Im Alter von 33 Jahren hat Juan Sebastián Verón noch immer viel Spaß am Fussball. Seit seiner Rückkehr nach Argentinien, wo er für seinen Lieblingsverein Estudiantes La Plata spielt, hat La Brujita (die kleine Hexe) sich weiterhin in der Topform präsentiert, die ihm in Europa in so starken Ligen wie der italienischen und der englischen zum Erfolg verholfen hat. Er wurde 2006 sogar mit dem Klub argentinischer Meister, bei dem er einst groß geworden ist, und kehrte mit Pauken und Trompeten in die Nationalelf zurück. Diego Maradona hat gerade noch versichert, dass er beabsichtigt, ihn für das Freundschaftsspiel gegen Frankreich im Februar zu nominieren.

Trotz seines vollen Terminkalenders, auf dem unter anderem eine Reise nach Uruguay stand, wo er von der Tageszeitung El País zu Südamerikas Spieler des Jahres 2008 ausgezeichnet wurde, das Debüt seiner Mannschaft in der Copa Libertadores de América sowie die Vorbereitungen für die Clausura-Meisterschaft, nahm sich der talentierte Mittelfeldspieler Zeit für die Beantwortung der Fragen, die die User von FIFA.com an ihn richteten.

kaka10ed: Wollten Sie schon immer im Mittelfeld spielen, oder haben Sie im Laufe Ihrer Karriere schon einmal mit einer anderen Position geliebäugelt?
Bei den Junioren habe ich als Stürmer begonnen und war später Verteidiger. Als ich dann älter wurde und mich weiterentwickelt habe, bin ich im Mittelfeld zum Einsatz gekommen. Aber um ehrlich zu sein, möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt auch auf keiner anderen Position mehr spielen, weil es mir viel Spaß macht [lacht].

argentina193: Welche der nationalen Ligen, in denen Sie gespielt haben, hat Ihnen am besten gefallen und warum?
Am besten hat mir die italienische gefallen, weil ich dort als Spieler wirklich gereift bin. Ich weiß nicht, ob es zum Zuschauen die schönste Liga ist oder nicht. Viele ziehen andere Ligen vor. Die englische Liga mag für den Zuschauer vielleicht attraktiver sein, aber ich bleibe trotzdem bei der Serie A. Die sieben Jahre, die ich dort verbracht habe, haben meine Karriere entscheidend geprägt.

arsenal94360: Mit welchem Klub haben Sie die hitzigsten Nachbarschaftsduelle erlebt?
Na ja... Ich würde sagen hier, in La Plata. Ich bin ein großer Fan von Estudiantes, und das macht sich auch im täglichen Leben in der Stadt bemerkbar. Von den restlichen Klassikern, die ich erlebt habe, würde ich Lazio gegen den AS Rom nennen. Die Leidenschaft und Begeisterung, die diese Partie auslöst, ist mit den Verhältnissen in Argentinien vergleichbar.

Ennerstee: Viele Leute sind der Auffassung, dass die englische Spielweise den südamerikanischen Fussballern nicht liegt. Was meinen Sie aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen in England dazu?
Ich teile diese Auffassung nicht. Ich glaube, das hat sehr viel mit der jeweiligen Situation zu tun und damit, wie man nach England kommt. Carlos Tévez hat sich beispielsweise sehr gut angepasst. Die Vorbereitung und die Herangehensweise an die Spiele unterscheiden sich schon von anderen Ligen. Aber wenn man sich wohl fühlt, dann kann trotzdem alles gut laufen, egal, woher man kommt.

j.c.g.a: Warum haben Sie nie in Spanien gespielt?
Weil sich das nie ergeben hat. Es hat viele Gespräche gegeben, aber es ist nie etwas Konkretes dabei herausgekommen, obwohl ich gern für Barcelona oder Real Madrid gespielt hätte. Ich habe keine schlaflosen Nächte, weil ich nie dort gespielt habe, aber für meine Karriere wäre es schon wichtig gewesen.

