Nach vier Spielzeiten bei Bayern München, in denen er für den deutschen Rekordmeister mehr als 100 Tore erzielte, kehrte Roy Makaay im vergangenen Sommer in seine Heimat zurück, wo er zu Saisonbeginn einen Dreijahresvertrag bei Feyenoord Rotterdam unterschrieb. Und bislang erfüllte der 32-jährige Angreifer auch die Erwartungen seines neuen Klubs, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Vereinsjubiläum feiert und sich von der Verpflichtung des Torjägers entscheidende Impulse nicht nur im nationalen Rahmen - also in der niederländischen Eredivisie - sondern auch für einen erfolgreichen Auftritt auf der europäischen Fussballbühne versprach.
Der niederländische Nationalstürmer, der in der Saison 2002/03 für Deportivo La Coruña mit insgesamt 29 Treffern Torschützenkönig der spanischen Primera División geworden war und damit europaweit auf sich aufmerksam gemacht hatte, beweist stets aufs Neue, dass er trotz zunehmenden Lebensalters nichts von seiner Torgefährlichkeit eingebüßt hat.
Am Tag nach dem 3:1-Sieg seiner Mannschaft gegen den FC Twente Enschede erklärte sich der Torjäger zu einem Interview im Presseraum des Feynoord-Stadions "De Kuip" bereit, um sich exklusiv den Fragen von FIFA.com zu stellen. Dabei erlebten wir Makaay so, wie er sich auch dem Spielfeld präsentiert: Für ihn zählt stets nur das Wesentliche.
Roy Makaay, Sie sind als 32-Jähriger nach zehn Jahren
Abwesenheit in Ihre Heimat zurückgekehrt. Hatten Sie das schon seit
längerem geplant?
Nein, überhaupt nicht! Mein Vertrag bei den Bayern lief ja
noch ein Jahr, so dass ich auch hätte bleiben können. Doch im
Fussball verlangen mitunter bestimmte Umstände auch entsprechende
Entscheidungen. Die Bayern hatten zwei internationale Topstürmer
geholt, und ich war erfahren genug, um abschätzen zu können, wie
sich das Ganze weiterentwickeln wird. Fortan würden beide Angreifer
auch spielen, das war klar. Ich aber wollte nicht ein ganzes Jahr
lang auf der Ersatzbank sitzen und mein Geld verdienen, ohne groß
zum Einsatz zu kommen. Also habe ich mich entschieden, den Verein
zu verlassen. Ich hatte ja immer gesagt, dass, wenn ich einmal aus
München weggehe, ich nach Spanien oder in die Niederlande wechseln
möchte. Aus meiner Heimat lagen mir ein paar konkrete Angebote vor,
von denen sich das von Feyenoord Rotterdam als das beste erwies.
Weil ich möglichst schnell handeln wollte, blieb mir keine Zeit,
mich in Geduld zu üben und auf weitere Angebote aus Spanien zu
warten, zumal ich weiß, dass dies dort in der Regel etwas länger
dauert.
Haben Sie inzwischen bereut, dass Sie die Bayern zu einem
Zeitpunkt verlassen haben, da deren Spielanlage in dieser Saison
offensiver denn je ist, vor allem dank Franck Ribéry?
Nein, nicht ein einziges Mal. Ich sagte ja bereits, dass
es allein meine Entscheidung war, den Verein zu verlassen, außerdem
fühle ich mich in Rotterdam sehr wohl. In dem Moment, da man einen
Ribéry verpflichtet, ist jedem klar, was man damit bezweckt. Und
sein Start in die laufende Saison hat ja auch gezeigt, dass sich
sein Wechsel nach München gelohnt hat. Allerdings haben sich die
Bayern kurz vor der Winterpause auch mehrfach Kritik eingehandelt,
und Werder Bremen gelang wieder der Anschluss an die
Tabellenspitze. Auf den Bayern lastet ein enormer Erfolgsdruck.
