Ein absoluter Höhepunkt im internationalen Spielkalender dieses Jahres steht am morgigen Dienstag, dem 10. Februar, auf dem Programm. Denn dann stehen sich im Emirates Stadium in London der fünffache Weltmeister Brasilien und der viermalige und aktuelle Titelträger Italien in einem mit Spannung erwarteten Länderspiel gegenüber.

Im Bewusstsein über die internationale Bedeutung dieses Länderspiels haben die Nationaltrainer beider Teams, Carlos Dunga und Marcello Lippi, jeweils ihre derzeit besten Akteure in den Kader berufen.

Lippi will Siegesserie ausbauen
Tatsächlich haben sich die Nationalmannschaften beider Länder in der Vergangenheit schon so manches heiße Duell geliefert, das in die Fussballgeschichte einging, beispielsweise bei den WM-Endrunden 1970 und 1994 in Mexiko bzw. in den USA. Und auch die morgige Begegnung könnte Eingang in die Annalen finden. Sollte Italien die Partie gewinnen oder zumindest mit einem Remis beenden, wäre die Squadra Azzurra volle 32 Länderspiele in Folge unter Marcelo Lippi ohne Niederlage geblieben. Eine solche Erfolgsserie ist bislang noch keinem Nationaltrainer gelungen.

Seit dem 16. Juni 1938 - an jenem Tag waren Brasilien und Italien im Halbfinale der WM-Endrunde in Frankreich erstmals aufeinandergetroffen - fanden elf weitere Partien zwischen den Nationalteams beider Länder statt. Mit jeweils fünf Siegen, zwei Unentschieden und einer exakt gleichen Tordifferenz (jeweils 19 Treffer bei ebenso vielen Gegentoren) ist die bisherige Gesamtbilanz absolut ausgeglichen. Die gleiche Parität weist sowohl die Bilanz der bislang absolvierten Freundschaftsspiele (jeweils drei Siege und ein Remis) als auch die der Begegnungen im Rahmen von WM-Endrunden (jeweils zwei Siege und ein Unentschieden) auf.

Buffon und Pirlo wieder einsatzbereit
Die Italiener sehen dem morgigen Länderspiel vor allem deshalb voller Spannung entgegen, weil es für Nationaltrainer Lippi zu einer echten Feuertaufe werden kann. "Es ist ein äußerst prestigeträchtiges Duell [...], und für mich eine Premiere, und zwar als Klubtrainer ebenso wie als Nationalcoach." Einzig der Termin der Begegnung bereitet dem früheren Trainer von Juventus Turin ein paar Sorgen. "Es ist schade, dass zwischen einem vollen Spieltag in der Meisterschaft und dem Länderspiel nur 48 Stunden liegen."

Dabei kann Lippi mit Gianluigi Buffon und Andrea Pirlo wieder auf zwei Stützen seiner Mannschaft bauen. Dagegen wird Giorgio Chiellini, der neue Abwehrrecke der Squadra Azzurra, ebenso wegen einer Verletzung fehlen, wie der unverwüstliche Gennaro Gattuso. Außerdem gab Lippi im Angriff erneut Giuseppe Rossi, derzeit Torjäger in Diensten des FC Villarreal, den Vorzug gegenüber Routinier Alessandro del Piero.

Und auch Paolo Maldini, der unlängst seinen Wunsch nach einem letzten Länderspieleinsatz geäußert hatte, wird sich nach den Worten von Lippi wohl noch etwas gedulden müssen. "Ich schätze Maldini sehr. Im Moment warte ich darauf, dass er das offizielle Ende seiner Laufbahn verkündet. Dann werden wir sehen, ob wir für ihn ein Abschiedsspiel im Nationaltrikot ermöglichen können."

Brasilien mit "italienischem" Akzent
Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Italienisch morgen im Stadiontunnel des Emirates Stadium die vorherrschende Sprache sein, da Brasiliens Auswahlcoach Dunga dieses Mal ausschließlich Spieler berufen hat, die bei europäischen Klubs unter Vertrag stehen. Die Hälfte von ihnen spielt in Italiens Serie A: zwei Torhüter, vier Mittelfeldakteure und zwei Stürmer. Als Überraschung gilt die erstmalige Nominierung des 25-jährigen Mittelfeldspielers Felipe Melo, der nach mehreren durchwachsenen Spielzeiten in Spanien zum AC Florenz wechselte und dort seither förmlich aufblühte.

Angesichts dessen, dass Brasilien vornehmlich für seine Topstürmer zu Weltruhm gelangte, scheint es schon etwas ungewöhnlich, dass es sich bei den Torhütern der beiden aktuell besten Klubmannschaften Italiens, Inter Mailand und AS Rom, um Brasilianer (Julio Cesar und Cristiano Doni) handelt. Überdies wurden vom Tabellenführer Inter Mailand gleich drei Akteure (Julio Cesar, Douglas Maicon und Adriano) in die Seleção berufen, jedoch kein einziger in das italienische Aufgebot.

Was den Offensivbereich der Brasilianer anbelangt, so wird zweifellos Ronaldinho im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Der Topstar des AC Mailand wird einiges zeigen müssen, um sich im Kampf um einen Stammplatz gegen gleich mehrere Konkurrenten durchzusetzen. Dies gilt besonders für seine Mitspieler im Verein, Kaká und Alexandre Pato, aber auch für Adriano, Julio Baptista, Robinho oder dem zurzeit verletzten Luis Fabiano.

Pato zeigt sich voller Selbstvertrauen
Allein die Tatsache, dass in dieser Partie jene beiden Nationalteams gegeneinander antreten, die bislang die meisten WM-Titel gewinnen konnten, verspricht einen ähnlich unterhaltsamen Abend wie ihn Lyon am 8. Juni 1997 erlebte, als man sich mit einem torreichen Remis (3:3) trennte. "Auf der einen Seite wird Italien körperbetonter spielen und auf die Schnelligkeit seiner Stürmer setzen. Brasilien hingegen wird etwas langsamer zu Werke gehen, dafür aber die technisch bessere Mannschaft sein", so die Prognose von Pato im Gespräch mit FIFA.com.

Sein Mitspieler Maicon ist der Meinung, dass dabei zwei entgegen gesetzte Spielkulturen aufeinander treffen werden: "Die Italiener spielen einen Fussball, der vor allem von taktischen Erwägungen geprägt ist. Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir als Brasilianer praktizieren."

Unter dem Strich also beste Voraussetzungen für eine unterhaltsame Partie mit vielen Toren, wie die Länderspielgeschichte beider Nationalteams beweist. Die 60.000 Zuschauer jedenfalls können den Anpfiff der Partie im Emirates Stadium jedenfalls kaum noch erwarten!