Der Entschluss von Dani Güiza, zu Fenerbahçe Istanbul zu wechseln, kam für manch einen überraschend. Denn als erfolgreichster Torschütze der vergangenen Saison und Nationalspieler, der mit Spanien bei der UEFA EURO 2008 die kontinentale Krone gewann, war der Angreifer von RCD Mallorca von mehreren europäischen Topklubs umworben worden.
Doch ist es wirklich eine Überraschung, dass sich der Ausnahmetorjäger ausgerechnet für den türkischen Traditionsklub entschied? Nicht unbedingt.
Zum einen, weil die türkische Meisterschaft inzwischen zu den besten und spannendsten in Europa zählt, und zum anderen, weil sein neuer Verein, der sich in der Türkei größter Beliebtheit erfreut, in der langjährigen Tradition steht, berühmte Stürmer unter Vertrag zu nehmen. Ob auf der Suche nach einer neuen Herausforderung oder dem Ruf einer Mannschaft folgend, die auf ihre Fans seit Jahren eine elektrisierende Wirkung ausstrahlt, die Zahl der ausländischen Torjäger, die es bislang an den Bosporus zog, um ihren Anteil zum Ruhm von Fenerbahçe beizutragen, ist beachtlich.
Den Anfang machte in den 80er Jahren der Brasilianer Éder. Der für seine launische Art bekannte Nationalstürmer, der für die Seleção insgesamt 52 Länderspiele bestritt, spielte im Verlauf seiner Karriere für nicht weniger als 15 Vereine, von denen nur zwei außerhalb Brasiliens ansässig waren. Einer davon war Fenerbahçe Istanbul. Allerdings war sein türkisches Gastspiel im Jahr 1989 nur von kurzer Dauer, da er fern seiner Heimat nicht annähernd an jenes Leistungsniveau anknüpfen konnte, das ihm einst die Berufung in eine der besten brasilianischen Nationalteams aller Zeiten und die Teilnahme an der WM-Endrunde 1982 in Spanien beschert hatte.
Danach dauerte es bis zur Saison 1995/96, bis die Sari Kanaryalar - die Gelben Kanarienvögel - mit dem Engländer Dalian Atkinson erneut einen bekannten Torjäger für ihre Offensivabteilung engagierten. Sicher, der frühere Stürmer von Aston Villa hatte es seinerzeit nicht in das englische Nationalteam geschafft, was wiederum der damaligen Übermacht von Gary Lineker, John Barnes und Peter Beardsley geschuldet war. Dennoch hatte ihn sein legendärer Treffer gegen den FC Wimbledon zum weltweit bekannten Star gemacht. Für Fenerbahçe schoss er im Verlauf seiner einzigen Saison in der Türkei zehn Tore in 21 Pflichtspielen.
Zauberhafter Okocha
Von da an nahm die Präsenz internationaler Topstars am Bosporus ständig zu. Im Jahr 1996 unterschrieb der Bulgare Emil Kostadinov, der mit Bayern München gerade UEFA-Pokal-Sieger geworden war, ebenso bei den Türken wie kurz darauf der Nigerianer Augustine Okocha. In zwei Spielzeiten erzielte Jay-Jay über 30 Treffer und avancierte dank seiner Schussgewalt und seinen atemberaubenden Dribblings schnell zum Publikumsliebling. Ironie des Schicksals: Obgleich Okocha damals selbst erklärt hatte, dass seine Zeit in der Türkei der Höhepunkt seiner Karriere sei, konnte er in diesen zwei Jahren keinen einzigen Titel gewinnen.
In der Statistik wurde der Nigerianer, den die Fener-Fans noch heute verehren, mittlerweile von der Position des bislang erfolgreichsten Torjägers verdrängt. Im Jahr 1998 holte man den rumänischen Stürmer Viorel Moldovan nach Istanbul, um fortan an der Seite des Südafrikaners John Moshoeu zu spielen, der sechs Monate zuvor verpflichtet worden war. In der Folge kam der Rumäne in 53 Einsätzen auf insgesamt 33 Tore, während sein Sturmpartner in 75 Partien 15 Mal erfolgreich war. Allerdings konnte auch diese Torflut dem Klub zu keinem weiteren Titel verhelfen.
Zwei Jahre später folgten erneut zwei talentierte Stürmer dem Ruf an den Bosporus. Der Schwede Kennet Andersson, der bei der FIFA WM 1994 in den USA zu den herausragenden Akteuren gezählt hatte, suchte vor dem Ende seiner aktiven Laufbahn, die ihn über Stationen in Frankreich und Italien geführt hatte, noch einmal eine interessante Herausforderung. An seiner Seite erwies sich der Israeli Haïm Revivo als glänzender Torjäger und Freistoßspezialist. Und endlich kam Fenerbahçe im Jahr 2001 auch wieder zu Meisterehren. Nachdem das Angriffsduo den Verein im Jahr 2002 verlassen hatte, fand man mit dem Argentinier Ariel Ortega schon bald einen Ersatz.
Doch dessen Auftritt sollte ebenso rasch wieder zu Ende sein. El Burrito, wie der Stürmer in Argentinien genannt wird, packte nach nur 15 Pflichtspielen für Fenerbahçe Istanbul wieder die Koffer und kehrte seinem Klub trotz bestehenden Vertrags für immer den Rücken. Jener "Schnellschuss" brachte dem Argentinier dann neben einer einjährigen Spielsperre auch den Status als Persona non grata auf Lebenszeit in Istanbul ein.
Zwei Meistertitel mit Pierre van Hooijdonk
Doch der 17-malige türkische Meister verkraftete auch diese Episode und wurde sofort wieder auf dem Transfermarkt aktiv, um dort nach großen Namen Ausschau zu halten. Zwischen 2003 und 2005 war es dann der Niederländer Pierre van Hooijdonk, der mit 32 Treffern in 52 Pflichtspielen zum Idol von Kadıköy wurde, jenem Stadtviertel von Istanbul, in dem Fenerbahçe seinen Vereinssitz hat. Dank der Treffer des früheren Torjägers von Celtic Glasgow holte der Traditionsklub nach zwei mageren Jahren zwei Meistertitel in Folge. Frankreichs Nationalspieler Nicolas Anelka, der von Hooijdonk auf die rechte Seite verdrängt worden war, schoss zwar nicht so viele Tore wie sein niederländischer Sturmpartner, spielte sich aber ebenfalls in die Herzen der Zuschauer im Şükrü-Saraçoğlu-Stadion.
Genau das wünscht sich sicher auch Dani Güiza, der fortan berufen sein wird, die langjährige Tradition von Fenerbahçe, die besten ausländischen Torjäger nach Istanbul zu holen, mit Erfolg fortzusetzen. Dabei werden ihm der Serbe Mateja Kezman und der Brasilianer Deivid zur Seite stehen. Das Rennen um den Status eines neuen Fener-Idols ist also eröffnet.