Davon zeugen auch die jüngsten Transfers in der Winterpause. Man
darf also gespannt sein, ob und wie sich das alles am Saisonende
niederschlägt.
Demnach haben Sie die Bayern im gütlichen Einvernehmen mit
der Klubführung und den Fans verlassen?
Ja, absolut. Der Verein hat mich auch zum Abschiedsspiel
von Mehmet Scholl eingeladen, um die Partie als Zuschauer zu
verfolgen. Und auch ich wurde offiziell vom FC Bayern München
verabschiedet. Es war schon ein bewegender Augenblick, als mir die
Fans zujubelten und ich einige Geschenke überreicht bekam.
Welche Bilanz ziehen Sie nach vier Jahren in München, von
denen die ersten beiden überaus erfolgreich waren und die beiden
letzten etwas weniger glanzvoll, zumindest was die Trefferausbeute
anbelangt?
Immerhin habe ich für die Bayern über 110 Tore geschossen
[Anm. d. Red.: Exakt sind es 129]. Lediglich Gerd Müller hat für
die Bayern öfter getroffen als ich. Wenn ein derart legendärer
Stürmer der Einzige ist, der in der ewigen Torschützenliste vor
einem rangiert, dann will das schon etwas heißen. In den beiden
letzten Jahren, vor allem in der vergangenen Saison, lief es zwar
nicht mehr ganz so gut, doch das stört mich nicht. Schließlich habe
ich trotzdem meinen Beitrag geleistet, und im Jahr 2006 haben wir
den Meistertitel geholt. Insgesamt habe ich in München also vier
wunderbare Jahre gehabt.
Man sagt Ihnen nach, dass Sie kritischen Äußerungen zu
Ihrer Person, die in Ihrer letzten Bundesliga-Saison immer häufiger
wurden, eher gelassen gegenüberstehen. Kann Sie wirklich nichts aus
der Ruhe bringen?
Ich lese zwar die Kommentare der Presse, doch ehrlich
gesagt messe ich der Kritik der Medien nicht viel Bedeutung bei. Es
genügt, zu wissen, dass man bei diesen Leuten aus irgendwelchen
Gründen, die nicht im sportlichen Bereich liegen, nicht gerade
beliebt ist. Manchmal stecken auch persönliche Beziehungen zu dem
einen oder anderen Fussballer, mit dem man in Konkurrenz steht,
dahinter. Für mich zählt einzig und alleine das, was meine
Mitspieler, mein Trainer und die Vereinsführung über mich
denken.
Haben Sie aufgrund der Tatsache, dass Ihr Wechsel nach
München den Bayern damals die Rekordsumme von rund 20 Mio. EUR
kostete, einen besonderen Erwartungsruck gespürt?
Nein. So etwas kannte ich schon von Deportivo La Coruña,
als ich von CD Teneriffa nach Nordspanien gewechselt war. Dort
zählte meine Verpflichtung gleichfalls zu den zwei teuersten in der
Vereinsgeschichte. Wissen Sie, spätestens in dem Moment, da etwas
eine Größenordnung annimmt, die man allein nicht mehr steuern kann
oder auf die man nur einen begrenzten Einfluss hat, bleibt einem
nur noch, auf dem Platz sein Bestes zu geben. Und zwar ohne an die
für das Zustandekommen des Transfers gezahlten Millionen zu denken.
Bei den Bayern befindet sich derzeit Ribéry in dieser Rolle, wobei
auch er sich diese nicht selbst herbeigewünscht hat.
Feyenoord Rotterdam hat sich finanziell im vergangenen
Sommer ganz schön strecken müssen, zum einen, um die
Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Vereins abzusichern,
zum anderen, um sich die Dienste von Van Bronckhorst zu sichern.
Spüren Sie, dass man sehr viel von Ihnen persönlich erwartet und
dass diese Saison für den Klub einen besonderen Stellenwert
besitzt?
