Mit 23 Jahren verfügt Salomon Kalou über all das, was man braucht, um in der Welt des Fussballs erfolgreich zu sein: herausragendes Talent, beeindruckende Bescheidenheit und große Erfahrung bei wichtigen europäischen Vereinen. Nach seinem Beginn bei Feyenoord Rotterdam und drei Jahren im niederländischen Fussball wurde er vom FC Chelsea verpflichtet. Beim vergangenen Olympischen Fussball-Turnier war er der stärkste Spieler im Team der Elfenbeinküste.

Nach seinen Erlebnissen in der VR China sprach der Angreifer mit FIFA.com. In einem Exklusiv-Interview redete er ganz offen über seine Anfänge, die Gegenwart bei Chelsea und seine Träume.

Salomon Kalou, Sie sind gegenwärtig eine der jungen Führungsfiguren im Team der Elfenbeinküste. Können Sie uns erzählen, wie sie als Kind zu diesem Sport gekommen sind?
In meinem Land ist die einzige Sportart, die alle betreiben möchten, Fussball. Dies und der Umstand, dass ich immer wie mein großer Bruder (Bonaventure) sein wollte, haben mir bei der Entscheidung geholfen. Aber es gab auch noch andere Spieler, die ich als Vorbild hatte, etwa den Franzosen Thierry Henry. Den habe ich immer bewundert, auch schon als er bei Monaco spielte.

Haben Sie schon die Möglichkeit gehabt, ihn kennenzulernen?
Ja, ich habe ihn schon ein paar Mal sehen können. Das erste Mal im Jahr 2000, als er noch bei Arsenal spielte. Ich hatte das Glück, mit meiner Mannschaft an einem Freundschaftsturnier teilnehmen zu können. Für mich wurde ein Traum wahr, als ich ihn aus der Nähe erleben und trainieren sehen konnte. Damals wollte ich wie er werden.

Dann wissen Sie ja, wie es vielen Fans geht, die sich Ihnen nähern ...
Natürlich! Wenn du ein Fussballer bist, wirst du so etwas wie ein Vorbild. Gegenwärtig läuft es bei mir auch so gut, dass viele Kinder in der Elfenbeinküste so wie ich sein möchten. Aber man sollte das nicht unterschätzen: Ich habe bislang einen weiten Weg zurücklegen müssen und lerne immer noch. Ich hoffe, mich weiter zu steigern und irgendwann ein ganz Großer zu sein.

In Ihrer Karriere haben Sie schon viel Positives erlebt. Es ist Ihnen jedoch seinerzeit nicht gelungen, einen niederländischen Pass zu erhalten, um in der Nationalmannschaft dieses Landes zu spielen. Erinnern Sie sich noch daran?
Es war vor ein paar Jahren. Ich spielte damals in den Niederlanden und stand noch nicht in der Nationalmannschaft der Elfenbeinküste. Damals bot man mir an, für die niederländische Auswahl zu spielen, aber es gelang mir nicht, einen Pass zu erhalten. Ich habe es versucht, aber es hat nicht funktioniert. Ich glaube, dass es aufgrund der Berichterstattung damals schon ein Politikum und nicht der Fall irgendeines Fussballspielers war.

War es traumatisch?
Nun, es war kompliziert. Für junge Spieler ist es immer gut, wenn sie sich auf den Fussball konzentrieren und nicht auf andere Dinge. Meine Karriere hatte gerade erst begonnen, ich spielte gut und brauchte derartige Berichte nicht, um besser zu werden. Auch für meine Familie in der Elfenbeinküste war es schwierig, denn die Leute dort verstanden nicht, warum ich einen niederländischen Pass haben wollte. Bei den Niederlanden bestand eine fünfzigprozentige Chance, bei einer WM dabei zu sein und diese zu gewinnen, während die Aussichten bei der Elfenbeinküste wesentlich geringer waren. Das alles hatte mit meiner Karriere zu tun und nicht mit meiner Nationalität.

Wie sehen Sie das Ganze im Nachhinein?
Jetzt bin ich froh, dass das alles nicht geklappt hat. Das Schicksal hatte es für mich offenbar vorgesehen, für die Elfenbeinküste zu spielen.

Wie fühlen Sie sich heute in Ihrem Nationaltrikot?
Einfach fantastisch! Ich habe gezeigt, dass ich für die Elfenbeinküste spiele und mich in großen Mannschaften durchsetzen kann. Einige haben ja gedacht, dass ich den niederländischen Pass haben wollte, um später leichter zu einem großen Verein in England wechseln zu können. Ich habe bewiesen, dass es damit nichts zu tun hatte, sondern nur auf mein Talent ankam. Wenn du talentiert bist und das auf dem Platz zeigst, kannst du weit kommen, wenn du nur willst. Ich bin stolz, denn ich habe mich - auch ohne diesen Pass - in großen Mannschaften durchgesetzt und nehme an wichtigen Turnieren wie dem Olympischen Fussball-Turnier teil.

