Ricardo La Volpe gehört zu den Trainern, die überall ihre Spuren hinterlassen. Mit seiner ungezwungenen Art und seiner Fähigkeit, alles auf den Punkt zu bringen, findet der schnauzbärtige Trainer immer viele Zuhörer bei Fans, Medien und Spielern. Er pflegt langjährige Freundschaften und in gleichem Maße Rivalitäten, aber kaum jemand ist ihm gegenüber gleichgültig gesinnt.
Der 1952 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires geborene La Volpe war früher Torhüter und gehörte zum Kader der argentinischen Nationalmannschaft, die 1978 Weltmeister wurde. Den größten Teil seiner Karriere verbrachte er jedoch im mexikanischen Fussball, wo er diverse Mannschaften trainiert hat. Nach 20 Jahren der Tätigkeit in diesem Land übernahm er das Ruder der mexikanischen Nationalmannschaft, mit der er an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ teilnahm. Dort musste sich Mexiko zwar im Achtelfinale Argentinien geschlagen geben, hinterließ jedoch einen ausgesprochen positiven Eindruck.
Im Anschluss daran kehrte er in sein Heimatland zurück, wo er zunächst die Boca Juniors und später Vélez Sarsfield trainierte. Nach diesem Intermezzo zog es ihn wieder nach Mexiko, wo er derzeit Trainer von Atlas Guadalajara ist, einer seiner Lieblingsmannschaften. La Volpe ist ein Fussballfanatiker und Taktikfuchs, der sowohl auf dem Rasen als auch auf der Trainerbank schon viele Talente hervorgebracht hat. Er hat der Nachwelt bereits unzählige Aussprüche hinterlassen. Einige davon können Sie jetzt auf FIFA.com noch einmal nachlesen.
"Mit einem 4-4-1-1-System zu spielen, das ist kein Fussball, sondern Antifussball."
(La Volpe verteidigt seine bevorzugte Taktik: das 3-5-2-System)
"Jemand, den die Boca Juniors holen, die Nummer eins in Argentinien, soll gescheitert sein? Wenn ich mir meinen Lebenslauf so anschaue, kann ich meinem Enkel morgen Folgendes sagen: Ich habe Boca und die mexikanische Nationalmannschaft trainiert und bin dabei nicht gescheitert, sondern habe die Mannschaft in vier Jahren zu Erfolgen geführt, die sie schon seit den 60er-Jahren nicht mehr gehabt hat."
(La Volpe über seine Laufbahn)
"Wenn ich heute verlieren würde, müsste man mich mit dem Hubschrauber aus der 'Bombonera' ausfliegen."
(La Volpe über den Druck, unter dem man bei den Boca Juniors steht)
"Ich verstehe, dass die Spieler sich ärgern, wenn sie ausgewechselt werden. Aber ich glaube auch, dass dies eine Respektlosigkeit gegenüber den Mannschaftskameraden ist, die auf der Bank sitzen. Andernfalls müsste es nur die elf Spieler auf dem Platz geben, ohne Auswechselspieler."
(La Volpe über das Temperament der Spieler)
"Haben Sie Freundinnen? Wenn Sie Freundinnen oder Ehefrauen haben, dann müssen Sie sie sehr lieben. Genauso muss man den Ball lieben. Und deshalb muss man ihn gut behandeln."
(La Volpe über die Liebe zum Ball)
"Diese Fans wollen keine schönen Reden mehr hören. Die Fans von Atlas wollen gleich die Meisterschaft."
(La Volpe fordert Verstärkungen für seine derzeitige Mannschaft)
"Meine Mannschaften dürfen sich nicht nur um einen einzigen Spieler drehen. Das hier ist schließlich Fussball und kein Tennis."
(La Volpe zu seiner Abneigung gegen den Einsatz eines Spielmachers)
"Wenn man auf den Platz geht, um zu siegen, gewinnt man oder erzielt zumindest ein Unentschieden. "Wenn man auf den Platz geht, um unentschieden zu spielen, erreicht man das Unentschieden oder verliert."
(La Volpe zu seiner immer offensiven Einstellung)
"Ich werde mich im Schritttempo für die WM qualifizieren."
(La Volpe machte dieses Versprechen, als er die mexikanische Nationalelf übernahm. Er hat es eingehalten)
"Warum wir nicht gegen sie gewinnen konnten...? Weil sie 1:0 gewonnen haben."
(La Volpe und die Logik des Fussballs)
"Ich werde meine Spieler nie kritisieren. Nie. Wenn ich das einmal mache, werde ich zum Baseball wechseln. Ich analysiere immer, ob die Mannschaft gut oder schlecht gespielt hat, aber ich spreche nicht über die Spieler."
(La Volpe und der Teamgeist)
"Trotz der Niederlage (1:2 gegen Argentinien bei der WM 2006 in Deutschland) war Mexiko zehn Mal überlegen und bei ruhenden Bällen zehn Mal besser. Und das habe nicht ich gesagt, sondern Cruyff."
(La Volpe zitiert eine weitere Fussballgröße)
"In Mexiko erlebt man den Fussball noch auf sehr angenehme Weise. Da kann man noch mit der Familie ins Stadion gehen. In Argentinien geht es um Leben und Tod."
(La Volpe über das unterschiedliche Fussballerlebnis in beiden Ländern)
"Wenn die Presse nicht über Taktik reden will, dann tut mir das leid. Ich möchte hier über Fussball reden, und nicht über Blödsinn."
(La Volpe und seine ganz besondere Beziehung zu den Journalisten)