pollo5: Warum hat Argentinien Ihrer Meinung nach in der WM-Qualifikation bisher so viele Probleme?
Weil die wichtigen Spieler aller gegnerischen Mannschaften jetzt im Ausland spielen. Selbst Venezuela, vorher die wohl schwächste Mannschaft, hat jetzt drei Auslandsakteure im Team. Und das macht sich bemerkbar: Das Niveau im Fussball hat sich stark angeglichen, und es ist generell gestiegen, nicht gesunken, wie ich häufig gehört habe. Wenn es selbst für Brasilien schwierig ist...

becu211284: Was erfüllt Sie mit mehr Stolz, unter Diego Maradona als Nationaltrainer zu spielen oder Seite an Seite mit ihm auf dem Platz gestanden zu haben?
Mit ihm gespielt zu haben. Ich habe noch nicht unter seiner Leitung gespielt, aber mit ihm auf dem Platz zu stehen war das Beste, was mir in meiner Karriere passiert ist. Seine Worte, die Kabine, die Trainingslager, die Reisen... An der Seite von Diego erhält alles eine unglaubliche Dimension. Ich glaube, er wird für immer der eindrucksvollste Spieler in der Geschichte des argentinischen Fussballs bleiben.

aligoal9: Glauben Sie, dass die argentinischen Mannschaften 1998 und 2002 stark genug waren, um die Weltmeisterschaften dieser Jahre zu gewinnen? Wenn ja, was ist dann schief gegangen?
Es ist schwer, den ersten Teil der Frage mit ja oder nein zu beantworten. In beiden Fällen hatten wir an sich eine gute Mannschaft. 1998 hat uns das Glück gefehlt, denn die Partie gegen Holland war sehr ausgeglichen. Und wenn man erst einmal im Halbfinale ist, kann alles passieren. 2002 wären wir fast weitergekommen, haben aber einen schlechten Start erwischt.

ayayay: Es gab Menschen, die Sie für das Ausscheiden Argentiniens bei der WM 2002 verantwortlich gemacht haben. Was denken Sie darüber?
Gar nichts, weil ich auf solche Kommentare nie geachtet habe und auch heute noch nicht achte. Ich habe gelernt, sowohl Lobhudelei als auch Kritik relativ zu sehen. Die Leute können sagen, was Sie wollen, für mich ist das nicht von Bedeutung. Manchmal ist es schwierig, mit der Erfolgssucht im Fussball zu leben, dann versuche ich, mich abseits zu halten.

thisdude7: Haben Sie im Fussball alles erreicht, was Sie erreichen wollten? Falls das nicht der Fall ist, was fehlt noch?
Dort, wo ich gespielt habe, habe ich fast alles erreicht. Aber natürlich gibt es immer noch Dinge, die ich noch nicht erreicht habe. Man kann eben nicht alles haben. An sich bin ich mit meiner Karriere sehr zufrieden.

javier.che: Was bedeutet das Band am rechten Knie? Ist es eine Art Talisman?
Das geht ursprünglich auf eine Verletzung zurück, die ich mir 1997 zugezogen habe. Später habe ich es dann als eine Art Talisman beibehalten, ja. Ich glaube auch nicht, dass ich es weglassen werde. Schließlich ist es mir damit nicht gerade schlecht ergangen [lacht}.

