Andriy Voronin ist ein Kind der Bundesliga. Der ukrainische Nationalspieler begann seine Karriere bei Borussia Mönchengladbach, wo er von 1995 bis 2000 für fünf Jahre die Fussballschuhe schnürte. Nach Stationen beim FSV Mainz 05, dem 1. FC Köln und Bayer Leverkusen schaffte er 2007 den Sprung in die englische Premier League zum Rekordmeister FC Liverpool.
Doch dort hielt es ihn jedoch nicht lange. Bereits nach einem Jahr kehrte er im Sommer 2008 auf Leihbasis zurück in die Bundesliga. Bei Hertha BSC Berlin ist er maßgeblich am Aufschwung des Hauptstadtklubs beteiligt.
Auch in der Nationalmannschaft will der 29-Jährige gemeinsam mit Stars wie Andriy Shevchenko (AC Mailand) und Anatoliy Tymoschuk (Zenit St. Petersburg) die Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ schaffen.
FIFA.com sprach exklusiv mit dem Torjäger.
Gladbach, Köln, Mainz, Leverkusen und nun Berlin. Sie haben in der Bundesliga schon einiges gesehen und erlebt. Wo war für Sie die schönste Zeit?
Ich habe an alle Klubs in Deutschland noch sehr gute Erinnerungen. Sicherlich hatte ich in Leverkusen die erfolgreichste Zeit, aber ich habe mich bei allen Vereinen in Deutschland sehr wohl gefühlt und immer alles für den jeweiligen Klub gegeben.
Sie stehen beim englischen Rekordmeister FC Liverpool unter Vertrag. Was hat Sie dazu bewogen, wieder in die Bundesliga bzw. zur Hertha zu wechseln?
Der FC Liverpool hat mir nach der Verpflichtung von Robbie Keane unmissverständlich klar gemacht, dass ich nicht mehr häufig zum Einsatz kommen werde. Mit Keane, Torres, Kuyt und Babel ist die Konkurrenz auch ziemlich namhaft. Da ich aber unbedingt spielen wollte und sich Hertha zum richtigen Zeitpunkt gemeldet hat, musste ich nicht lange überlegen.
Im Sommer müssen Sie wieder zurück nach England. Könnten Sie sich vorstellen, länger in Berlin zu bleiben?
Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich fühle mich in Berlin sehr wohl und Hertha BSC ist ein sehr professionell geführter Verein. Ich bin jederzeit zu Gesprächen bereit.
Ihr Vertrag bei den Reds läuft noch bis 2011. Dann sind sie 32 Jahre alt. Gibt es einen Klub, für den Sie noch einmal spielen würden?
Im Fussball-Geschäft weiß man nie, was kommt, aber ich denke, dass ich auf eine gute Karriere zurückblicken kann. Mit Liverpool habe ich bei einem Top-Klub in England und in der stärksten Liga in Europa gespielt. Wenn ich allerdings nochmal die Wahl hätte, würde ich gerne beim FC Barcelona spielen.
In Deutschland ist es Hoffenheim, in England Hull City - zwei Aufsteiger sorgen derzeit für reichlich Furore. Sind Sie überrascht, dass diese Klubs den "Großen" Paroli bieten können?
Wenn man sich die Investitionen und das Konzept von Hoffenheim anschaut, muss man nicht überrascht sein. Wir haben ja bereits gegen Hoffenheim gespielt, und ich muss sagen, dass dort sehr gute Fussballer spielen. Über Hull City kann ich nur wenig sagen, weil ich zu weit weg bin, aber grundsätzlich gibt es in jeder Saison und in jeder Liga immer wieder Überraschungsmannschaften.
Sie haben den Vergleich Premier League und Bundesliga. Welche Liga ist stärker?
Die Premier League wird als die stärkste Liga in Europa bezeichnet. Das Tempo dort ist sehr hoch, und es geht alles unheimlich schnell. Die Bundesliga stufe ich vom Niveau her auch sehr hoch ein. Ich bin sehr froh, dass ich wieder in der Bundesliga spielen kann.
Kommen wir zur Nationalmannschaft. In der WM-Qualifikation stehen Sie mit der Ukraine nur auf Rang drei hinter England und Kroatien - und das obwohl Sie noch nicht verloren haben. Wie groß sind die Chancen und Hoffnungen auf die Qualifikation für die FIFA WM 2010 in Südafrika?
Natürlich haben wir Hoffnungen, uns für die WM in Südafrika zu qualifizieren. Wir haben momentan ein Spiel weniger. Normalerweise wären es drei Punkte mehr. Wir werden bis zum letzten Spieltag der Qualifikation kämpfen.
Bei der letzten WM 2006 in Deutschland erreichte die Ukraine das Viertelfinale. Bei der UEFA EURO 2008 wurde die Teilnahme verpasst. Warum gibt es solche Leistungsschwankungen?
Wir hatten auch eine extrem schwere Gruppe in der Qualifikation zur EURO. Mit Italien und Frankreich waren dort die Finalisten der WM 2006 sowie Schottland dabei. Das war eine super schwere Gruppe, und wir hatten so gut wie keine Chance, uns durchzusetzen.
Wie stark ist die Ukraine wirklich?
Das lässt sich im Moment nur sehr schwer sagen, weil wir viele junge Spieler im Kader haben, und die Mannschaft neu aufgebaut wird. Ich denke, dass die Mannschaft eine gute Perspektive hat, aber noch ein bisschen Zeit benötigt.
Sie haben in 47 Länderspielen erst vier Treffer erzielt - in den Vereinen lief es erheblich besser. Warum konnten Sie bis jetzt Ihre Torgefährlichkeit nicht mit zur Nationalmannschaft nehmen?
Das liegt daran, dass ich häufig im Mittelfeld eingesetzt worden bin und sehr viel Defensivarbeit verrichten musste. Dazu kommt, dass wir manchmal ein anderes System gespielt haben, aber sicherlich müsste ich meine Torgefährlichkeit mehr zur Geltung bringen.
Zum Abschluss noch einmal zurück zur Bundesliga. Was kann die Hertha in diesem Jahr erreichen, und wer wird Deutscher Meister?
Wir werden versuchen, um die internationalen Plätze mitzuspielen, aber das wollen viele andere Mannschaften auch, die deutlich mehr als wir investiert haben. An der Spitze gibt es bestimmt drei bis vier Mannschaften, die um den Titel kämpfen werden. Dazu zähle ich Bayern, Schalke, Leverkusen und Bremen bzw. Hamburg.
