Wenn ein Fussballer seine Schuhe an den Nagel hängt, stehen ihm viele neue Betätigungsfelder offen. Viele bleiben dem Fussball als Trainer, Manager oder Funktionär verbunden. Andere bauen sich ein eigenes Unternehmen auf.
Es gibt jedoch auch einige wenige, die den Sprung auf die Leinwand oder den Fernsehbildschirm wagen. Was steckt dahinter? Pure Selbstverherrlichung oder eine künstlerische Ader, die sie bisher nicht ausleben konnten?
FIFA.com liefert einige Beispiele von Fussballern, die sich nach ihren Triumphen in den Stadien der Welt dem Kino oder Fernsehen zuwandten.
Vom Spielfeld auf die Bühne
Die drei Ballkünstler Alfredo Di Stefano, Pelé und Diego Armando Maradona feierten allesamt Auftritte vor der Kamera. Di Stefano war während seiner Zeit bei Real Madrid Hauptdarsteller in diversen Filmen wie "Once pares de botas" (1954), "La saeta rubia" (1956) oder "La batalla del domingo" (1963). In allen stellt er das dar, was er am besten kann: einen Fussballspieler.
Jahre später widmete sich auch O Rei Pelé der Werbung für den eigenen Sport. Er gehörte zu einer Auswahl von Spielern und berühmten Schauspielern, die im Film "Escape to Victory" (1981) eine Fussballmannschaft aus Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg darstellten. Außer Pelé waren auch Fussballer von der Größenordnung des Engländers Bobby Moore oder des Argentinier Osvaldo Ardiles mit von der Partie. Sie traten Seite an Seite mit Kinostars wie Michael Caine und Sylvester Stallone auf. Regie führte John Huston.
"Das war eine sehr schöne Erfahrung. Wir haben einen Monat in Ungarn gedreht und dabei unglaublich viel Spaß gehabt. Stallone? Der verteidigte genauso gut wie ich schauspielerte", berichtet Ardiles, der im Film dieselben Fähigkeiten präsentierte, die ihn bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1978 mit Argentinien zum Weltmeister gemacht hatten.
Nach Diego Maradona wurden Straßen benannt, man hat ihm zu Ehren Lieder gedichtet und sogar Denkmäler errichtet. Und dann hat der gefeierte bosnische Filmregisseur Emir Kusturica noch einen Dokumentarfilm über das Leben des Superstars gedreht. Der Streifen heißt "Maradona" (2008) und wurde beim renommierten Filmfestival von Cannes vorgestellt. Aber der aktuelle Nationaltrainer der Albiceleste feierte mit seiner Sendung "La Noche del 10" (2005) auch im Fernsehen Erfolge.
Gemeinsam mit dem ehemaligen Torhüter und Journalisten Sergio Goycochea gestaltete Maradona eine Unterhaltungssendung, in der er von seinen Erlebnissen im Fussball berichtete und berühmte Persönlichkeiten wie Pelé oder Zinedine Zidane, den Sänger Robbie Williams, den Boxer Mike Tyson und seinen Freund Fidel Castro interviewte.
"Die Arbeit mit Diego war in jeder Hinsicht wunderbar, einfach Weltklasse! Die Anforderungen, die wir stellten, die Erfahrungen, die wir mitnahmen, die Resonanz in der Öffentlichkeit... Was soll ich sagen? Bei ihm überrascht mich überhaupt nichts mehr", so Goycochea gegenüber FIFA.com, nachdem er gemeinsam mit Maradona die beiden gehaltenen Elfmeter noch einmal Revue passieren ließ, die den Argentiniern 1990 in Italien den Einzug ins Finale bescherten.
Licht, Klappe... Action!
Die Auftritte dieser Fussballlegenden in Kino oder Fernsehen waren jedoch nur sporadischer Natur. Es gibt allerdings zwei ehemalige Fussballspieler, die wirklich ihre schauspielerische Ader entdeckten.
Der Franzose Eric Cantona war in den 90er Jahren die Führungspersönlichkeit von Manchester United und führte die Red Devils nach jahrelanger Erfolglosigkeit in der Premier League wieder zu Ruhm und Ehre. Nach seinem Rückzug aus dem aktiven Fussball blieb der aus Marseille stammende Spieler dem Sport über den Beach Soccer weiterhin verbunden. Er triumphierte bei der ersten Auflage der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft, die 2005 in Rio de Janeiro ausgetragen wurde. Außerdem hat sich Cantona aber seit seiner Schauspielerpremiere in "Le bonheur est dans le pré" (1995) zu einem gefragten Nebendarsteller entwickelt.
