehr starke Medikamente nehmen. Das ist auch nicht optimal, denn danach fühle ich mich sehr schnell wirklich müde und schläfrig. Ich würde gern spazieren gehen oder fernsehen, aber schon nach fünf, zehn oder 15 Minuten bin ich vollkommen geschafft und muss damit aufhören.

Ich versuche im Moment, einfach damit zu leben, und hoffe, dass sich die Lage von Tag zu Tag bessert - und sie hat sich mit meiner Heimkehr aus dem Krankenhaus auch wirklich schon gebessert. Zu Hause hat man seine Familie, seine Frau, seinen Hund und bekommt viele Besucher und Post. Alle wünschen mir eine baldige Genesung. Ich habe nicht nur Karten und Briefe von Leuten aus dem Verein bekommen, sondern auch von vielen Leute, die gar nichts mit Chelsea zu tun haben. Fans von anderen Mannschaften haben mir geschrieben und Torhüter aus internationalen Ligen. Das war sehr schön für mich und hat mir Kraft gegeben. Ich spüre, dass so viele Leute hinter mir stehen und mir alles Gute wünschen. Deshalb fühle ich mich zu Hause jetzt auch wirklich wohl.

Können Sie einige der Torhüter nennen, die Sie kontaktiert haben?
Ich habe Briefe von allen Torhütern von Portsmouth bekommen. Dann habe ich einen von Ricardo erhalten, der für Sporting Lissabon spielt, und Shay Given hat mir eine SMS geschickt. Das war auch super, weil er selbst verletzt ist und nachvollziehen kann, wie ich mich fühle. Er hat mir eine SMS geschickt und mir eine schnelle Genesung gewünscht. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Wie sieht Ihr Programm von jetzt an aus?
Ich hoffe, dass alles bald besser wird. Ich habe einen Termin mit unserem Mannschaftsarzt Bryan English und der medizinischen Abteilung. Sie werden ein Programm für mich zusammenstellen, mir sagen, was ich tun kann, und hoffentlich mit dem Muskelaufbau beginnen. Es wird sehr schwer werden, weil ich mich lange Zeit nicht wirklich bewegen kann. Das macht es sehr schwierig. Selbst mit den Metallplatten im Kopf muss man es langsam angehen lassen. Sie werden ein Programm für mich ausarbeiten - Massagen, kurze Spaziergänge und so etwas, damit ich beginne, etwas für meinen Körper zu tun. Und dann hoffe ich natürlich, dass ich so schnell wie möglich wieder dabei sein kann.
 
Können Sie sich an das erinnern, was in Reading passiert ist?
Ich habe viel darüber nachgedacht, aber das letzte, woran ich mich erinnern kann, ist das Händeschütteln vor Spielbeginn. Ich erinnere mich an das Aufwärmen und an den gesamten Weg vom Hotel zum Stadion, weil ich mir da immer ein Programmheft nehme und etwas lese. Dann gehe ich über den Platz, um mir einen Eindruck zu verschaffen. Und genau das habe ich auch in diesem Fall getan. Danach erinnere ich mich an das Aufwärmen mit Silvinho, Carlo und Hilario. Das letzte, was ich weiß, ist, dass ich mich umgezogen habe und die Kabine verließ. Dann kann ich mich auch noch an das Fairplay-Händeschütteln erinnern, weil JT (John Terry) beim Münzwurf verloren hat und ich quer über das Spielfeld auf die andere Seite rennen musste. Ich kann mich noch nicht einmal an den Anstoß erinnern.
 
Haben Sie sich den Vorfall im Fernsehen noch einmal angeschaut?
Ich habe es ein Mal gesehen und war überrascht, weil ich gedacht hatte, es sei auf der anderen Seite des Kopfes passiert. Das beweist nur, dass ich mich wirklich an gar nichts erinnern kann.
 

Hilario hat seine Sache bisher gut gemacht, nicht wahr?
Ich freue mich für ihn. Als er nach Chelsea kam, hat ihm jeder gesagt, er wäre nur die Nummer 3 im Tor. Es ist niemals leicht, diese Rolle zu akzeptieren. Trotzdem hat er gesagt, er werde 100-prozentigen Einsatz zeigen, um sein Bestes geben zu können, wenn er die Chance zum Spielen bekäme. Er hat seine Chance bekommen und seine Sache gut gemacht. Er stand gegen Barcelona enorm unter Druck, weil die ganz Welt ihn beobachtet hat, um zu sehen, ob er der Herausforderung gerecht werden kann. Und er hat eine sehr gute Leistung gebracht. Danach war er Bestandteil einer siegreichen Mannschaft, und am Mittwoch gegen Blackburn hat er seinen Kasten sauber gehalten. Ich glaube, wir können sehr zufrieden mit ihm sein.
 
Gibt es eine Botschaft, die Sie den Fussballfans auf der ganzen Welt gern übermitteln würden?
Meine Botschaft ist ein Dankeschön an alle, die mich während der gesamten Zeit im Krankenhaus unterstützt haben, und ein Dankeschön an alle, die mich auf meinem Weg zurück unterstützen werden. Ich werde mein Bestes tun, um wieder spielen zu können - und vielleicht sogar stärker zu werden als zuvor.