Schon von kleinauf bekommen jene Kinder, die zum Dickwerden neigen, dies (leider) auch bei den ersten Versuchen im Fussball in Form von Frotzeleien seitens ihrer Freunde zu spüren. Da wird der eine oder andere Witz gemacht, der Betroffene häufig am längsten hingehalten, wenn es um die Mannschaftsaufstellung geht, oder es wird ihm gleich der Platz zwischen den Pfosten zugewiesen. Die Einsatzmöglichkeiten für die weniger athletisch Gebauten waren schon immer irgendwie beschränkt.

Dennoch hat sich selbst der heute durch und durch professionelle Fussball im Verlauf seiner langen Geschichte längst der Aufgabe verschrieben, auch jenen fussballbegeisterten Menschen, die gutes Essen lieben und daher zu Übergewicht neigen, im aktiven Fussball eine Chance zu geben. FIFA.com widmet sich diesem Thema und wirft einen Blick auf einige der bekanntesten Fälle.

Mit "Fatty" fing alles an
Bevor wir unsere Zeitreise beginnen, müssen wir unbedingt den Mann erwähnen, mit dem das Ganze ursprünglich seinen Anfang nahm. Die Rede ist vom Engländer William Foulke, besser bekannt als "Fatty" ("Dickerchen"), der trotz seines Körpergewichts von 150 Kilogramm (!) offenbar keine Probleme hatte, für Traditionsvereine wie Sheffield United oder den FC Chelsea das Tor zu hüten. Dabei gilt es als sicher, dass er die besagten 150 Kilo auch noch am Ende seiner Karriere auf die Waage brachte.

Ebenso belegt ist, dass er einmal während eines Spiels seiner Mannschaft aus purer Langeweile ein paar Klimmzüge in seinem Kasten machte und dabei die Querlatte zu Bruch ging. Zwar können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob er sich von dem damals bei den Fans beliebten Refrain "Who ate all the pies?" ("Wer hat den ganzen Kuchen aufgegessen?") inspirieren ließ. Seine Erfolgsbilanz mit zwei Finalsiegen im FA Cup zeugen indes eindeutig von seinen Qualitäten als Torhüter.

Quinn: Kuchen und Tore
Die Engländer rühmen sich für gewöhnlich damit, den Fussball überhaupt erst erfunden zu haben. Scheinbar trifft dies auch auf das gute Essen zu. Micky Quinn wurde nicht nur durch seine Tore berühmt, die er in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts für den FC Portsmouth, Newcastle United und Coventry City erzielte, sondern auch wegen seines Spitznamens Sumo, den man ihm aufgrund seiner kräftigen Statur verpasst hatte.

"Er ist dick und rundlich, und sein Gewicht in Gold wert", sangen seinerzeit die Fans. Und sie hatten durchaus Recht: Quinn ließen die Witzeleien kalt und setzte ihnen Tore und Spielwitz entgegen, und zwar mit der gleichen Ruhe und Gelassenheit, als wenn er mal eben ein Stück Kuchen verspeisen würde, das ihm von den Zuschauern zugeworfen wurde.

Gascoigne: Schokolade nach Spielschluss
Ähnliche Tugenden sagt man auch Paul Gascoigne nach, der für seine exzellente Balltechnik ebenso bekannt war wie für seinen Heißhunger auf Schokolade. Allerdings ist von Gazza auch bekannt, dass er im Jahr 1988 das "Geschenk" eines Fans der gegnerischen Mannschaft in Form einer Tafel Schokolade nicht sofort annahm und diese anstatt hineinzubeißen in die Hosentasche steckte, um sie später zu verzehren.

"Sobald er ein paar Kilos abgenommen hatte, wirkte Gazza irgendwie geschwächt. Dann konnte er sich nicht mehr so wie gewohnt gegen die gegnerischen Abwehrspieler durchsetzen", erinnert sich Neil Ruddock, der selbst zu Übergewicht neigte und noch heute darüber lacht, dass ihm eines Tages nicht einmal die Hose passte: "Derjenige, der diese Hose zuvor getragen hat, muss eine Taille wie Kylie Minogue gehabt haben!"

Maradonas Rache
"Wie bitte? Der Dicke ist doch nicht in der Lage, auch nur ein einziges Tor zu schießen." Diese alles andere als schmeichelnden Worte stammen aus dem Mund des legendären argentinischen Torhüters Hugo Gatti, einst Idol bei Boca Juniors und von gertenschlanker Statur, der diesen Satz im Jahr 1980 vor der Partie gegen Argentinos Juniors gesagt haben soll. An wessen Adresse jene Giftpfeile gerichtet waren? An keinen Geringeren als Diego Maradona, der damals als hoffnungsvolles Nachwuchstalent bei Argentinos Juniors die Rückennummer zehn trug.

Diego antwortete am darauf folgenden Sonntag auf seine Weise, als er im Punktspiel gegen die Xeneizes, das im Vereinsstadion von Vélez Sarsfield ausgetragen wurde, allein vier Treffer zum 5:2-Sieg seiner Mannschaft beisteuerte.