"Ich wollte schon immer gern Komödiant werden... das hatte ich selbst während meiner Fussballkarriere immer im Hinterkopf", kommentierte er vor einigen Jahren in der französischen Wochenzeitschrift Première. Einen seiner besten Auftritte feierte er dann jedoch in einem Film, der ganz und gar nicht komisch war. Seine Rolle in "Elizabeth" (1998) als französischer Botschafter am Hof der englischen Königin im XVI. Jahrhundert hat mit seiner humoristischen Facette nur noch wenig gemein. In seinem letzten Film "Looking for Eric", dessen Erstausstrahlung für Juni 2009 geplant ist, sucht ein altgedienter Briefträger und Fan von Manchester United verzweifelt Hilfe bei Eric Cantona, der sein Leben wieder in die richtige Bahn lenken soll.
Die größte schauspielerische Karriere ist jedoch dem Engländer Vinnie Jones gelungen. Der raue und manchmal gar polemische Stürmer machte im Laufe seiner Fussballkarriere unter anderem bei Wimbledon, Leeds United, Chelsea und den Queens Park Rangers Station. Vielleicht war es gerade sein Charakter eines "harten Mannes", der die Aufmerksamkeit des Regisseurs Guy Ritchie auf sich zog und ihn dazu bewog, Jones in seiner Gaunerkomödie "Bube, Dame, König, grAs" (1998) die Rolle eines Schlägertypen zu geben. Als Big Chris erhielt er viele positive Kritiken und wurde von diversen Zeitschriften und Organisationen für sein großartiges Debüt ausgezeichnet.
"Gewinnen ist nicht das Wichtigste, vorausgesetzt, man gewinnt", so lautete Jones' Motto als Fussballspieler. Diese Einstellung hat sich auch auf seine Filmrollen übertragen. Einige Jahre später trat er erneut in einem Film von Ritchie auf: "Snatch - Schweine und Diamanten" (2000). Dieses Mal spielte er an der Seite von Brad Pitt, Jason Statham und Benicio Del Toro. Den Sprung nach Hollywood schaffte Jones durch seine Mitwirkung in Kassenschlagern wie "Passwort: Swordfish" (2001) oder "X-Men - Der letzte Widerstand" (2006), der dritten Folge des Comic-Actionfilms. Vom Fussball wandte er sich dennoch nicht ganz ab und bestritt in Los Angeles gemeinsam mit anderen ehemaligen Fussballern wie Alexi Lalas, Frank LeBouef oder Eric Wynalda mit dem Hollywood United FC diverse Benefizspiele.
Weitere Fussballer mit schauspielerischen Ambitionen
Nicht alle können eine so umfangreiche Filmografie wie Cantona oder Jones vorweisen. Es gab aber durchaus noch einige schauspielernde Fussballer, die zumindest den einen oder anderen Erfolg vorzuweisen hatten. Paul Breitner, der 1974 mit Deutschland Weltmeister wurde, war bei diversen Filmen dabei, beispielsweise hatte er eine Nebenrolle im deutschen Western "Potato Fritz" (1976). Der Argentinier Saúl Linazo spielte unter anderem bei Atlanta Buenos Aires und dem brasilianischen Verein Clube Atlético Juventus. Nachdem er die Fussballschuhe an den Nagel gehängt hatte, trat er in mehreren mexikanischen Telenovelas wie "Amor de Nadie" (1990) oder "Acapulco, cuerpo y alma" (1995) auf. Linazo hat in über zehn Telenovelas mitgespielt und ist dadurch in Mexiko und Argentinien berühmt geworden.
Und wen gibt es noch? Da wäre noch der Brasilianer Zico mit seiner Beteiligung an "Uma Aventura do Zico" (Ein Abenteuer von Zico), einem Kinderfilm unter der Regie von Antonio Carlos da Fontoura, in dem der Star gleich eine Doppelrolle spielt: sich selbst und seinen gefährlichen Klon. Zwar waren die Kritiken nicht gerade die besten, aber der Brasilianer hat hier ebenso wie auf dem Spielfeld sein Können gezeigt.
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