Hossam Hassan ist einer der erfolgreichsten ägyptischen Spieler aller Zeiten und hält den afrikanischen Rekord für die meisten Länderspiele. Vor kurzem wechselte er vom Feld an die Seitenlinie, als er bei Al Masry, einem seiner ehemaligen Klubs, als Trainer anheuerte.

In seinem Heimatland ist der heute 41-Jährige eine lebende Legende. Als Hassan 1986 beim Afrikanischen Nationen-Pokal seinen ersten Titel mit Ägypten gewann, war Mido, sein "Erbe" als bekanntester Spieler Ägyptens, gerade erst drei Jahre alt. Zwei Jahrzehnte später standen die beiden Spieler Seite an Seite auf dem Siegerpodest, als Hassan in Ägypten den Gewinn seines dritten Afrikameistertitels feierte.

Hassan gehört zwar zu den erfolgreichsten Fussballern Afrikas, doch seine Karriere verlief trotz 170 Länderspielen für Ägypten keineswegs geradlinig. Während seine früheren Mannschaftskameraden Anfang des Jahres ihren Titel beim Afrikanischen Nationen-Pokal in Ghana erfolgreich verteidigten, erlitt Hassans Karriere einen Knick, denn nachdem sein Vertrag bei Al-Ittihad ausgelaufen war gelang es ihm nicht, in der Winterpause einen neuen Klub zu finden.

Hassan ist ein Spieler, der seine Karriere stets nach seinen eigenen Vorstellungen gestaltete. In einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com stellt die ägyptische Fussballlegende klar, dass sein Wechsel auf die Trainerbank eine ganz neue Herausforderung darstellt.

Hossam, wie lautet das Geheimnis eines Stürmers, der über einen so langen Zeitraum hinweg zu den torgefährlichsten Spielern der Welt gehörte?
Das ist das Ergebnis meiner Hingabe an den Fussballsport und meiner stetigen harten Arbeit. Natürlich verliert man, wenn man älter wird, etwas in körperlicher Hinsicht, doch dafür gewinnt man in taktischer und mentaler Hinsicht. Die Antriebskraft hinter meinen Erfolgen war immer meine unendliche Liebe zum Fussball.

Warum denken Sie, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für den Wechsel auf die Trainerbank gekommen ist?
Fussball ist der Mittelpunkt meines Lebens und ich kann einfach nicht aufhören, an Fussball zu denken. Für mich ist das keine Arbeit und kein Hobby, sondern meine ganze Welt. Als man mir das Angebot machte, musste ich also nicht lange darüber nachdenken, denn ich spürte, dass der richtige Zeitpunkt gekommen war, mein Verhältnis zum Fussball auf die nächste Stufe zu befördern.

Denken Sie, dass Sie über die erforderlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Trainerkarriere verfügen?
Ja - und die Erfolge, die Klinsmann und Dunga mit den jeweiligen Nationalmannschaften gefeiert haben, zeigen deutlich, dass das Traineramt nicht nur von erfahrenen Personen ausgeübt werden kann. Ich habe mich sehr über Ali Daeis Berufung zum iranischen Nationaltrainer gefreut. Wenn ich ehrlich sein soll, hätte ich schon vor fünf Jahren anfangen sollen, mich mit der Trainingslehre zu beschäftigen, als ich noch gespielt habe.

Halten Sie es nicht für besonders riskant, bei einem Klub wie Al Masry anzufangen, der in der laufenden Saison schon zwei Trainer entlassen hat?
Viele Trainer würden sicher zögern, bevor sie für einen Klub wie Al Masry arbeiten, denn das ist sicher eine besondere Herausforderung, aber genau das reizt mich. Außerdem kenne ich den Klub gut, weil ich dort gespielt habe, und ich kenne auch den Präsidenten und die Funktionäre. Daher freue ich mich sehr auf die neue Aufgabe und habe keinerlei Angst.

Was denken Sie über die Fans des Klubs, die als sehr leidenschaftlich aber auch als sehr anspruchsvoll gelten?
Ich werde versuchen, ihre Leidenschaft zu meinem Vorteil zu nutzen. Ich bin bei den Fans ziemlich beliebt. Ich bin ganz sicher, dass meine Aufgabe nach unserem ersten Sieg viel leichter werden wird und dass dann alle versuchen werden, mir zum Erfolg zu verhelfen.