1234567890yo: Was empfehlen Sie Jungs wie uns, die noch ganz am Anfang stehen und einmal Fussballprofi sein und in den prestigeträchtigsten Ligen der Welt spielen möchten, genau wie Sie?
Zunächst einmal, dass Ihr glücklich seid mit dem was Ihr tut. Und dann solltet Ihr versuchen, Eure Träume zu realisieren. Und zum Dritten müsst Ihr hart arbeiten und viel Einsatz zeigen. Aber das Wichtigste ist, dass Ihr niemals glauben dürft, dass Ihr es schon geschafft habt. Wenn man das glaubt, lässt man nämlich nach.

intertifosi: Ich habe gelesen, dass Sie ein Fan von Ernesto Guevara de La Serna sind (genau wie ich). Wie war Ihre Beziehung zu den Fans von Lazio, als Sie für den Klub spielten?
Zu Beginn nicht gut. Sie haben mir sogar sagen lassen, ich solle mir die Tätowierung seines Gesichts entfernen lassen, die ich auf der Schulter habe. Aber als wir dann Meister geworden sind, kamen dann einige in die Kabine und haben die Tätowierung geküsst! Für mich war das nur ein kleines Detail, aber von da an wurde alles besser.

panchito.: Können Sie Ihre Karriere in einem Satz zusammenfassen?
Ich fasse sie mit einem Wort zusammen: schwindelerregend.

Pincharrata: Bruja, nachdem ich Sie auf dem Platz gesehen und Ihre Interviews gelesen und gehört habe, denke ich, dass Sie alles haben, was ein Trainer braucht. Wären Sie nicht gern der Alex Ferguson von Estudiantes?
Nein, ganz und gar nicht. Die Trainerlaufbahn reizt mich nicht. Das heißt nicht, dass es mir keinen Spaß macht, Menschen etwas beizubringen, aber ich könnte als Trainer nicht noch einmal das erleben, was ich als Fussballer schon erlebt habe. Für mich wäre das so, als würde ich meine Karriere mit etwas verlängern, bei dem ich mich nicht wohl fühle.

Mamadoso: Welche Pläne haben Sie für den Tag, an dem Sie Ihre aktive Laufbahn beenden?
Ich wäre gern sportlicher Leiter im Fussball. Im Ausland ist es viel üblicher, dass ehemalige Fussballer eine leitende Stellung übernehmen, aber hier hat sich das noch nicht durchgesetzt. Vélez Sarsfield hat etwas mit Christian Bassedas gemacht, die Boca Juniors haben jetzt Carlos Bianchi, aber das war es dann auch schon. Dabei ist das eine wichtige Sache, die in Argentinien noch fehlt. Die Beziehung zwischen der Führungsetage und den Fussballern ist entscheidend, und wer wäre da besser geeignet, als einer der selbst einmal dabei war, und die Gedanken und Bedürfnisse der Spieler kanalisieren kann.

mohfadli: Glauben Sie, dass Sie im Fussball Geschichte gemacht haben?
Was für eine Frage! Geschichte ist ein sehr großes Wort... Ich weiß nicht, ich habe nie darüber nachgedacht. Meine eigene Geschichte schon, aber darüber hinaus, ich weiß es nicht. Es gibt in jedem Betätigungsfeld nur wenige Persönlichkeiten, die so etwas schaffen. Vielleicht sollten Sie da jemand anders fragen oder noch einmal darüber nachdenken, wenn ich meine Karriere beendet habe. Wir werden sehen.

FIFA.com: Herr Verón, welche Frage unserer User hat Ihnen am besten gefallen?
[Denkt nach, während er die Fragen noch einmal durchliest.] Die Frage danach, was ich den Jungs empfehlen würde, die noch ganz am Anfang stehen, weil ihre Ausbildung heute oftmals sehr oberflächlich ist. Man muss da mehr in die Tiefe gehen. Schließlich haben sie heute über den Computer Zugang zur ganzen Welt. Die vielen Einflüsse, die auf sie einströmen, können leicht für Verwirrung sorgen. Fussballer sein, das ist viel mehr als Werbefotos, teure Autos oder der Privatjet. Auch die Eltern sind manchmal fehlgeleitet und stellen ihren Wunsch nach finanzieller Sicherheit über das Glück der Kinder. Deshalb sollte man viel Zeit dafür aufwenden, den Kindern beizubringen, was diese Karriere mit sich bringt, und alles tun, damit sie mit ihrer Wahl glücklich werden.