Er hat noch immer ein Jungengesicht und ist trotz seiner langen Erfolgsgeschichte erst 24 Jahre alt. Trotzdem hat er bereits an zwei Europameisterschaften und einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ teilgenommen und ist bei dem Klub, in dem er groß geworden ist, zu einem absoluten Idol geworden: Ajax Amsterdam. Dort machte er einen anderen Fussballgiganten auf sich aufmerksam, nämlich Real Madrid. Er wechselte 2007 in die spanische Hauptstadt. FIFA.com unterhielt sich mit dem niederländischen Star Wesley Sneijder.
Herr Sneijder, was ist mit Real Madrid los?
Die Spielzeiten sind sehr lang, und alle Mannschaften durchlaufen Phasen, in denen sie spielerisch einbrechen und die Ergebnisse zu wünschen übrig lassen. In der letzten Saison hatten wir auch Phasen, in denen wir schlecht gespielt haben, und wir haben sie überwunden. Ich glaube nicht, dass wir uns allzu große Sorgen machen müssen. Wir haben immer noch Ziele, auf die wir hinarbeiten können, um die Saison zu einem guten Abschluss zu bringen. Jetzt müssen wir kämpfen und alle an einem Strang ziehen, um den richtigen Weg zu finden. Und wenn wir es nicht schaffen, schönen Fussball zu spielen, müssen wir andere Mittel finden, um zu gewinnen.
Die Fans werden allerdings langsam nervös. Glauben Sie, dass man diese Situation wieder in den Griff bekommt?
Es ist normal, dass sich das Publikum über diese Lage ärgert, schließlich sind wir Real Madrid, und die Erwartungen sind hoch. Jetzt müssen wir mehr denn je zusammenhalten, die Lage meistern und wieder zu unserer Bestform zurückfinden. In dieser Situation geht es ums Ganze, nicht um Einzelinteressen. Wenn wir wieder gute Ergebnisse erzielen, werden die Kritiker verstummen... so ist das im Fussball.
Einmal abgesehen von Rafael van der Vaart war Madrid im Sommer nicht besonders aktiv auf dem Transfermarkt. Mangelt es dem Kader an Tiefe?
Ich glaube, manchmal haben wir das schon zu spüren bekommen, insbesondere wenn mehrere Spieler verletzt waren. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass dieses Team noch Meister werden kann. Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut.
Im derzeitigen Kader ist Oranje stark vertreten. Wie kommen die Niederländer bei Real Madrid miteinander aus?
Als ich dazukam, war Ruud Van Nistelrooij bereits dort. Er war bei vielen Dingen eine große Hilfe. Man findet viel leichter ins Team, wenn schon Landsleute dabei sind. Jetzt sind wir sechs! Wir sind eine gute Truppe und verstehen uns prima. Allerdings glaube ich auch, dass es jetzt langsam reicht. Wir neigen nämlich dazu, Niederländisch zu sprechen, obwohl wir unbedingt Spanisch lernen müssen!
Der FC Barcelona begeistert derzeit mit spektakulärem Fussball. Machen Sie sich Sorgen darüber, dass die Mannschaft Ihnen zum dritten Mal den Landesmeistertitel abspenstig machen könnte?
Natürlich kann Barcelona den Titel gewinnen. Sie haben eine sehr gute Mannschaft, die fantastischen Fussball spielt. Aber alle Teams müssen Durststrecken überwinden. Die Saison ist sehr lang.
Haben Sie ein Vorbild? An wem orientieren Sie sich, um Ihre Technik zu verbessern?
Im Augenblick habe ich kein wirkliches Vorbild. Ich hatte eigentlich nie besonders viele Idole. Als ich in der Fussballschule von Ajax war, habe ich mich an den Stars des AC Mailand orientiert. Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard. Es hat mich einfach fasziniert, wie diese Niederländer in einer der ganz großen Mannschaften Europas Triumphe feierten.
