Amr Zaki begann die laufende Saison als einer unter vielen in der englischen Premier League. Doch nach sieben Spieltagen hat sich der Mittelstürmer, den Wigan Athletic zunächst für eine Saison von Zamalek Kairo ausgeliehen hat, als einer der gefährlichsten Torjäger etabliert.

Der Ägypter ist schnell, durchschlagskräftig und unerbittlich vor dem gegnerischen Tor. Kein Wunder also, dass er gemeinsam mit Jermain Defoe und Fernando Torres die Torjägerliste anführt. Mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen sprach Zaki exklusiv mit FIFA.com über seine Situation in der Premier League, die Chancen Ägyptens beim FIFA Konföderationen-Pokal Südafrika 2009 und die Lage in der laufenden Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™.

Amr Zaki, vor zehn Jahren haben Sie für den ägyptischen Zweitligisten Mansoura gespielt. Haben Sie sich jemals vorgestellt, eines Tages in der englischen Premier League auf Torejagd gehen zu dürfen?
Ich habe die Trikots von einigen Spielern getragen, gegen die ich heute antrete, als ich damals die Spiele im Fernsehen verfolgt und ihre Klubs angefeuert habe. Wenn ich an die Anfänge zurückdenke, habe ich wohl sehr schnelle und großartige Fortschritte gemacht. Ich habe sogar bei einem Drittligisten begonnen, nämlich El Merrikh, bevor ich zum Klub Mansoura in meiner Heimatstadt ging. Meinen ersten Einsatz in der A-Mannschaft habe ich dort schon mit 16 absolviert. Wenige Jahre später ging ich für eine Rekord-Transfersumme zum Erstligisten ENPPI. Wenn ich auf meinen bisherigen Weg zurück blicke, dann danke ich Gott für seine Hilfe, dass ich die Karriereleiter so schnell erklimmen konnte. Ich bin erst 25. Genau das gibt mir viel Zuversicht, wenn ich jeden Samstag gegen Superstars antrete.

Sie haben die Zeit bei Lokomotive Moskau nicht erwähnt...
Ich muss zugeben, dass ich auf diese Erfahrung nicht besonders stolz bin. Nachdem Ägypten im eigenen Land den Afrikanischen Nationen-Pokal 2006 gewonnen hatte, wollte mein Klub ENPPI mich verkaufen. Die Winter-Transferperiode in Europa war allerdings bereits abgeschlossen - außer in Russland. Lokomotive Moskau machte ein gutes Angebot. Doch ich blieb nur für drei Monate dort und machte kein einziges Spiel. Das lag größtenteils daran, dass ich die meiste Zeit verletzt war. Hinzu kam, dass ich sehr unter Heimweh und dem fürchterlichen Wetter dort litt.

Diese Probleme haben Sie bei Wigan offenbar überwunden, oder?
Dieses Mal ist alles ganz anders: Ich bin jetzt an dem Ort, von dem ich immer geträumt habe, seit ich ein Kind war. Ich wusste was mich hier erwartete, und ich bekomme jede Unterstützung, die ich brauche. Der Klub tut sein Bestes, damit ich mich wohl fühle, und hat mir sogar dabei geholfen, meine Familie nach England zu holen, damit ich mich wie zu Hause fühle. Ich kann nicht mal annähernd beschreiben, wie dankbar ich den Fans von Wigan bin, die wirklich ganz fantastisch sind.

Denken Sie, dass Sie bei einem Transfer zu einem größeren Klub sogar noch besser in der Premier League eingeschlagen wären?
Wigan mag eine kleine Stadt sein, aber es ist ganz sicher keine "kleine" Mannschaft. Wir spielen mit den besten Fussball in der Liga und haben Superstars wie Emile Heskey und Antonio Valencia in der Mannschaft. Selbst bei unseren Niederlagen in dieser Saison waren wir eigentlich die bessere Mannschaft und hatten lediglich Pech.

Sie stehen also voll und ganz hinter Wigan, trotz der Gerüchte, dass Sie im Januar gerne zu einem der "Großen Vier" der Premier League wechseln würden?
All meine Bemühungen sind jetzt darauf ausgerichtet, Wigan zu helfen und Tore für das Team zu schießen. Das ist das Mindeste, was ich für die Mannschaft tun kann, und insbesondere für meinen Trainer Steve Bruce, der unnachgiebig darauf bestanden hat, mich zu verpflichten, obwohl sich die Transferverhandlungen so lange wie selten im modernen Profifussball hingezogen haben. Er hat stets an mich geglaubt und jetzt ist es an mir, ihm sein Vertrauen zurückzuzahlen und die Erwartungen der Wigan-Fans zu erfüllen.

