Die Fussballexperten, die schon im Vorfeld vom besten Afrikanischen Nationen-Pokal aller Zeiten sprachen, rechtfertigten ihre Aussage ausnahmslos mit der Aufzählung der großen Stars wie Didier Drogba, Samuel Eto'o, Michael Essien oder Frederic Kanouté. Und während der Wettbewerb mit sehr offenen und hochklassigen Partien diese Aussagen sicherlich rechtfertigte, lag dies jedoch keineswegs nur an der Vielzahl afrikanischer Topspieler, die in der englischen und spanischen Liga ihre Brötchen verdienen.
Vielmehr wurde ihnen die Show von Spielern wie Essam Al-Hadary, Hosny Abd-Rabou, Amr Zaky, Wael Gomaa und Mohamed Aboutrika gestohlen, die alle in der weit weniger glanzvollen ägyptischen Liga spielen. Dieses kaum bekannte ägyptische Quintett dominiert das diesjährige All-Star-Team des Turniers. Und während jeder von ihnen durchaus zum besten Spieler des Turniers hätte gewählt werden können, so war Hosny Abd Rabou letztlich die richtige Wahl, nachdem der defensive Mittelfeldspieler seine Klasse unter Beweis gestellt hatte und mit seiner Mannschaftsdienlichkeit stellvertretend für die ägyptische Mannschaft bei diesem Turnier stand.
Der ägyptische Triumph war sicherlich in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Vor allem aber der Blick auf den Kader beim sechsten Titelgewinn der Ägypter stellte einen deutlichen Triumph für die heimische Liga dar.
In Ghana zeigte sich jedoch auch, dass die Spieler, die in Spanien, England und Italien aktiv sind, zwar hohes Medieninteresse und hohe Gehälter genießen, aber die afrikanischen Ligen - und dabei allen voran die ägyptische - nach wie vor in der Lage sind, einige der fittesten, begabtesten und taktisch besten Spieler hervorzubringen. So war es dann auch nicht das Starensemble der viel gelobten Ivorer, deren Topspieler in London aktiv sind, die sich den Kontinentaltitel sichern konnten, sondern der 23-köpfige ägyptische Kader, aus dem nicht weniger als 18 Spieler bei den Mannschaften Al Ahly, Zamalek und Ismaili unter Vertrag stehen.
Al Ahly vor 33. Titelgewinn
Aus diesen drei Vereinen stammen denn auch die drei
erfolgreichsten ägyptischen Torjäger Aboutrika, Zaky und Abd Rabou.
Gestern trat das Trio nun erstmalig seit dem Titelgewinn wieder in
der ägyptischen Meisterschaft an. Zaky und Abd-Rabou spielten dabei
direkt gegeneinander in der Partie zwischen Ismaili und Zamalek
(die beide in dieser Saison bisher eher blass blieben) in der
Hoffnung, den Abstand zum Spitzenreiter Al Ahly zu verkürzen.
Die Teams sind Vierter bzw. Fünfter in der Meisterschaft und benötigten unbedingt einen Sieg, um sich noch Chancen auf den Titel ausrechnen zu können. Nach 86 torlosen Minuten war es dann Abd Rabou, der erneut den spielentscheidenden Treffer erzielte. Damit kommt Ismaili nunmehr auf 29 Punkte mit 13 Punkten Rückstand auf Al Ahly bei jedoch einem Spiel weniger. Dagegen muss Zamalek mit weiteren fünf Punkten Rückstand wohl alle Titelambitionen begraben.
Klarer Favorit auf den ägyptischen Meistertitel ist erneut Aboutrikas Al Ahly, wo Al-Hadary (der zum zweiten Mal beim Afrikanischen Nationen-Pokal zum besten Torhüter gewählt wurde) im Tor steht. Der Kairoer Spitzenverein peilt seinen vierten Meistertitel in Folge an (insgesamt 33) und machte durch den knappen 1:0-Sieg gegen Al Masry einen weiteren Schritt in Richtung erfolgreiche Titelverteidigung. Der Tabellenführer gewann damit zum achten Mal in Folge und es ist ein Zeichen großen Selbstvertrauens, dass man Nationalspieler Gomaa (63 Länderspiele), der häufig mit einem Wechsel nach England in Verbindung gebracht wurde, auf Leihbasis nach Katar zu Al-Siliva wechseln ließen.
Mohammed Barakat von Al Ahly erzielte den siegbringenden Treffer. Beim Turnier in Ghana war er nicht dabei, nachdem er zwei Jahre zuvor noch im Kader gestanden hatte. Mit seinem Treffer in der 65. Minute baute sein Team die Tabellenführung auf jetzt zehn Punkte aus. Der engste Verfolger Petrojet kommt ebenfalls aus Kairo. Das Team zog mit einem deutlichen 4:0-Sieg gegen Tersana an Al Gaish (0:1-Niederlage gegen Suez Cement) vorbei.
Transferspekulationen
So sicher wie der Mannschaft der Titelgewinn sein dürfte, so
unsicher scheint die Zukunft einiger ägyptischen Topspieler. Zaky
etwa wird häufig mit einer Rückkehr nach Europa in Verbindung
gebracht, nachdem sein erstes Engagement bei Lokomotive Moskau 2006
wenig erfreulich verlief. Sowohl Manchester City als auch Tottenham
Hotspur bekundeten ihr Interesse an dem Spieler.
Abd Rabou wird seinerseits mit englischen, französischen und türkischen Spitzenvereinen in Verbindung gebracht. Er wird sich aber vielleicht auch noch an seine unglückliche Zeit bei RC Strasbourg erinnern, wo er einen Abstieg erlebte. Trotz seiner 35 Jahre könnte auch Al-Hadary eine Alternative für europäische Vereine auf der Suche nach einem guten Torhüter sein, der in der Lage ist, in spielentscheidenden Situationen auch mal einen oder zwei Elfmeter zu halten.
Und dann ist da natürlich noch Mohamed Aboutrika, den sein Trainer Manuel Jose für den aktuell besten afrikanischen Fussballer hält. Der überragende Spieler bei Ägyptens Finalsieg wird im November 30 Jahre alt und hatte auf FIFA.com im Mai 2006 von seinem Wunsch berichtet, in Spanien zu spielen. Es sieht so aus, als stünde Aboutrika in der nächsten Transferphase vor einer einmaligen Chance.
Alle vier bewiesen in Ghana ausnahmslos, dass sie auf Topniveau mithalten können. Und selbst wenn sich ein Wechsel nach Europa nicht realisieren lassen sollte, so hat sich doch gezeigt, dass sie auch in der aktuellen Umgebung erfolgreich im Verein und mit der Nationalmannschaft spielen können.
