Im Sommer und im Winter folgt der Transfermarkt den gleichen Gesetzen: Es geht langsam los, zur Mitte hin nehmen die Aktivitäten an Fahrt auf und in den letzten Stunden ist dann oft Hektik angesagt. Auch die Wintertransferperiode 2008 ist da keine Ausnahme. Langsam ging es los, doch 15 Tage vor Transferschluss häufen sich nun die Wechsel. FIFA.com wirft noch einmal einen Blick auf die Spielerverpflichtungen der vergangenen beiden Wochen.

Die englische Premier League ist das beste Beispiel für das sich schneller drehende Transferkarussell. Haben sich die englischen Klubs bislang kaum auf dem Transfermarkt bedient, mischen sie jetzt um so kräftiger mit - allen voran natürlich Chelsea, das zu Jahresbeginn den großen Coup gelandet hat. Weil Didier Drogba und Salomon Kalou mehrere Wochen beim Afrikanischen Nationen-Pokal 2008 weilen werden, angelten sich die Blues mal eben Nicolas Anelka.

Mit 29 Jahren schließt sich für den Franzosen damit der Kreis. Nach seinem Wechsel von Arsenal vor achteinhalb Jahren kehrt er nach London zurück - verbunden auch mit der Hoffnung, dass seine Tingeltangel-Tour durch Europa damit ein Ende haben könnte. "Ich wollte unbedingt zu Chelsea und hoffe, dass ich meine Karriere hier beenden kann", ließ Anelka jedenfalls nach seinem Einstand gegen Tottenham schon verlauten. "Ich habe ja durchaus schon bewiesen, dass ich auch auf höchstem Niveau meine Tore machen kann. Das will ich jetzt auch für Chelsea tun. Ich werde nicht enttäuschen." Aber die Bleus haben nicht nur im Sturm nachgerüstet. Der serbische Nationalspieler Branislav Ivanovic soll künftig die Abwehr an der Stamford Bridge stabilisieren. Er kommt von Lokomotive Moskau.

Auch der FC Liverpool hat sein Augenmerk auf die Defensive gelegt und sich die Dienste des Slowaken Martin Skrtel gesichert, der als russischer Meister von Zenit St. Petersburg kommt. Der erst 23-Jährige kann auf die Erfahrung von 15 Länderspielen verweisen und soll den langzeitverletzten Dänen Daniel Agger ersetzen. Stadtrivale FC Everton hat ebenfalls einiges getan, um das Gesicht der Mannschaft zu verändern. Der portugiesische Mittelfeldspieler Manuel Fernandes, schon in den letzten sechs Monaten der vergangenen Saison ausgeliehen, streift künftig wieder das Trikot der Toffees über, für die er es in neun Begegnungen der englischen Premier League zuvor auf zwei Tore gebracht hatte.

Derby tut alles für den Klassenerhalt
Der Tabellenletzte Derby County tut derweil alles, um das "Unternehmen Klassenerhalt" doch noch zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Wie oft in solchen Fällen hat der abstiegsbedrohte Klub noch einmal kräftig nachgelegt und den Franzosen Laurent Robert, den Argentinier Emanuel Villa, den Waliser Robbie Savage und den englischen Ex-Nationalspieler Danny Mills verpflichtet. Doch damit noch nicht genug. Zuletzt gab Derby auch noch den Wechsel des ägyptischen Mittelfeldspielers Hossam Ghaly vom Ligakonkurrenten Tottenham Hotspur bekannt.

Aber die Konkurrenz schläft nicht. Auch Wigan zieht im Abstiegskampf noch einmal alle Register. Von Deportivo Olimpia kommen die beiden Honduraner Maynor Figueroa und Wilson Palacios, wobei Palacios auf der Insel durchaus kein Neuling ist, war er doch zu Saisonbeginn bereits an Birmingham ausgeliehen. Birmingham wiederum setzt verstärkt auf Spieler aus der schottischen Nachbarschaft. Stürmer James McFadden folgt seinem Landsmann und Trainer Alex McLeish nach St. Andrew. Das abstiegsbedrohte Bolton hat unterdessen zwar Anelka verloren, glaubt sich aber für die zweite Saisonhälfte bestens gerüstet, weil man den isländischen Verteidiger Gretar Steinsson von AZ Alkmaar und Linksverteidiger Matt Taylor aus Portsmouth loseisen konnte.