Sprechen wir über die Nationalmannschaft: Ägypten konnte sich seit 1990 nicht mehr für eine WM-Endrunde qualifizieren. Denken Sie, dass Sie es 2010 nach Südafrika schaffen?
Etwas anderes zu denken wäre ja verrückt, nachdem wir zwei Mal in Folge den Afrikanischen Nationen-Pokal gewonnen haben. Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir in dieser Phase die beste afrikanische Mannschaft sind. Wir Spieler haben genügend Selbstvertrauen, um den ganzen Weg nach Südafrika zu schaffen. Die nächste Phase der Qualifikation wird allerdings sehr schwer, denn jetzt sind nur noch die Spitzenteams im Rennen. Doch wir laufen zu Höchstform auf, wenn wir gegen die großen Gegner spielen.

Gibt es Mannschaften, auf die Sie in der dritten Runde der afrikanischen Qualifikation lieber nicht treffen würden?
Ich habe vor keinem Gegner Angst. Es dürfte eher anders herum sein, dass die anderen Mannschaften sich davor fürchten, gegen uns spielen zu müssen. Es gibt mindestens zwölf Mannschaften in Afrika, die eine Teilnahme bei der WM-Endrunde verdient hätten, doch am Ende werden sich nur die besten durchsetzen.

Wie schätzen Sie Ägyptens Chancen beim FIFA Konföderationen-Pokal im nächsten Jahr ein?
Es wird fantastisch, gegen Mannschaften wie Brasilien, Italien oder Spanien zu spielen. Die Menschen werden jedenfalls erwarten, dass wir als Afrikameister auf Sieg spielen. Genau das sollten wir meiner Meinung nach auch tun.

Sie haben im Halbfinale des Afrikanischen Nationen-Pokals 2006 gegen Senegal mit Ihrer ersten Ballberührung nach Ihrer Einwechslung für Mido getroffen. War das für Sie der größte Moment im Nationaltrikot?
Das denken viele Leute, doch dabei vergessen sie meist, dass ich bei diesem Turnier in jedem Spiel eingesetzt wurde und in anderen Partien eigentlich besser gespielt habe.

Die ägyptischen Fans erleben derzeit sehr aufregende Zeiten. Was denken Sie darüber, dass Ägypten im kommenden Jahr die FIFA U-20-Weltmeisterschaft ausrichtet?
Ich habe nur die allerbesten Erinnerungen an diese Altersklasse, denn wir haben 2003 in Burkina Faso den afrikanischen Titel geholt und ich gehörte zur Mannschaft. Bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft in Dubai stießen wir bis ins Achtelfinale vor, das wir knapp gegen Argentinien verloren haben. Unser Trainer war damals Hassan Shehata. Viele Spieler von damals standen auch in Shehatas Mannschaften, die 2006 und 2008 den Afrikanischen Nationen-Pokal holten. Ich bin sicher, dass die Menschen in Ägypten sich sehr freuen, dass eine solche Veranstaltung in unserem Land stattfindet. Es wird ein großartiges Fussballfest werden, genau wie der Afrikanische Nationen-Pokal 2006.

Sie haben in einem ägyptischen Film mit Mohamed Shawki in diesem Jahr eine wichtige Rolle gespielt. Denken Sie etwa über eine Karriere als Schauspieler nach?
Nein, auf keinen Fall! Diesen Film haben wir während der Sommerpause gedreht, nur aus Spaß an der Freude. Es war eine interessante Sache, und jetzt ist der Film tatsächlich in den Kinos. Ich hoffe sehr, dass er erfolgreich wird.

Welche persönlichen Ziele haben Sie neben Erfolgen mit Wigan und Ägypten?
Ich finde, es wäre Zeit, dass ich Afrikas Fussballer des Jahres werde. Diesen Titel hat seit über 25 Jahren kein Ägypter mehr gewonnen. Das ist sehr unbefriedigend. Viele Leute haben mir gesagt, dass ich der erste Anwärter bin. Das klingt logisch, denn es muss dieses Jahr einfach ein Ägypter sein, nachdem wir unseren kontinentalen Meistertitel verteidigt haben. Das war immerhin das größte Ereignis im afrikanischen Fussball in diesem Jahr. Wenn es jemanden gibt, der es mit mir im Kampf um diesen Titel aufnehmen kann, dann ist es Mohamed Aboutrika - er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Al Ahly aus Kairo den Klubfussball in Afrika dominiert.

Was ist denn mit Spielern aus anderen Ländern?
Ich empfinde großen Respekt für Stars wie Kanoute, Keita, Drogba und andere mehr, doch ich bin überzeugt, dass 2008 das Jahr Ägyptens war. Noch mehr hätten wir wohl kaum tun können, um einen solchen Titel zu verdienen.