Brasilianer, so sagt man, haben's in den Füßen. Tricks, Dribblings und Drehungen, zentimetergenaue Pässe und Schüsse von raffiniert bis knallhart - in Sachen Fussball sind das die Eigenschaften, die man den Südamerikanern gern attestiert.

Luis Eduardo Schmidt hingegen sorgt auf andere Weise für Schlagzeilen. In acht Partien für Betis Sevilla traf der Mann mit dem Künstlernamen Edu zuletzt sieben Mal per Kopf. Damit konnte er sich in die kurze Riege brasilianischer Spezialisten in dieser Disziplin einreihen, und die umfasst immerhin Größen wie Baltazar, Pelé, Dada Maravilha und Jardel.

Mannschaftskamerad Hugo Pavone jedenfalls hat Edu schon zum "besten Kopfballspieler der Primera División" ausgerufen. "Ich leiste mit meinen Flanken die Vorarbeit für ihn, aber wichtig ist eben, dass da auch einer steht, der hochspringt und einköpft."

Dabei ist Edus aktuelle Serie beileibe kein Zufall. Per Kopf bewahrte er den andalusischen Klub im Jahr seines 100-jährigen Bestehens vor einem peinlichen Abstieg. Zehn Minuten trennten die Mannschaft seinerzeit noch vom Gang in die Zweitklassigkeit, als Edu zur Führung einköpfte und dann auch noch ein zweites Tor folgen ließ. Es war der Sieg gegen Racing Santander, Betis blieb erstklassig und Edus ehemaliger Arbeitgeber Celta Vigo musste den bitteren Gang in die zweite spanische Liga antreten.

Auch in dieser Saison sind die Béticos aktuell gerade einmal drei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt. Um so mehr kommt es auf die Kopfballstärke ihres Mannes an, der eigentlich die Nummer 10 des Spielmachers trägt. Edu selbst sagt: "So was habe ich noch nicht erlebt. "Allerdings habe ich in meiner ersten Saison bei Celta Vigo die Hälfte meiner zwölf Tore mit dem Kopf erzielt. Damals war ich gemeinsam mit (Darko) Kovacevic der beste Kopfball-Torjäger. Ich habe mir eine Menge bei Catanha [ehemaliger spanischer Nationalspieler von Celta] abgeschaut. Heute ruft er mich an und gratuliert mir."

Aber Edu ist nicht der einzige auf der Welt, der seine Tore mit Köpfchen macht und den Abwehrreihen viel Kopfzerbrechen bereitet. Washingtons Kopfballtreffer waren für die Urawa Red Diamonds der Grundstein zum Gewinn der AFC Champions League und zum dritten Platz bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Inzwischen profitiert Fluminense im Kampf um die Carioca-Staatsmeisterschaft und die Copa Libertadores von Washingtons Stärken im Luftkampf.

Titelverteidiger bei der Copa Libertadores sind die Boca Juniors, die mit Martin Palermo ebenfalls einen Fachmann in ihren Reihen haben. Dem 34-Jährigen sieht man seine Kopfballstärke schon allein ob seiner Statur an. Aber so wie Boca nicht allein ist im Rennen um die Clausura-Meisterschaft, so ist auch Palermo nicht ohne Konkurrenz. Im Gegenteil: Erzrivale River Plate schickt regelmäßig den Uruguayer Sebastian Abreu als Turm in die Schlacht. Den nennen sie in Argentinien übrigens pikanterweise ebenso wie Palermo nur El Loco - ein Spitzname, den in Südamerika anscheinend bevorzugt Stürmer bekommen, denn auch der Kolumbianer Radamel Falcao Garcia heißt so.

In Europa gefragt
Besonders gefragt sind Kopfballspezialisten allerdings nach wie vor in Europa. Spontan fallen einem da Namen wie David Trezeguet von Juventus, Michael Ballack von Chelsea und Jan Koller aus Nürnberg ein. Aber auch Luis Garcia von Atletico Madrid und Evertons Tim Cahill haben ihre Stärken in der Luft, obwohl sie deutlich kleiner sind.

Wohl dem, der wie Bayern München gleich zwei solche Experten im Kader hat. Kopfballtore haben den 1,95 Meter großen Luca Toni in der Saison 2005/06 zum besten Torjäger Europas gemacht. Für den deutschen Rekordmeister hat sich der Wechsel des Stürmers von Florenz bereits jetzt bezahlt gemacht.

So groß wie Sturmkollege Toni ist Miroslav Klose mit 1,83 Metern zwar nicht, aber das macht er durch Sprungkraft und Präzision wieder wett. Seine fünf Tore beim FIFA Weltpokal Korea/Japan 2002 erzielte der deutsche Nationalspieler alle per Kopf, ebenso den Ausgleich in der 80. Minute des Viertelfinals gegen Argentinien bei der Weltmeisterschaft 2006. Die Gastgeber gewannen dieses Kräftemessen schließlich im Elfmeterschießen und holten WM-Bronze. Für Klose persönlich gab es den Goldenen Schuh von adidas.

"Die Sprungkraft habe ich von meiner Mutter, die Handballnationalspielerin war", erklärt Klose. "Außerdem bin ich Perfektionist. Ich trainiere mit einer Bleiweste am Kopfballpendel. Das Wichtigste sind aber die vielen kurzen Trippelschritte vor dem Absprung."

Dass Übung auch in diesem Fall den Meister macht, kann nicht zuletzt Alemannia Aachens ehemaliger Schlussmann Kristian Nicht bezeugen. Der sagte einst: "Wenn man Klose hochspringen sieht, kann man Höhenangst bekommen. Er gehört momentan zu den besten Kopfballspielern in Deutschland, vielleicht sogar in ganz Europa."