Ein Verteidiger geht, einer kommt. Nur fünf Monate nach seinem Wechsel von Chelsea zu Arsenal zieht der Franzose Lassana Diarra einen Schlussstrich unter das Kapitel London und schließt sich dem Klub von Harry Redknapp an.

Die Bundesliga setzt auf Südamerikaner
In Deutschland setzen die Vereine derweil verstärkt auf Ballkünstler aus Südamerika. Bei Schalke 04 hat man schon gute Erfahrungen mit den beiden brasilianischen Verteidigern Marcelo Bordon und Rafinha gemacht und zu Saisonbeginn den Uruguayer Carlos Grossmüller geholt. Dem folgte jetzt sein Nationalmannschaftskollege Vicente Sanchez nach. Der Stürmer kommt mit der Empfehlung von 85 Toren für den mexikanischen Verein Toluca seit seinem Wechsel im Sommer 2001. Das offensive Mittelfeld und die "brasilianische Fraktion" verstärkt Zé Roberto von Botafogo, der in Deutschland auf seinen Namensvetter von Bayern München trifft.

Auch Hertha BSC Berlin und Eintracht Frankfurt haben sich in Brasilien umgetan. Der Hauptstadtklub hat sich endlich die Dienste des schon lange umworbenen brasilianischen Torjägers Raffael gesichert, der in 77 Spielen für den FC Zürich 39 Tore gemacht hat. Bei der Eintracht freut man sich derweil über die gelungene Verpflichtung von Caio, einem jungen Mittelfeldtalent, das von Palmeiras kommt. Pokalsieger 1. FC Nürnberg erhofft sich derweil Verstärkung aus Monaco. Der tschechische Torjäger Jan Koller kehrt nur 18 Monate nach seinem Wechsel von Borussia Dortmund in die Bundesliga zurück. Dass Koller mit seinen 34 Jahren nichts von seinem Torinstinkt verloren hat, hat der Rekordtorjäger der tschechischen Nationalmannschaft in den ersten beiden Freundschaftsspielen für seine neue Elf bereits nachgewiesen.

Frankreich verliert damit buchstäblich einen "großen" Angreifer, gewinnt aber in Person des argentinischen Nationalstürmers César Delgado einen neuen hinzu. Delgado hat es beim mexikanischen Klub Cruz Azul auf die beachtliche Quote von 95 Toren in 132 Spielen und in der Nationalmannschaft auf immerhin zwei Treffer in 20 Partien gebracht. Künftig unternimmt El Chelito seine ersten Schritte in Europa bei Olympique Lyon. "Ich komme zu einem Klub mit Geschichte und Prestige. Ich hoffe, dass der Aufstieg von Lyon auch künftig so weiter geht", gab der Neue bei seiner Ankunft brav zu Protokoll. "Ich bin schnell und kann links wie rechts spielen. Ich habe meine Stärken bei Hereingaben und Flanken insbesondere auf den Mittelstürmer", charakterisiert sich Delgado selbst. Karim Benzema und Milan Baros wird's freuen.

Findig bei den Transfers
Aber der sechsmalige französische Meister hat noch mehr getan. Vom FC Barcelona wurde der junge spanische Mittelfeldspieler Marc Crosas ausgeliehen. Aber auch Abgänge hat OL zu verzeichnen. So wurde der Brasilianer Fabio Santos (defensives Mittelfeld) an São Paulo ausgeliehen. Zudem trennt man sich vom algerischen Linksverteidiger Nadir Belhadj, der zwar erst vor einem Jahr an Rhône und Saône gewechselt war, sich beim Tabellenführer der Ligue 1 aber nicht durchsetzen konnte. Belhadj wird sich künftig beim RC Lens versuchen. Dessen Gegner am Sonntag ist übrigens ausgerechnet... Lyon!