Feyenoord wollte seinen Fans anlässlich der 100-Jahr-Feier
des Vereins eine schlagkräftige Mannschaft präsentieren. Dafür hat
der Klub in der Tat eine Menge Geld investiert. Besonders die
vorherige Saison war alles andere als wunschgemäß verlaufen.
Nachdem eine ganze Reihe neuer Spieler verpflichtet wurden, finde
ich, dass unsere Mannschaft zurzeit recht gut spielt, auch wenn wir
noch sechs Punkte Rückstand auf den aktuellen Tabellenführer haben.
Ich persönlich bin mit bisher zwölf Saisontoren zufrieden. Einen
besonderen Erwartungsdruck spüre ich jedoch nicht. Ich bin hier, um
mich in die Mannschaft einzubringen und um das zu tun, was ich am
besten kann.
Genau, und als inzwischen 32-Jähriger treffen Sie nach wie
vor regelmäßig. Liegt es an Ihrer Art zu spielen, dass Sie so lange
erfolgreich sind?
Ich glaube nicht, dass die Spielweise damit in irgendeiner
Form im Zusammenhang steht. Ich hatte das Glück, nie ernsthaft
verletzt zu werden, und ich achte stets darauf, meinem Körper nicht
zu viel zuzumuten. Mittlerweile bin ich nicht mehr so belastbar wie
früher, also brauche ich auch mehr Ruhepausen. So halte ich mich
auch noch mit 32 Jahren in Form, aber nicht durch meine Spielweise
als solche.
Klaas Jan Huntelaar meinte vor ein paar Monaten im Gespräch
mit uns, dass für einen in der niederländischen Meisterschaft
erprobten Profi 25 bis 30 Tore nichts Außergewöhnliches seien.
Haben Sie sich für die laufende Saison ein konkretes Ziel
gesetzt?
Nein, so etwas habe ich noch nie gemacht. Schließlich
hängt eine erfolgreiche Saison nicht allein vor der erzielten
Trefferquote ab. Ich ziehe meine Bilanz immer am Saisonende, wobei
ich verschiedene Kriterien berücksichtige. Ein Angreifer ist stets
auf die Mannschaft und seine Sturmpartner angewiesen. Übrigens
achte ich schon bei der Vertragsunterzeichnung mit einem Verein auf
mein unmittelbares Umfeld in der Angriffsreihe, um sicher zu gehen,
dass ich dort auch entsprechend hinein passe.
Das könnte auch erklären, warum Sie in Ihrer bisherigen
Karriere noch nie eine schlechte Wahl getroffen haben?
Eben. Außerdem treffe ich meine Entscheidungen stets aus
dem Gefühl heraus. Einerseits weiß ich genau, was ich will,
andererseits lasse ich mich aber auch von meinen Wünschen und
meinem Instinkt leiten.
Sie haben in Ihrer Laufbahn schon große Erfolge feiern
können. An welchen erinnern Sie sich besonders gern?
Es ist schwierig, einen der Höhepunkte herauszuheben. Im
Rückblick finde ich wirklich nichts, was ich an meiner bisherigen
Karriere zu bereuen hätte. Wenn ich zwei oder drei Beispiele nennen
sollte, dann fällt mir zuerst der spanische Meistertitel mit
Deportivo La Coruña aus dem Jahr 2000 ein, denn es war der erste
überhaupt in der Vereinsgeschichte und damit ein ganz besonderer.
Und vielleicht noch wertvoller als der Titelgewinn mit Bayern
München, für den es ja bei Weitem nicht der erste war. Schließlich
war auch die Torschützenkrone der Saison 2002/03 in der Primera
División für mich persönlich eine hohe Anerkennung.
Und wer ist der beste Fussballer, mit dem Sie je in einer
Mannschaft gespielt haben?
Das ist ebenfalls schwer zu beantworten. Bei den Bayern
ist man in jeder Saison von großartigen Spielern umgeben. Doch ganz
spontan würde ich sagen, dass es Juan Carlos Valerón in La Coruña
war. Er war ein brillanter und echt starker Mitspieler.
