Der SSC Neapel konnte in dieser Saison wieder an seine ruhmreiche Vergangenheit anknüpfen und gehört zu den besten Teams der Serie A. Ein Umstand, der besonders dem Aufblühen zweier Spieler aus der argentinischen Schule zu verdanken ist: Ezequiel Lavezzi und German Denis. Da sich gute Leistungen immer auszahlen, wurden die beiden Akteure jüngst vom neuen argentinischen Nationaltrainer Diego Maradona in die Nationalmannschaft berufen. FIFA.com stellt Ihnen die neuen Stars aus Neapel etwas näher vor.
Aufgrund seiner geringen Körpergröße (1,73 Meter), seiner zurückhaltenden Art und seinem häufig gesenkten Haupt ist Lavezzi auf den ersten Blick ein unscheinbarer und unauffälliger Zeitgenosse. Doch kaum betritt er ein Fussballfeld, wird er zur schillernden Figur. Sein unglaublich schneller Antritt, seine atemberaubenden Dribblings und seine mit chirurgischer Präzision getretenen Schüsse begeistern die Stadien.
Trotz seiner unbestrittenen Qualitäten verlief die Entwicklung des in Villa Gobernador Galvez geborenen Fussballers zunächst wenig zielstrebig. Als 16-Jähriger hängte er seine Fussballstiefel vorübergehend an den Nagel, um eine Ausbildung als Elektriker zu absolvieren. Bei seiner Rückkehr zum Fussball nach zweijähriger Abwesenheit heuerte er zunächst bei einem kleinen Drittligisten an, beim Club Atlético Estudiantes.
Von diesem Moment an ging es mit Lavezzis Karriere stetig aufwärts. 2004 wurde er für eine kurze Zeit nach Genua transferiert, doch der mit finanziellen Problemen kämpfende Klub verkaufte ihn bald wieder nach Argentinien zurück, wo er drei Spielzeiten lang beim Erstligisten San Lorenzo aktiv war. Dort sammelte er weiter Erfahrung und Wettkampfhärte, der Lohn folgte schließlich in Form des Gewinns der Clausura-Meisterschaft im Juni 2007. Sein damaliger Trainer Ramon Diaz urteilte nach dieser Saison, dass Lavezzi nun "bereit für Europa" sei.
Am 5. Juli 2007, auf den Tag genau 23 Jahre nachdem der SSC Neapel einen gewissen Diego Maradona präsentierte, nahm der Klub Lavezzi und somit erneut einen vielversprechenden Argentinier unter Vertrag. Aufgrund solcher Parallelen und seiner außergewöhnlichen Leistungen auf dem Feld, wie zum Beispiel ein Hattrick im italienischen Pokal knapp einen Monat nach seiner Ankunft in Neapel, wurde Lavezzi bald zum Liebling der Fans im heimischen San-Paolo-Stadion.
Sein Trainer Eduardo Reja erkannte schnell, dass für einen solchen Fussballkünstler jedes taktische Schema zu eng ist, dass er ihn in kein festes System pressen kann - Lavezzi gehört zu jenen Spielern, die mit einem Geniestreich ein Spiel entscheiden können. Selbst der brasilianische Superstar Kaká äußerte über seinen Kollegen in der Serie A: "Lavezzi ist ein fantastischer Spieler." Der plötzliche Ruhm indes steigt dem jungen Argentinier nicht zu Kopfe, der nicht vergisst, wo er herkommt.
"Ich kann das Haus kaum verlassen. Also mache ich es wie Diego, als er hier spielte. Ich verabrede mich telefonisch in ein oder zwei Restaurants, wenn sie gerade schließen und die Rollläden bereits heruntergelassen sind. Das stört mich nicht. Wir müssen lernen, solche Zeiten zu genießen. Ich rufe mir meine Anfänge in Erinnerung, als ich noch auf meinen Bus warten oder zu Fuß zum Training gehen musste. Diese Zeit meiner Jugend ist wichtig gewesen, denn sie hat meinen Charakter gestärkt."
Mannschaftskameraden und Freunde
Den idealen Partner auf dem Feld und auch privat hat Lavezzi in German Denis gefunden. Von weitaus kräftigerer Statur (1,83 Meter bei 78 kg) ist der kopfballstarke Spieler, der keinem Zweikampf aus dem Weg geht, "die ideale Ergänzung zu Lavezzi", wie Eduardo Reja sagt.
Der 27-Jährige hat in elf Spielzeiten bei acht Klubs gespielt, ein Fussball-Vagabund, der aber mit beiden Füßen auf dem Boden steht. Er ist ein hartnäckiger Rackerer, der sich selbst immer wieder in Frage stellt, und das volle Vertrauen seines Trainers braucht, um seine beste Leistung zu zeigen.
Nach einem gescheiterten Engagement beim italienischen Serie B-Klub AC Cesena kehrte er nach Argentinien zu Arsenal Sarandi unter Coach Jorge Burruchaga zurück, dem er wenige Jahre später zum Klub Independiente folgen sollte, wo er den endgültigen Durchbruch schaffte. Als er 2007 nach einem mäßigen Jahr von seinem neuen Trainer Pedro Troglio das Vertrauen ausgesprochen bekam, bedankte er sich mit 18 Toren in der Clausura-Meisterschaft, ein neuer Klub-Rekord in diesem Wettbewerb.
In der Saison 2008/09 wechselte er nach Neapel und debütierte außerdem in der argentinischen Nationalmannschaft gegen Venezuela. Am 29. Oktober 2008, als Maradona zum neuen Nationaltrainer ernannt wurde, gelang ihm gegen Reggina ein Hattrick.
"Ich kann es besser machen. Außerdem können wir uns als Team noch stark verbessern, da wir sehr gute Spieler auf allen Positionen haben. Wir müssen einfach weiterhin so spielen, ohne allzu viel darüber nachzudenken."
Der sehr gläubige Denis vergisst niemals, sich ein Bildnis seines Schutzheiligen unter seine Schienbeinschoner zu stecken, eine Angewohnheit, die ihn bei den Süditalienern noch populärer macht.
Und Denis vergisst auch Lavezzi nicht. Die zwei Argentinier stehen sich sehr nahe und treffen sich mindestens einmal wöchentlich zum gemeinsamen Essen. "Lavezzi ist noch jung, aber er ist bereits ein Phänomen und er wird noch besser werden. Doch wenn wir uns sehen, sprechen wir niemals über Fussball."
