Jugend forscht in Moldawien: Bundesligist Hertha BSC Berlin setzt im Rückspiel der ersten UEFA-Pokal-Qualifikationsrunde heute (18:00 Uhr) bei Nistru Otaci und zwei Wochen nach dem höchsten Europapokalsieg der Vereinsgeschichte (8:1) auf den Nachwuchs.

"Ein bis zwei Junge werden vielleicht in der Startformation stehen. Wir sind praktisch schon qualifiziert, aber wir wollen seriös spielen und gewinnen", sagte Hertha-Trainer Lucien Favre vor dem Abflug ins rund 1300 Kilometer entfernte Chisinau, wohin Otaci mangels eines UEFA-Pokal-tauglichen Stadions umziehen muss.

In Moldawiens Hauptstadt werden in Außenverteidiger Shervin Radjabali-Fardi und Mittelfeldspieler Lennart Hartmann wohl gleich zwei 17-Jährige in Herthas Startelf stehen. Im Aufgebot sind zudem die jeweils nur ein Jahr älteren Junioren Sascha Bigalke und Florian Riedel (beide Mittelfeld). "Die Jungen können wichtige internationale Erfahrung sammeln", erklärte der ehemalige Bundesliga-Stürmer Michael Preetz, Leiter der Berliner Lizenzspieler-Abteilung.

Der Einbau junger Spieler zählt zwar zu Favres Programm, doch ist die Verjüngungskur in Moldawien zum Teil auch aus der Not geboren. Der Schweizer Coach muss im zweiten Pflichtspiel der Saison neben Josip Simunic (grippaler Infekt), Patrick Ebert (Magen-Darm-Probleme) und Cicero (noch nicht spielberechtigt) auf ein halbes Dutzend weiterer Profis verzichten. Die Abordnung um Stürmer Raffael fliegt nach Mallorca, um auf der Sonneninsel finanziell lukrative Testspiele gegen Newcastle United (Freitag) sowie Ligakonkurrent Hannover 96 (Sonntag) zu absolvieren.

Arne Friedrich vor erstem Saisoneinsatz
Stören tut das Favre aber nicht: "Das passt schon. Wir wollen uns überall gut präsentieren". Es sei einfach, das Team für den UEFA-Pokal zu motivieren. "Und auf Mallorca haben wir gute Gegner", meinte der Hertha-Trainer, dessen Kapitän Arne Friedrich in Moldawien vor seinem ersten Saison-Einsatz steht.

Gegner Otaci steht derweil vor ganz anderen Problemen. Da der Pegel des namensgebenden Flusses Nistru in den vergangenen Tagen unaufhaltsam stieg und das heimische Stadion überflutete, konnte der letztjährige Dritte der moldawischen Liga in den vergangenen Tagen nicht im vollen Umfang trainieren, und das ausgerechnet in einer sportlichen Krise: Nach einem personellen Umbruch verlor der Verein bereits drei von vier Ligaspielen.