Auch Spott für Puskas
Für eine weitere Episode, bei der gleichfalls mögliche Rachegefühle eine Rolle spielten, steht Ungarns legendärer Stürmer Ferenc Puskas. Auch er wurde während der üblichen Aufwärmübungen unmittelbar vor einem Länderspiel im Jahr 1953 zur Zielscheibe des Spotts seitens einiger englischer Nationalspieler.

Bis heute ist nicht bekannt, was genau die spöttischen Bemerkungen in Anspielung auf die Figur des Ungarn zum Inhalt hatten. Dagegen gilt als verbrieft, dass es die gleichen Spieler waren, die sich hinterher über die Gala-Vorstellung von Puskas beklagten, der mit zwei eigenen Treffern und einer Torvorlage den entscheidenden Anteil an Ungarns souveränem und hochverdientem 6:3-Sieg im legendären Wembley-Stadion hatte.

Ronaldos Rekord kaschiert die Kilos
Und auch die jüngste Zeit liefert uns in dieser Hinsicht einige markante Beispiele. So hatten viele Beobachter der weltweiten Fussballszene im Vorfeld der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ bereits erhebliche Zweifel bezüglich der körperlichen Fitness von Ronaldo angemeldet. Doch allen Unkenrufen zum Trotz ist Il Fenómeno heute der erfolgreichste WM-Torschütze aller Zeiten.

So weit zu Ronaldo. Was aber ist mit Gronaldo? Dieses Wortspiel entstand in Frankreich im Zusammenhang mit dem französischen Fussball-Profi Jean-Claude Darcheville, der es trotz seines nicht gerade athletischen Körperbaus in Frankreich, England und Schottland schon auf über 100 Tore gebracht hat. Wird er seinem jetzigen Klub AFC Valenciennes aus der Krise helfen können?

"Acht Pizzen pro Woche"
Der Argentinier Alberto Márcico zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten im französischen Fussball. Und das nicht nur wegen seiner genialen Aktionen, die er im Trikot des FC Tolouse, wo er auf den Spitznamen Beto hörte, auf dem Spielfeld zeigte, sondern auch wegen seiner Vorliebe für Pizzerias. "Ich muss heute lachen, wenn ich daran denke, dass man mich eine Zeit lang den 'Dicken Beto' nannte, doch das war auch so! Damals habe ich jede Woche acht Pizzen gegessen. Dazu habe ich noch täglich sechs Liter Mineralwasser mit Kohlensäure getrunken, obwohl ich dann damit aufhören musste, weil man mir die Nierensteine entfernt hatte", so die Erinnerung des argentinischen Ex-Profis, der im Jahr 1986 wesentlichen Anteil am Ausschalten des SSC Neapel im UEFA-Pokal hatte, bei dem seinerzeit sein berühmter Landsmann Maradona unter Vertrag stand.

Jacky Paillard, sein Mitspieler aus jener Zeit, brachte die Tugenden des talentierten Mittelfeldspielers auf den Punkt, als er über ihn sagte: "Ohne seine vielen Verletzungen wäre aus ihm ein 'Maradona' geworden. Es stimmt zwar, dass er ziemlich viel gegessen hat und unser Trainer ihn deshalb auch kontrollieren wollte. Andererseits war er aufgrund seiner Spielweise für die Mannschaft so wertvoll, dass er tun und lassen konnte, was er wollte."

"Diät? Das wird nichts!"
Ein weiterer Ex-Profi, der aus seiner Vorliebe für gutes Essen kein Geheimnis machte, ist der Kolumbianer Iván René Valenciano. Der Torjäger, der in seiner Heimat drei Mal Torschützenkönig wurde und mit seiner Nationalmannschaft an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ USA 1994 teilnahm, verfügte dank seiner stattlichen Figur über eine überragende Schusskraft: "Trotz meiner zehn Kilo Übergewicht habe ich es in meiner Laufbahn auf 218 Treffer gebracht. Mein Gewicht hat mir also nicht geschadet. Einer Pizza oder einem Hamburger konnte ich schon immer schwer widerstehen, obwohl ich mich inzwischen bewusst zurückhalte. Sonst würde ich bestimmt schon 200 Kilo wiegen!"

Ähnlich erging es in den 90er Jahren den Argentiniern Antonio Mohamed und Omar Asad, der dank seines Treffers für Vélez Sarsfield im Finale des Interkontinental-Pokals 1994 gegen den AC Mailand auch in Europa bekannt wurde. Ebenfalls in Argentinien ist der aktuellste Fall unserer heutigen Betrachtung angesiedelt. Cristian Fabbiani - genannt El Ogro - ist ein wuchtiger Abwehrspieler von River Plate, der angesichts seiner Leistungen und seiner zahlreichen Tore für Anspielungen auf sein Körpergewicht von 102 Kilo derzeit nur ein Lächeln übrig hat. Wie übrigens auch seine Mutter Mirtha, die von Beruf Köchin ist und ihren Spross natürlich in Schutz nimmt: "Mein Sohn ist nicht dick, aber groß und stark war er schon immer. Soll er etwa eine Diät machen? Das wird nichts. Lieber soll man ihm sein Essen lassen, dann schießt er auch weiter seine Tore."

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