Seit Beginn dieser Saison ist mit dem KSC Lokeren ein eher bescheidener Erstligaverein aus der belgischen Provinz ins Blickfeld der europäischen Topklubs gerückt. Der Grund hierfür hat einen konkreten Namen: Moussa Maazou, die neue afrikanische Perle in Belgiens Jupiler League, in der bislang schon etliche Rohdiamanten den Durchbruch im Profifussball schafften. Der Toptorjäger des KSC Lokeren sorgt indes für besondere Aufmerksamkeit, da er aus Niamey, der Hauptstadt von Niger, kommt und somit vom sonst üblichen Muster der Spielertransfers von Afrika nach Europa abweicht.

Aus seiner Heimatstadt Niamey bekommt Moussa Maazou nach jedem Treffer, den er erzielt, auch die herzlichsten Glückwünsche auf sein Handy übermittelt. Ein Rückhalt, der das stete Lächeln des derzeit erfolgreichsten Torschützen in Belgiens höchster Spielklasse noch ein wenig breiter erscheinen lässt. "Ich habe hier meine Ruhe und fühle mich sehr wohl. Man hat mir das Vertrauen geschenkt und ich tue mein Bestes, um es zu rechtfertigen. Seit meiner Ankunft in Belgien habe ich schon große Fortschritte gemacht", gesteht uns der junge Afrikaner, der seine ganze Kraft dafür einsetzt, vom hohen Niveau des europäischen Fussballs zu lernen. Nach jedem Mannschaftstraining absolviert er mit dem Assistenten von Georges Leekens, seinem aktuellen Trainer und Betreuer, eine zusätzliche Trainingseinheit, um an der Verbesserung seiner Balltechnik, seinem Kopfballspiel und seinem Schussvermögen zu arbeiten.

Mit beiden Füßen auf dem Boden
Und das Ergebnis dieses Extratrainings kann sich mehr als sehen lassen: In 15 Pflichtspielen erzielte Maazou elf Treffer und rangiert damit zurzeit an der Spitze der belgischen Torjägerliste. "Das ist der Lohn für die harte Arbeit", freut sich der Angreifer, der sich bewusst eine Wohnung in unmittelbarer Nähe des Vereinsstadions gesucht hat und seinen Tagesablauf fast einzig dem Leben im Klub unterordnet. "Er ist ein Fussballer, der mit viel Freude dabei ist und sich permanent bemüht, hinzuzulernen und noch besser zu werden", so das überaus positive Urteil von Trainer Leekens über seinen 1,86 Meter großen Schützling und dessen Qualitäten als Stürmer. "Außerdem bleibt er mit beiden Füßen auf dem Boden und realistisch. Genau deshalb hat er auch mein Vertrauen, um sich selbst für schwierigste Zeiten das erforderliche Rüstzeug zu holen."

Und was die Schwierigkeiten anbelangt, so hat Moussa bereits genügend davon kennen gelernt. Als er im Januar 2008 von AS Fan, seinem Heimatklub in Niger, nach Europa aufbrach, war er gerade bester Torschütze (20 Treffer in 34 Spielen) geworden, worauf er natürlich besonders stolz war. Dagegen war seine Ankunft in Flandern sowohl in kultureller und sprachlicher als auch in klimatischer Hinsicht ein Schock. "Am Anfang hatte ich Probleme mit dem Klima. Die Afrikaner, die bereits in Lokeren waren, haben mir damals empfohlen, meine Füße mit Vaseline einzucremen, um sie auf diese Weise warm zu halten. Das hat tatsächlich funktioniert", so Maazou im Rückblick, der mittlerweile so viel "Feuer" in den Füßen hat und dazu noch genügend Abgeklärtheit besitzt, dass er regelmäßig seine Tore schießt.

Da Trainer Leekens erkannte, dass seine neue Stürmerperle ausreichend Zeit für die Anpassung an die neue Umgebung benötigte, ließ er es mit seinem Schützling betont ruhig angehen, um ihn nicht unnötig unter Druck zu setzen. So kam es, dass Maazou erst im März dieses Jahres erstmals zum Einsatz kam und am Saisonende gerade mal einen Treffer auf dem Konto hatte. Inzwischen steht fest, dass die Anpassungsphase lediglich sechs Monate dauerte, denn seit Beginn der laufenden Saison sorgt Maazou in den gegnerischen Strafräumen in aller Regel für höchste Gefahr.

Talent, aber keinen Spieleragenten
Beim Punktspiel gegen den FC Brügge, das am 7. Dezember im Daknam-Stadion stattfand, saßen rund 20 Spielerbeobachter auf der Ehrentribüne, um jede einzelne Aktion der Perle aus Niamey aus der Nähe zu verfolgen. "Jedes Mal, wenn die Scouts kommen, selbst in Scharen, versuche ich, sie nicht allzu sehr zu beeindrucken. Ich mache einfach mein Spiel", meinte dazu der Betroffene, der von ZSKA Moskau bereits ein lukratives Angebot erhielt. Und auch Paris Saint-Germain hat inzwischen ein Auge auf den jungen Stürmer aus Niger geworfen. "Unser Klubpräsident Villeneuve hat mich in der Tat angerufen und mir gesagt, dass ein paar Spieleragenten gekommen wären, um mit mir zu reden. Doch ich selbst habe keinen Agenten..."

In Lokeren scheint der afrikanische Torjäger das ideale Umfeld für seine weitere Entwicklung gefunden zu haben. Und er selbst weiß auch, dass er sich noch verbessern muss. Im Übrigen ist Trainer Leekens der Auffassung, dass Moussa "einen ähnlich großen Spielraum für weitere Fortschritte aufweist wie Mbark Boussoufa", einer der aktuellen Topspieler bei RSC Anderlecht. Er ist erst bei 50 Prozent seines Potenzials angelangt. Deshalb möchte er diese Saison unbedingt in Lokeren zu Ende spielen, vielleicht auch darüber hinaus. Als 20-Jähriger ist da keinerlei Eile geboten. Längerfristig ist es sein Traum, einmal beim FC Arsenal zu spielen, wo er mit seinem Vorbild Emmanuel Adebayor in einer Mannschaft wäre.

Derweil wäre die belgische Torschützenkrone am Ende der laufenden Saison schon eine grandiose Anerkennung für ihn: "In der Liste der besten Torschützen ganz oben und in einer Reihe mit Topspielern wie Dieumerci Mbokani zu stehen, ist allein schon eine Riesenfreude. Obwohl ich im Moment noch gar nicht an den Titel für den erfolgreichsten Torschützen denke, toll wäre es schon."