Die Vorfreude auf seinen Traumjob verdrängt bei Rainer Adrion sogar die Wehmut des Abschieds vom VfB Stuttgart nach zehn Jahren: Der künftige U-21-Trainer hat seinen Dienst beim Deutschen Fussball-Bund (DFB) freiwillig einen Monat früher als geplant angetreten und will sich mit großem Engagement schnell in die neue Aufgabe einarbeiten. Bis Freitag weilt er im Urlaub auf Zypern, seine erste Amtshandlung für den DFB führt ihn zur Spielbesichtigung nach San Marino, anschließend fährt er als "Rückraumspieler" zur EM nach Schweden.
"Am Freitag werde ich voll einsteigen", sagte der 55-Jährige dem "SID": "Ich will mir einen Überblick verschaffen und wissen, was mich erwartet." Deshalb löste er seinen Vertrag in Stuttgart vorzeitig, "denn als Angestellter des VfB im Dienste des DFB unterwegs zu sein, wäre nicht sinnvoll gewesen". Und deshalb verzichtet er bis auf die paar Tage zum Ausspannen auf der Mittelmeerinsel auf Urlaub.
Ziel: Qualifikation für Olympische Spiele
"Es stehen hohe Ziele an: Wir wollen zur EM 2011 in Dänemark und uns dort mit einem Halbfinal-Einzug endlich mal wieder für die Olympischen Spiele qualifizieren", sagte Adrion. Zuletzt war Deutschland 1988 in Seoul mit einer Fussball-Mannschaft bei den Olympischen Spielen vertreten, als die Elf um Jürgen Klinsmann Bronze gewann. Nach dem Gewinn der EM-Titel bei der U-19 im Vorjahr und der U-17 vor wenigen Wochen soll Adrion nun auch den ältesten Jahrgang wieder zu lang ersehnten Erfolgen führen.
Und der Schwabe, der in der Bundesliga lediglich als Assistent des heutigen Bundestrainers Joachim Löw in Stuttgart auf der Bank saß, brennt auf diese Aufgabe. Der Abschied beim VfB ging nach insgesamt zehn Jahren als Co-Trainer der ersten und Coach der zweiten Mannschaft harmonisch über die Bühne.
Klasse mit VfB II souverän gehalten
"Die Vorfreude auf die neue Aufgabe überwiegt bei Weitem", meint er: "Außerdem war es ein perfekter Abschied. Ich kann mich dort jederzeit wieder sehen lassen." Adrion führte die Reserve trotz des frühzeitig bekannten Abschieds souverän zum Klassenerhalt in der dritten Liga.
Als dieser geschafft war, stürzte er sich ins Abenteuer U-21. Im Trainingslager des aktuellen Kaders am Tegernsee führte er schon erste Gespräche mit dem derzeitigen Coach Horst Hrubesch und dessen Stab. "Zu ihm und allen anderen Junioren-Trainern will ich einen engen Kontakt halten", sagte er.
In San Marino wird er sich beim Spiel gegen die Tschechische Republik zwei Gegner für die EM-Qualifikation für 2011 ansehen, bei der EM-Endrunde des 1988er-Jahrgangs vom 15. bis 29. Juni in Schweden wird er sich ganz bewusst im Hintergrund halten.
Adrion hält sich während der EM zurück
"Ich werde dort im Rückraum agieren", versicherte er: "Ich werde keine Gespräche mit den Spielern führen, die sollen sich auf ihre Aufgabe konzentrieren. Und mit Horst Hrubesch werde ich allenfalls mal ein lockeres Gespräch über Fussball im Allgemeinen führen. Er hat sein eigenes Konzept, seine Ideen und seine Gedanken, und die soll er auch umsetzen."
Dennoch ist die Informationsreise nach Skandinavien für Adrion ein Muss. "Ich möchte sehen, auf welchem Niveau gespielt wird, wie sich Top-Teams wie Spanien oder England verhalten", sagte er. Die deutsche Auswahl wird er nach der Endrunde mit Blick auf 2011 zwar neu ausrichten müssen, "aber neun Spieler des EM-Kaders dürfen auch noch 2011 spielen, von daher gibt es eine gewisse Schnittmenge."
Die Zuarbeit für Löw klappte beim VfB jedenfalls schon mal gut: 1997 gewann das Duo mit den Schwaben den DFB-Pokal, 1998 stand der VfB im Europapokal-Finale, das allerdings gegen den FC Chelsea (0:1) verloren wurde.