Der für sein gutes Näschen bei den Transfers bekannte OGC Nizza, aktuell überraschend Fünfter in der Meisterschaft, konnte Verteidiger Gérald Cid aus Bolton loseisen. Der war erst zu Saisonbeginn von Bordeaux zu den Wanderers gewechselt, hatte sich dort aber nicht durchsetzen können. Auch Le Mans ist Spezialist für findige Transfers. Dort hofft man nun, den bisher gelungenen Saisonverlauf durch die Verpflichtung des tunesischen Rechtsverteidigers Saber Ben Frej (kommt von Étoile Sportive du Sahel) und des brasilianischen Innenverteidigers Antonio Geder (von Spartak Moskau) weiter fortsetzen zu können.

In Italien betrifft der wichtigste Wechsel ausgerechnet den Klub, der es allem Anschein nach am wenigsten nötig hat. Inter Mailand, ungeschlagener und souveräner Tabellenführer der Serie A, hat sich zur Verpflichtung des defensiven Mittelfeldspielers Maniche aus Portugal entschieden. Der UEFA Champions League-Sieger von 2004 mit dem FC Porto hatte bei Atlético Madrid zuletzt nicht genug Spielpraxis. Die wird er bei Trainer Roberto Mancini nun mit großer Sicherheit bekommen, ist Inter doch gerade im Mittelfeld arg von Verletzungen gebeutelt. In diesem Mannschaftsteil sind nach und nach Luis Figo, Patrick Vieira, Olivier Dacourt und Dejan Stankovic ausgefallen.

Wieder zu Hause
Viel Beifall auf Italiens "Mercato" hat auch der AC Parma erhalten, dem es gelungen ist, Cristiano Lucarelli zurück zu holen. Nach 20 Toren für Livorno in der Vorsaison war Lucarelli im Sommer zu Shakhtar Donetsk gewechselt. Aber das frühe Aus in der UEFA Champions League und Anpassungsschwierigkeiten an das Leben in der Ukraine befeuerten nun eine rasche Rückkehr in den Schoß des Calcio. Wenn Lucarelli jetzt wieder an seine Leistungen der Vorsaison anknüpfen kann, ist er zweifellos wieder ein Kandidat für die Squadra Azzurra und die UEFA EURO 2008.

Überhaupt hat es im Winter bislang eine regelrechte "Heimreisewelle" gegeben. Stürmer Cristiano Rigano und Verteidiger Bruno Cirillo haben den spanischen Tabellenletzten Levante verlassen und bei Siena bzw. Reggina angeheuert. Die Tabellensituation hat unterdessen für Torhüter Marco Storari bei seinem Wechsel offensichtlich keine Rolle gespielt, denn er spielt künftig bei Cagliari, das in Italien die "Rote Laterne" übernommen hat.

Aus Spanien kommen weiterhin nur wenige Nachrichten, nicht so jedoch aus dem Rest von Europa. So freut man sich in Griechenland über die Ankunft zweier versierter Stürmer. Der Brasilianer Marcio Amoroso hat nach Stationen in Japan, Deutschland, Italien und Spanien einen Vertrag über eineinhalb Jahre bei Aris Saloniki unterschrieben, während Portugals Nationalspieler Helder Postiga vom FC Porto an Panathinaikos ausgeliehen wurde.

Aber auch auf der anderen Seite des Atlantiks setzt man auf geballte Erfahrung. So haben sich viele verdiente Spieler aus Europa zum Jahreswechsel für eine Luftveränderung entschieden. Der brasilianische Ex-Nationalspieler Vampeta, der unter anderem für Inter Mailand und Paris Saint-Germain aktiv war, kickt künftig für CA Juventus São Paulo. Den Argentinier Diego Placente, mit Bayer Leverkusen 2002 Finalist der UEFA Champions League, hat es zurück in seine Heimat gezogen. Sechs Monate nach seinem Vertragsende bei Celta Vigo ist er jetzt für San Lorenzo in der Copa Libertadores am Ball. Dort könnte er seinem Landsmann Lucas Castroman über den Weg laufen, der vom mexikanischen Klub América an die Boca Juniors ausgeliehen wurde.

Der Transfermarkt bleibt noch bis zum 31. Januar geöffnet. Bis dahin werden noch alle Vereine versuchen, den großen Wurf zu landen. Wenn Sie keinen Spielerwechsel verpassen wollen, sollten Sie deshalb regelmäßig auf FIFA.com vorbei schauen!