Als ich bei den Junioren von Ajax spielte, haben wir uns immer die Spiele der ersten Mannschaft angeschaut und mussten uns auf den Spieler konzentrieren, der unsere Position bekleidete. Auf meiner Position spielte Edgar Davids. Ich wollte immer spielen wie er und im Fussball das erreichen, was er erreicht hatte.
Die Fussballschule von Ajax bringt eine Menge neuer Talente hervor. Was haben Sie dort für Erfahrungen gemacht?
Diese Schule ist eine der besten der Welt. Sie ist einfach großartig. Dort wird für alles gesorgt, von der akademischen Ausbildung bis hin zur optimalen Verpflegung. Man trainiert jeden Tag, und auf die Schulbildung wird ebenfalls geachtet. Das war eine geniale Erfahrung. Mein kleiner Bruder Rodney ist im Augenblick auch dort und hat schon einen Vertrag bei Ajax unterschrieben. Vielleicht kann ich eines Tages Seite an Seite mit ihm in derselben Mannschaft spielen. Es ist eine gute Schule.
Ihr Vater hat ein großes Opfer gebracht, damit Sie dort trainieren konnten...
Ja, das stimmt. Wir wohnten damals in Utrecht, das ist 25 km von Amsterdam entfernt. Von dort aus mussten mein großer Bruder Jeffrey und ich jeden Tag zum Training bei Ajax gefahren werden. Das ist zwar nicht sehr weit, aber mein Vater musste nachts arbeiten, um uns tagsüber zum Training fahren zu können. Wenn mein Bruder fertig war, fing mein Training gerade an. So hat er praktisch den ganzen Tag mit uns in Amsterdam verbracht. Aber jetzt ist er sehr stolz.
Welcher Trainer hat Sie in Ihrer bisherigen Laufbahn am stärksten geprägt?
[Überlegt] Bei Ajax hatte ich so viele Trainer... Der wichtigste von allen war für mich, glaube ich, Danny Blind. Er hat mich trainiert, als ich 16 war. Er hat immer gesagt: 'Du kannst in diesem Stadion (dem von Ajax) spielen. Du kannst in der ersten Mannschaft spielen, aber du musst mir zuhören und jeden Tag das tun, was ich sage.' Das habe ich getan, und zwei Jahre später stand ich in der ersten Mannschaft. Er ist eine tolle Persönlichkeit, ein guter Trainer und war auch ein großartiger Spieler.
Ich würde auch noch Henk ten Cate nennen, der sehr wichtig für mich war, weil er mir in meinem letzten Jahr bei Ajax sehr viele Freiheiten gelassen hat. Er hat mir gesagt, dass ich sehr gut sei und auf dem Spielfeld einfach machen sollte, was ich will. Ihm habe ich meinen großen Durchbruch zu verdanken und meinen Vertrag mit Real Madrid!
Kommen wir einmal auf die niederländische Nationalmannschaft zu sprechen. Die Niederlande haben bei der EURO 2008 hervorragenden Fussball gezeigt. Welche Bilanz haben Sie nach dem Ausscheiden gezogen?
Ich finde, wir hatten wirklich eine beeindruckende Mannschaft und haben gegen Frankreich und Italien hervorragende Auftritte hingelegt. Ich frage mich noch immer jedes Mal, wenn ich an diese Partie gegen Russland denke, wie das passieren konnte. Wir hatten einen schlechten Tag, der Rückstand hat uns aus dem Konzept gebracht. Ich glaube, das war eine der besten Gelegenheit, den Titel zu gewinnen.
Welche Neuerungen hat der neue Nationaltrainer Bert Van Marwijk eingebracht?
Es gibt keine großen Unterschiede. Im letzten Jahr haben wir taktisch umgestellt, und jetzt setzen wir diesen Weg fort. Wir haben jetzt Mark van Bommel, der seine Sache sehr gut macht, und auch die neuen Leute im Tor stehen für Qualität. Wir haben bei der EURO gut gespielt, daher musste man nicht viel verändern.
Was ist in fussballerischer Hinsicht Ihr nächstes Ziel?
Die UEFA Champions League mit Real Madrid und die Weltmeisterschaft mit Oranje.