Lassen Sie uns von Ihren bisherigen Trainern sprechen. Wer hat Sie am meisten geprägt?
Der erste technische Direktor, den ich hatte, hat mir die Chance gegeben, in der ersten Liga zu spielen: Ruud Gullit. Er hat mir damals Dinge gesagt, die ich nicht erwartete: "Du wirst schon sehen, es wird noch Großes geschehen". Ich hatte gerade erst angefangen und glaubte, nicht sehr weit zu kommen. Er hat mir das Selbstvertrauen und auch die Gelegenheit gegeben, mich auf höchstem Level durchzusetzen. Er hat mich geprägt, war aber nicht der einzige. Ich hatte auch [José] Mourinho und andere, die mir wertvolle Ratschläge gegeben haben.

Was können Sie uns über Luiz Felipe Scolari sagen?
Es gibt Trainer, bei denen braucht man nicht einmal einen Monat, um zu merken, wie gut sie sind. So war es für mich bei ihm. Schon beim ersten Training wusste ich, dass er genau der richtige Mann für Chelsea zu diesem Zeitpunkt war. Viele Leute denken, dass wir nicht attraktiv spielen, aber wir können diese Ansicht ändern und auch wirklich schönen Fussball bieten.

Wo wir gerade von Chelsea sprechen, wie war es, als Sie damals in dieses Team der Stars kamen?
Das erste Mal, als ich beim Training dort war, habe ich meinen Fotoapparat mitgenommen. Ich wollte von jedem einzelnen Mitspieler ein Foto machen. Es war der Traum meines Lebens. Ich hatte Angst davor, wach zu werden und festzustellen, dass es nicht wahr war! Ballack und Drogba zu sehen... das war schon stark. Da muss man sich einfach erstmal schüchtern und klein fühlen.

Hat man Sie freundlich aufgenommen?
Auf jeden Fall. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich absolut gleichberechtigt mit ihnen umgehen und von ihnen noch viel lernen konnte. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Ich weiß, dass mir dies viel nutzen wird, um so wie sie zu sein.

Hat Sie jemand besonders überrascht?
Meiner Erfahrung nach sind die besten Spieler diejenigen, die am einfachsten und bescheidensten sind. Bei Chelsea etwa sind alle sehr nett und wir haben wirklich viel Spaß zusammen. [John] Terry ist ein gutes Beispiel dafür, er ist immer für einen Spaß gut! Als ich ihn das erste Mal erlebe habe, war ich wirklich überrascht. Ich glaube, dass wir ein wenig wie Kinder sind, die gemeinsam zur Schule gehen. Ich fühle mich gut und mache das, wovon ich als Kind geträumt habe. Ich könnte nicht glücklicher sein.

Als Sie davon träumten, hätten Sie sicherlich nie daran geglaubt ...
[unterbricht den Reporter] Nein, auf keinen Fall. Ich habe nicht im Traum geglaubt, einmal so weit zu kommen. Was jetzt passiert, ist alles ein Bonus. Das Wichtigste ist eigentlich nicht, so weit zu kommen, sondern mich auf diesem Niveau zu halten. Hoffentlich wird es mir gelingen.

Was sind Ihre Saisonziele?
Ich möchte einer der wichtigsten Spieler bei Chelsea sein, den Erwartungen der Leute gerecht werden und zu so vielen Siegen wie möglich beitragen. Ich werde viel arbeiten müssen, Tore schießen und noch mehr vorbereiten. Ich hoffe, jeden Wettbewerb zu gewinnen, an dem wir teilnehmen.

Sind Sie ein richtiger Fussballfanatiker?
Ja. Ich gucke mir auch gerne Spiele im Fernsehen an, um Teams und Spieler zu vergleichen. Ich überlege dann, was ich in einer bestimmten Lage machen würde und worin ich mich verbessern könnte. Dann versuche ich Dinge von Spielern zu kopieren, die mir am besten gefallen haben.

Haben Sie als Spieler noch Träume?
Aber natürlich! Ich will meine Karriere bei großen Mannschaften fortsetzen. Heute bin ich bei Chelsea, aber eines Tages möchte ich auch in Spanien spielen. Ich liebe den spanischen Fussball, er ist so schön anzusehen. Ich würde gerne einmal dort spielen. Dann habe ich noch einen Traum: ich möchte miterleben, wie eine afrikanische Mannschaft den WM-Titel holt.

Und Ihre ganz persönlichen Träume?
Ich führe ein wunderbares Leben, habe Spaß und tue, was mir gefällt. Außerdem kann ich auf die Unterstützung durch meine Familie und die Menschen in der Elfenbeinküste zählen. Ich selbst würde auch gern für den Frieden in meinem Land arbeiten. Das über den Fussball zu erreichen, wäre ein großer Traum.