Geboren in Gelsenkirchen und Berlin, aufgewachsen bei TuS Rotthausen und beim SC Rapide Wedding: Hamit und Halil Altintop sowie Niko und Robert Kovac haben ihre fussballerischen Wurzeln in Deutschland. Dennoch wurden sie in den türkischen bzw. kroatischen Nationaltrikots zu Stars. Die beiden Brüderpaare haben sich entschieden, für das Land ihrer Vorfahren zu spielen. Das heißt aber nicht, dass ihnen ihre zweite Heimat egal ist.
Entfernung entwickelt große Liebe
"Ich habe Deutschland viel, eigentlich alles, zu verdanken", erklärte Hamit Altintop unmittelbar vor dem Halbfinalspiel seiner Türken gegen die Truppe von Joachim Löw bei der UEFA EURO 2008 im Interview mit "Spiegel Online". Auf die Frage, ob er denn im Herzen Deutscher sei, antwortete der 26-jährige Mittelfeldspieler von Bayern München: "Nein. Vielleicht bin ich beides. Zuhause leben wir in einer kleinen türkischen Welt. Wir sprechen mit unserer Mama nur auf Türkisch und es wird türkisch gekocht. Verlasse ich Gelsenkirchen, treffe zum Beispiel meine Freunde in München, dann lebe ich in der deutschen Welt."
Zwischen zwei Kulturen zuhause ist auch Niko Kovac. "Wenn Du etwas tagtäglich hast, dann weißt Du es nicht zu schätzen. Wenn Dir aber etwas fehlt, dann entwickelst Du eine besondere Bindung dazu. Die Entfernung entwickelt die große Liebe zu seinem Land", sagte der 37-Jährige, der für die deutschen Bundesligisten Hertha BSC Berlin, Bayer Leverkusen, Hamburger SV und Bayern München im Mittelfeld aktiv war, und nun bei Österreichs Topklub Red Bull Salzburg spielt, im Interview mit der österreichischen Tageszeitung "Kurier". Noch nie trug er das Trikot eines kroatischen Klubs, doch bis zu seinem altersbedingten Nationalmannschftsrücktritt Anfang diesen Jahres war er Kapitän Kroatiens.
Fussball als gemeinsamer Nenner
Halil Altintop, seines Zeichens Stürmer bei Schalke 04, und Robert Kovac, der für Dinamo Zagreb verteidigt, nachdem er unter anderem bei Leverkusen, Bayern, Juventus Turin und Borussia Dortmund unter Vertrag stand, werden ihren Brüdern zustimmen. Sie alle wissen bestens aus eigener Erfahrung, dass man in mehreren Ländern und Kulturen zuhause sein kann. Ganz egal, ob man nun für sein Geburtsland oder für jene Nation, in der man verwurzelt ist, spielt: das Herz kennt mehr als nur eine Heimat.
Der gemeinsame Nenner für alle ist der Fussball. Und sowohl die Altintop-Zwillinge als auch die Kovac-Brüder sind sich einig, dass man trotz unterschiedlicher Mentalitäten gemeinsam feiern kann. Leidenschaft kennt schließlich keine Grenzen, außer jene des Respekts.
Gemeinsame Freude als Wunsch
Genau deshalb offenbarte Hamit Altintop damals, vor dem EM-Halbfinale zwischen den Türken und den Deutschen, bei "Spiegel Online": "Wissen Sie, was ich mir wünsche? Klar sollen die auf die Straße stürmen und feiern, gerne auch mit Fahnen. Aber alles im Rahmen. Die sollen unsere Siege feiern, und nicht die Niederlage unserer Gegner. Das muss man trennen können. Außerdem bedeutet feiern nicht, die Straße drei Stunden lang zu blockieren. Es ist schön, einfach nur zu beobachten, wie sich die Leute vor Freude in den Armen liegen. Ich würde mich sehr freuen, wenn jeder Fan das Spiel als ein großes Volksfest zwischen den Nationen betrachten würde. Unabhängig vom Ergebnis ist das Spiel eine große Chance, der immer diskutierten Integration einen Schritt näher zu kommen."
Das Resultat ist bekannt. Zwar gewann Deutschland am Ende in einem hochklassigen und äußerst spannenden Duell mit 3:2, doch der wahre Sieger waren die Fans. Unvergessen ist noch heute, wie türkische und deutsche Fans aus diesem Fussballspiel eine gemeinsame, riesengroße Party in unzähligen Großstädten machten. Erinnern Sie sich noch?
