Es ist nicht unbedingt eine neue Idee, eine Nationalmannschaft zusammenzustellen, deren Rückgrat aus Spielern vom gleichen Klub gebildet wird. Doch genau diese Idee beherrscht in Tansania derzeit den Fussball: Der amtierende Landesmeister Young Africans entsandte nahezu seine gesamte Stammformation in die Elfenbeinküste, wo sie beim kürzlich zu Ende gegangenen CAF-Turnier Championship of African Nations die Landesfarben vertrat.
Marcio Maximo, der in Brasilien geborene Nationaltrainer Tansanias, nominierte nicht weniger als zehn Spieler der Young Africans, die bei der ersten Auflage des CHAN, wie der Wettbewerb abgekürzt wird, antraten. Bei diesem Turnier sind nur in Afrika aktive Spieler spielberechtigt. Obwohl Tansania bereits nach der Gruppenphase ausschied, konnte die Mannschaft das Turnier hoch erhobenen Hauptes verlassen.
Entscheidung in letzter Sekunde
Nachdem Tansania die Auftaktbegegnung gegen Senegal mit 0:1 verloren hatte, folgte ein 1:0-Sieg über die Gastgeber. Im letzten und entscheidenden Gruppenspiel gegen Sambia ging Tansania in der 88. Minute durch einen von Verteidiger Shadrack Nsajigwa verwandelten Handelfmeter mit 1:0 in Führung. Doch dies sollte für den Einzug ins Halbfinale nicht reichen, denn Sambia kam unmittelbar vor Schluss noch zum Ausgleichstreffer, den Dennis Banda in der vierten Minute der Nachspielzeit mit einer akrobatischen Einlage nach einem Eckstoß erzielte, und der das Weiterkommen für Sambia bedeutete.
Der erst 20-jährige Stürmer Günther, einer der zehn Spieler der Young Africans, ist indes überzeugt, dass selbst die Enttäuschung eines derart knappen Ausscheidens ihre positiven Aspekte hat. "Wir alle haben durch unsere Teilnahme an diesem Turnier unglaublich viel an Erfahrung gewonnen. Wir können sogar etwas aus der Art und Weise lernen, wie wir ausgeschieden sind", so der schnelle Stürmer gegenüber "AFM". "Es war ein schwerer Schlag, dieses Spiel mit einem Unentschieden zu beenden, obwohl wir zwei Minuten vor Schluss noch geführt hatten und wussten, dass uns dies zum Weiterkommen reichen würde. Das hätte nicht passieren dürfen."
"Aber wenn wir nochmal in eine solche Situation kommen, dann sind wir darauf vorbereitet", so der Spieler kämpferisch weiter. "Die Erfahrungen, die wir mit der Nationalmannschaft bei diesem Turnier gesammelt haben, kommen bestimmt auch Yanga zugute", wie die Young Africans überall auf dem Kontinent genannt werden.
Afrikas stärkster Gegner wartet
Tegete und seine Mannschaftskameraden werden nicht lange auf die Gelegenheit warten müssen, ihre jüngst gesammelten Erfahrungen umzusetzen, denn am 15. März muss der 16-malige Meister Tansanias in der CAF Champions League in Ägypten antreten. Der Gegner ist kein Geringerer als der sechsmalige CAF Champions League-Sieger Al Ahly, der im Jahr 2000 zu Afrikas Klub des Jahrhunderts gewählt wurde. Doch der junge Stürmer ist optimistisch, dass Yanga den Titelverteidiger herausfordern kann. "Wir wissen jetzt, dass wir vor niemandem Angst haben müssen. Ich sage nicht, dass wir Al Ahly schlagen und weiterkommen werden, aber mit der richtigen kämpferischen Einstellung haben wir auf jeden Fall eine Chance."
Yangas Trainer, der Serbe Dušan Kondic, ist ebenfalls überzeugt, dass seine Mannschaft sich gegen den Spitzenklub aus Kairo, bei dem einige der besten Spieler Ägyptens unter Vertrag stehen, nicht blamieren wird. "Ich will hier nicht über Ergebnisse spekulieren. Wenn wir dort eine ordentliche Leistung zeigen und uns gut aus der Affäre ziehen, dann bin ich zufrieden. Man weiß nie, was im Fussball passieren wird, aber wir werden sicherlich nicht vor Ehrfurcht erstarren."
Kondic, der mit einer Angolanerin verheiratet ist und Afrika zu seiner zweiten Heimat gemacht hat, hatte zuvor über zehn Jahre Trainerposten in Angola inne und gewann dort ein Mal das Double aus heimischer Meisterschaft und Pokal. Mit seiner riesigen Erfahrung im afrikanischen Fussball weiß Kondic natürlich genau, mit welchem Gegner es seine Mannschaft zu tun bekommt. "Ich empfinde großen Respekt für Al Ahly. Der Klub hat viele Millionen Anhänger und ist durch und durch professionell organisiert", so der Trainer. "Al Ahly kann durchaus als größter Klub des Kontinents bezeichnet werden, und hat Afrika bei der letzten FIFA Klub-Weltmeisterschaft vertreten."
Hilfe für den Nationaltrainer
Kondic war kein bisschen überrascht, dass Nationaltrainer Maximo zehn seiner Spieler für die CHAF-Endrunde in der Elfenbeinküste nominierte. "Als ich vor eineinhalb Jahren zu diesem Klub kam, hatten wir kaum eine Handvoll Nationalspieler. Aber wir haben hart gearbeitet und die Meisterschaft gewonnen, und auch in dieser Saison brauchen wir nur noch einen Sieg aus den letzten sechs Spielen, um den Titel zu verteidigen."
Der Serbe brachte auch seine Wertschätzung für Maximo zum Ausdruck. "Als Nationaltrainer hat man die Wahl: Man kann sich seine Spieler von vielen verschiedenen Klubs zusammenstellen oder aber einen ganzen Block einer Klubmannschaft übernehmen. In diesem Fall ist ein Teil der Arbeit bereits getan, denn die Spieler sind aufeinander abgestimmt und spielen einen eigenen Stil. Wenn sich der Nationaltrainer nun also für einen Block von Yanga entscheidet, dann zeigt das wohl, dass er an meine Arbeit glaubt."
Das derzeitige Verhältnis zwischen dem Klub und der Nationalmannschaft wurde von Imani Madega, dem 43-jährigen Präsidenten der Young Africans, treffend charakterisiert: "Wenn unsere Nationalmannschaft, die Taifa Stars, beim CHAN spielen, dann stehen wir natürlich voll und ganz hinter dem Team, und wenn wir nach Ägypten fahren und dort gegen Al Ahly antreten, dann sind wir so etwas wie Botschafter." Doch er wies auch auf die negativen Aspekte hin, wenn so viele Spieler für die Nationalmannschaft abgestellt werden. "Sie waren jetzt lange Zeit weg und haben einen anderen Stil gespielt. Nun müssen sie sich erst wieder an unser Spiel gewöhnen, und dafür haben wir nicht allzu viel Zeit."
Da nun die Aufgaben in der Nationalmannschaft erst einmal beendet sind, muss der Block der Young Africans sich wieder voll und ganz auf den Klub konzentrieren, und insbesondere auf die Partie gegen den wohl stärksten Gegner, den Afrika zu bieten hat.
Mit freundlicher Genehmigung von African Football Media (AFM)
