Warum alles an einem Tag erledigen, wenn dafür auch noch morgen Zeit ist? Warum nicht bis zum letztmöglichen Termin warten, um die Steuerschuld zu begleichen? Und warum sich nicht erst unmittelbar vor einer Reise versichern, dass man seinen Reisepass noch hat? So oder ähnlich lauten die Fragen, die sich die Menschen überall auf der Welt immer wieder stellen.

Und auch bei den Fussballklubs ist es nicht anders: Auch wenn die für die Winterpause festgelegte Transferperiode einen ganzen Monat dauert, so trifft auch hier zu, dass in den letzten Stunden vor Ablauf der Frist noch einmal besonders intensive Aktivitäten zu beobachten sind.

Der um Mitternacht des 31. Januar 2008 geschlossene Transfermarkt bildet dabei keine Ausnahme, und obgleich keine spektakulären Wechsel mehr zu verzeichnen waren, stieg die Zahl der Transfers in den letzten Stunden noch einmal stark an. Wie so oft waren es vor allem die englischen Klubs, die noch einmal kräftig zulangten.

Allen voran Tottenham Hotspur. Der Klub von der White Hart Lane hat den Brasilianer Gilberto von Hertha BSC Berlin nun doch unter Vertrag genommen. Gleichzeitig wurde der Wechsel von Abwehrspieler Anthony Gardner zum FC Everton bekannt gegeben.

Außer mit Benjani verstärkte sich Manchester City unter Coach Sven-Göran Eriksson noch mit Felipe Caicedo, der vom FC Basel auf die Insel wechselt. Im Angriff verstärkt der erst 17-jährige Italiener Filippo Mancini die Citizens, der bei seinem bisherigen Verein Inter Mailand von seinem Vater Roberto Mancini trainiert wurde. Beim Tabellenfünften Aston Villa sicherte man sich indes die Dienste des Mittelfeldspielers Wayne Routledge von Tottenham Hotspur, der in dieser Saison bei den Spurs lediglich zwei Punktspiele bestritten hatte. Und der FC Middlesbrough verpflichtete in den letzten Stunden vor Schließung des Transferfensters noch den Brasilianer Afonso Alves vom niederländischen Klub SC Heerenveen.

Der Transfermarkt in der Winterpause bietet zudem die Möglichkeit, sich im Kampf gegen den drohenden Abstieg mit neuen Spielern zu verstärken. Genau das dürfte sich auch die Vereinsführung des FC Fulham gedacht haben, als sie den finnischen Routinier Jari Litmanen, der vor sechs Jahren den FC Liverpool und damit die Premier League verlassen hatte, zusammen mit dessen Landsmann Toni Kallio (bisher Young Boys Bern) verpflichtete. In London treffen die beiden Nordeuropäer übrigens auf einen guten Bekannten, denn Fulham-Coach Roy Hodgson war vor seinem Amtsantritt beim englischen Hauptstadtklub finnischer Nationaltrainer.

Die Bolton Wanderers setzen bei ihrem Vorhaben, in der Tabelle weiter nach oben zu klettern, auf Verteidiger Gary Cahill, der bislang für Aston Villa spielte, sowie auf den polnischen Angreifer Grzegorz Rasiak, der vom FC Southampton ausgeliehen wurde. Bei Derby County hingegen, wo man bislang ganze acht Punkte verbuchen konnte, geht es fortan nur noch darum, das Gesicht zu wahren. Eine Aufgabe, die dem Neuzugang Alan Stubbs vom FC Everton sicher nicht allzu schwer fallen dürfte.

Brasilianische Nacht in Paris
Auf der anderen Seite des Ärmelkanals hatte Paris Saint-Germain seine Fans insofern überrascht, dass man den ganzen Januar über trotz des enttäuschenden Saisonstarts keine Aktivitäten auf dem Transfermarkt entwickelte. In den letzten Stunden vor Ablauf der Transferperiode besann sich der Hauptstadtklub dann aber doch noch und brachte mit der Verpflichtung von zwei Spielern aus dem Land des fünffachen Weltmeisters eine Art brasilianische Note in die Mannschaft. Angreifer Everton Santos von den Corinthians und Mittelfeldspieler Williamis de Souza vom FC São Paulo wechseln an die Seine, um dort die Abgänge von Pierre-Alain Frau und Marcello Gallardo zu kompensieren.

Etwas weiter nördlich musste der RC Lens seinen Stürmer Luigi Pieroni nach Belgien zum RSC Anderlecht ziehen lassen. Im Gegenzug gelang es den Nordfranzosen jedoch, ihn durch das Nachwuchstalent Loïc Remy von Olympique Lyon zu ersetzen, wo der junge Angreifer zuletzt über mangelnde Spielpraxis klagte.

Im französischen Süden sorgte AS Monaco noch einmal für erhöhte Aufmerksamkeit, als man noch kurz vor Toresschluss den Kroaten Nikola Pokrivac von Dinamo Zagreb verpflichtete. Zuvor hatte man sich bereits die Dienste des offensiven Mittelfeldspielers Ignacio Gonzalez (von Danubio Montevideo) und des brasilianischen Abwehrspielers Romeu Fabio Santos (bisher Cruzeiro) gesichert. Bliebe noch zu ergänzen, dass Felix Katongo aus Sambia trotz des Ausscheidens seiner Mannschaft in der Vorrunde des Afrikanischen Nationen-Pokals das Interesse von Stade Rennes geweckt hat und den Rest dieser Saison in der Bretagne spielen wird, nachdem er zwei Jahre in der angolanischen Meisterschaft aktiv war.