Was halten Sie den Kritikern entgegen, die sagen, dass Sie nicht genügend Erfahrung haben und keinen Trainerschein besitzen?
Ich habe ganz sicher genug Erfahrung und ich habe viele wertvolle Dinge von den Trainern gelernt, mit denen ich gearbeitet habe, beispielsweise Roy Hodgson, Uli Stielike, Gérard Gili und Otto Pfister. Das sind alles erstklassige Trainer, von denen ich eine Menge gelernt habe. Und vor allem natürlich auch von Mahmoud Al-Gohary [Anm.d.Red.: Ex-Nationaltrainer von Ägypten und Trainer von Al Ahly].

Was macht Al-Gohary zu etwas Besonderem?
Er ist der beste Trainer, mit dem ich je gearbeitet habe. Er ist so etwas wie ein Patenonkel für mich und der hatte großen Einfluss auf meine Karriere und auf meine Persönlichkeit. Er ist ein sehr bemerkenswerter Mensch und er hat mir viele Dinge beigebracht, die mein Leben auf dem Fussballplatz und abseits davon sehr beeinflusst haben.

Was können Sie uns über den jetzigen Nationaltrainer Hassan Shehata sagen, der zwei Mal den Afrikanischen Nationen-Pokal gewonnen hat und 2006 Ihr Trainer war?
Auch er ist ein sehr guter Trainer. Allerdings war bei ihm das Umfeld viel besser, was seine Arbeit deutlich erleichtert hat. 2006 haben wir den Afrikanischen Nationen-Pokal im eigenen Land gewonnen und dieses Jahr haben wir den Titel erfolgreich verteidigt, aber wir waren als amtierender Afrika-Meister auch Favorit. Ich bin überzeugt, dass das Turnier 1998 in Burkina Faso unter Al-Goharys Leitung das schwerste Turnier war, das Ägypten jemals gewonnen hat. Damals hatten wir noch nicht die großartige Unterstützung, die die Mannschaft jetzt genießt. Es gab noch keine Sponsoren und die gesamte Logistik war viel weniger ausgefeilt. Mit der jetzt viel besseren Leitung und angesichts der Tatsache, dass wir seit vier Jahren die beste Mannschaft Afrikas sind, gelten wir auf jeden Fall als Favorit für das Erreichen der WM-Endrunde 2010 in Südafrika.

Gibt es etwas, was Sie in Ihrer Karriere versäumt haben?
Ja. Ich hätte nach meinen kurzen Gastspielen in der Schweiz und in Griechenland [Anm.d.Red.: bei Xamax Neuchatel und bei PAOK Saloniki] länger in Europa spielen sollen. Dann wäre ich vielleicht international bekannter geworden. Ich hätte sehr gern in Italien gespielt, doch dann habe ich mich spontan entschieden, wieder nach Ägypten zu gehen um meinem früheren Klub Al Ahly zu helfen, und damit habe ich meinen europäischen Traum begraben.

Gab es noch andere schwere Momente in Ihrer Karriere?
Nun, als ich nach 20 erfolgreichen Jahren Al Ahly verließ, war das natürlich nicht leicht. Doch rückblickend sehe ich das als richtigen Schritt, denn ich habe dann für den Erzrivalen Zamalek gespielt und war ähnlich erfolgreich. Das hat mich zu einem der populärsten Spieler Ägyptens gemacht.

Was empfinden Sie jetzt, nachdem Sie Ihre Schuhe an den Nagel gehängt haben?
Ich will Sie nicht allzu sehr schockieren, aber ich habe diese Entscheidung noch nicht getroffen. Aber natürlich denke ich ernsthaft darüber nach. Im Sommer werde ich meine Entscheidung treffen. Vielleicht spiele ich ja auch als Trainer noch weiter. Ich hoffe sehr, dass ich zu meinem Abschiedsspiel Herrn Blatter und Michel Platini einladen kann, die mich beide vor sieben Jahren in Kairo als weltweiten Rekordnationalspieler geehrt haben. Mein letztes und größtes Ziel ist es, die Nationalmannschaft zu betreuen - Shehata sollte also auf der Hut sein!