Sie wird als Hauptstadt der Republik Tatarstan in Russland geführt. Zudem beschreibt man sie in diversen Internet-Lexika als bedeutsamen Standort des Maschinenbaus und als das Zentrum des russischen Islam. Dass die Millionenstadt Kazan an der Wolga jüngst auch noch zu einer nationalen Fussball-Hochburg avancieren konnte, versetzt derzeit ganz Europa in Erstaunen.

In Moskau und St. Petersburg ist eher Entsetzen angesagt. Denn eigentlich waren es die Hauptstadtklubs Dynamo, ZSKA und allen voran Spartak, die neben Meister und UEFA-Pokalsieger Zenit den Takt in der russischen Premjer Liga angeben wollten. Acht Spieltage vor dem Saisonende führt jedoch Rubin Kazan ebenso überraschend wie souverän das Feld an. Neun Punkte Vorsprung hat das Team vor dem zweitplatzierten Dynamo, während sich die Hochkaräter Spartak und Zenit mit 15 bzw. 17 Zählern Rückstand auf den Plätzen sechs und sieben wiederfinden.

Eine Ansammlung von Stars
Doch damit noch nicht genug. Um nachhaltig zu untermauern, dass der Weg zum Ruhm in diesem Jahr nur über Rubin führt, hat der Klub, der bislang zweimal am UEFA-Pokal teilnahm (2004, 2007) und in beiden Fällen an Österreichs Traditionsadresse Rapid Wien scheiterte, am vergangenen Wochenende bei Spartak mit 1:0 gewonnen. Im Luzhniki-Stadion war es kein Geringerer als Sergej Rebrov, der dem Rekordchampion Russlands mit seinem Siegtor die Grenzen aufzeigte.

Der ukrainische Stürmerstar ist nicht der einzige Akteur in den Reihen von Rubin, der sich auf internationalem Terrain einen Namen gemacht hat. Auch Kapitän Sergej Semak, der bereits bei Frankreichs Renommierklub Paris St. Germain unter Vertrag stand, sowie der türkische Nationalspieler Gökdeniz Karadeniz verstärkten den russischen Spitzenreiter zu Saisonbeginn. Zudem schaffte es Keeper Sergej Ryzhikov zuletzt bis in den Kader von Sbornaja-Trainer Guus Hiddink. Es kommt also wahrlich nicht von ungefähr, dass dieser vermeintliche Underdog aus Kazan Russlands Fussball-Oberhaus aufmischt.

Top-Ergebnisse dank starker Abwehr
Besser als durch die Statistik der Duelle mit Zenit kann man Rubins Qualitäten in dieser Saison nicht verdeutlichen. Mit 3:1 und 4:1 fegte man das Star-Ensemble aus St. Petersburg vom Platz und ließ den gesamten Kontinent damit erstmals aufhorchen, schließlich gilt der Klub aus der nördlichsten Millionenstadt der Welt als Geheimfavorit auf den Sieg in der UEFA Champions League 2008/09.

Doch auch die gesamte bisherige Bilanz von Rubin in dieser Saison liest sich hervorragend: 22 Spiele und nur zwei Niederlagen, zuhause gegen Spartak Moskau (0:3) und bei Spartak Nalchik (0:2). Das Erfolgsgeheimnis der Senkrechtstarter aus dem östlichen Teil des europäischen Russland ist die starke Defensive, die mit 15 Gegentoren die Bestmarke der Liga darstellt.

Meistertitel zum Jubiläum?
Insgesamt 15 neue Spieler hatte Rubin geholt, um ganz oben anzugreifen. Der Plan scheint aufzugehen. Vor allem dank Semak, der nach seinen Stationen in Moskau und Paris nun seinen zweiten Frühling erlebt und endlich auch wieder in der russischen Nationalmannschaft das volle Vertrauen genießt. "Hier in Kazan bin ich weit weg vom Rummel der Großstadt, kann entspannen und mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Ich bin jetzt 32 Jahre alt, trage das Risiko, mich ernsthaft zu verletzen, aber der Dreijahresvertrag mit Rubin gibt mir Sicherheit."

Dieses gute Gefühl will Semak seinem Arbeitgeber mit Erfolgen zurückzahlen. Man befindet sich auf dem besten Weg, und der Kapitän möchte gar für ein Geschenk zu einem ganz besonderen Anlass sorgen. Der Meistertitel ist nämlich greifbar nahe - ausgerechnet im Jahr des 50-jährigen Bestehens des Vereins.