In Spanien schielte man dagegen nicht in Richtung Afrika und wurde stattdessen in der restlichen Welt fündig. Racing Santander, das am Donnerstagabend den Einzug ins Halbfinale der Copa del Rey schaffte, holte sich mit Sergio Orteman aus Uruguay (zuletzt bei Istanbul BB, zuvor bei Independiente Avellaneda und den Boca Juniors in Argentinien) einen offensiven Mittelfeldspieler und verstärkte sich darüber hinaus mit dem jungen Peruaner Damian Ismodes von Sporting Cristal, der als gerade einmal 18-Jähriger bereits auf drei Länderspiele verweisen kann.

Gemäß seiner Tradition, vorzugsweise südamerikanische Profis unter Vertrag zu nehmen, schickte der FC Villarreal seine Scouts dieses Mal nach Schweden, um dort den uruguayischen Mittelfeldakteur Sebastian Eguren ausfindig zu machen. Für den 26-Jährigen ist Spanien nach Uruguay, Mexiko, Norwegen und Schweden bereits das fünfte Land, in dem er um die nationale Meisterschaft spielt. Der Argentinier Marcos Sebastian Aguirre, der unlängst in seiner Heimat mit Lanus das Torneo Apertura gewann, wird künftig für Real Valladolid spielen. Dabei wird ihm der bulgarische Stürmer Vladimir Manchev zur Seite stehen, der nach Ablauf seiner Leihspielzeit bei Celta Vigo wieder nach Valladolid zurückkehrte.

Weitere Transfers in letzter Minute melden Real Murcia und UD Almería, wo man den Marokkaner Abderrahman Kabous von ZSKA Sofia bzw. das Nachwuchsalent Miguel Angel Nieto von Real Madrid unter Vertrag nahm.

Makinwa geht, Rozehnal kommt
Die überwiegende Mehrheit der italienischen Klubs ist diesmal nicht jenseits der Landesgrenzen aktiv geworden, so dass die letzten Transfers lediglich innerhalb Italiens erfolgten. Sampdoria Genua sicherte sich die Dienste des uruguayischen Abwehrspielers Martin Miglionico, der zuletzt für den Zweitligisten AC Piacenza spielte und zuvor von Estudiantes de la Plata (Argentinien) nach italien gewechselt war. Der Marokkaner Houssine Kharja verlässt gleichfalls den AC Piacenza und spielt künftig für den AC Siena. Dort trifft er auch auf Manuel Coppola, der zuletzt beim FC Genua 1893 aktiv war. Der FC Turin nutzte die letzten Stunden der Transferperiode, um Marco Pisano und den früheren Nationalspieler Aimo Diana (beide von US Palermo) unter Vertrag zu nehmen.

Zu den interessanteren Transferaktivitäten des letzten Tages zählt zweifellos auch die Verpflichtung des Nigerianers Stephen Makinwa, der zuletzt bei Lazio Rom kaum noch zum Einsatz gekommen war und sich vorgestern mit seinem Nationalteam beim Afrikanischen Nationen-Pokal in Ghana für das Viertelfinale qualifizieren konnte, durch Reggina Calcio. Neu zu Lazio stößt der defensive Mittelfeldspieler David Rozehnal aus der Tschechischen Republik, der nach gerade mal sechs Monaten in der englischen Premier League von Newcastle United in die italienische Metropole wechselte. Schließlich unterschrieb der brasilianische Linksverteidiger Aoas Vidal Moreno von Botafogo Rio de Janeiro noch in letzter Minute bei Udinese Calcio.

In der deutschen Bundesliga wurde der letzte Transfer aus Bremen gemeldet. Werder holte den zuletzt beim FC Schalke 04 umstrittenen Mesut Özil. Der 19-jährige Spieler der DFB-Nachwuchsauswahl hatte für die Knappen bislang 30 Bundesliga-Spiele und vier Partien in der UEFA Champions-League bestritten. Er soll zunächst den Brasilianer Carlos Alberto ersetzen, der bis Juni 2007 an den FC São Paulo ausgeliehen wurde, sowie in der kommenden Saison Tim Borowski, der im Sommer zu Bayern München wechseln wird. Der MSV Duisburg sicherte sich die Dienste des Rumänen Claudiu Niculescu von Dinamo Bukarest und des Argentiniers Fernando Avalos, der vom portugiesischen Erstligisten Nacional Madeira ins Ruhrgebiet wechselte.

Aus Griechenland vermeldet Panathinaikos Athen die Ausleihe Neuzugang des angolanischen Stürmers Manucho, der erst vor wenigen Wochen von Manchester United unter Vertrag genommen worden war und zurzeit in Ghana mit herausragenden Leistungen auf sich aufmerksam macht. Celtic Glasgow trennte sich dagegen von dem Tschechen Jiri Jarosik und gab dessen Wechsel zum russischen Erstligisten Krylia Sovetov bekannt. Bliebe noch zu ergänzen, dass der Litauer Edgaras Jankauskas, der mit dem FC Porto im Jahr 2004 die UEFA Champions League gewann, nach mehreren Zwischenstationen bei OGC Nizza, FKB Kaunas, Heart of Midlothian und AEK Larnaca nach Portugal zurückkehrte und dort künftig im Trikot von Belenenses Lissabon auflaufen wird.

All diese Spieler stehen jetzt vor neuen Herausforderungen und müssen schon bald unter Beweis stellen, dass sie das in sie gesetzte Vertrauen auch rechtfertigen können. Eine Zeit, die auch für die passionierten Verfolger der Aktivitäten auf dem Transfermarkt nicht leicht wird, zumal diese sich bis zum Sommer gedulden müssen, um die nächsten Vereinswechsel in Erfahrung zu bringen.

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