Während Emmanuel Adebayor sowohl in Togo als auch auf dem gesamten afrikanischen Kontinent längst ein Fussballstar ist, konnte er in der laufenden Saison auch fernab seiner Heimat unter Beweis stellen, dass er nicht minder strahlen kann als der Stern seines ersten Vereins, Étoile Filante Lomé, der diesen sogar im Namen trägt.

Das als 18-Jähriger beim französischen Zweitligisten FC Metz entdeckte Stürmertalent, das in der laufenden Saison schon 13 Treffer erzielte und derzeit die Torschützenliste der englischen Premier League anführt, konnte damit endlich sein enormes Potenzial, das in der Vergangenheit nie so richtig zum Tragen kam, voll zur Entfaltung bringen. "Früher wurde ich immer wieder mal kritisiert. Aber ich habe hart an mir gearbeitet, und wenn man mir heute mehr Anerkennung zollt, dann hängt dies mit meiner Leistung auf dem Platz zusammen. Und das erfüllt mich mit Stolz", so die Antwort des Torjägers vom FC Arsenal auf die Frage, ob sich die allgemeine Meinung über ihn geändert habe.

Adebayor, dem bei seinem Wechsel nach England im Dezember 2005 noch das Image eines launischen Profis anhaftete, der häufig durch unbedachte Äußerungen auffiel, wurde daher bei seiner Ankunft auf der Insel eher skeptisch als erwartungsvoll in Empfang genommen. Viele fragten sich damals, ob seine Fähigkeiten nicht überbewertet wurden und ob es ihm tatsächlich gelingen würde, in England erfolgreich Fuß zu fassen und eine große Karriere zu starten. Sein Coach Arsène Wenger zählte zu jenen, die dennoch fest an ihn glaubten. Er bat lediglich um etwas Geduld, um ihm Zeit zu geben, die in ihn gesetzten Erwartungen auch zu erfüllen.

Nach zwei Spielzeiten, die er vornehmlich dazu nutzte, seinen neuen Schützling weiter zu formen und in die Mannschaft zu integrieren, scheint die Rechnung für den Erfolgstrainer aus dem Elsass in vollem Umfang aufgegangen zu sein. Angesichts seiner aktuellen Torquote (13 Treffer) erweist sich der hoch gewachsene (1,90 Meter) Emmanuel Adebayor inzwischen als würdiger Nachfolger von Thierry Henry.

"Er scheint mir sogar noch durchschlagskräftiger. Er ist ein echter Kämpfertyp, der zwar viel am Abschluss feilen musste, andererseits aber eine Menge Intelligenz ins Spiel einbringt. Ich glaube, dass er von Thierry Henry viele wertvolle Tipps bekommen hat", ist sich Wenger sicher. "Beide haben oft und viel miteinander gesprochen, und Thierry hat ihm unter anderem auch geraten, ruhiger zu werden. Bei seinem dritten Tor gegen Derby County dachte ich sofort: 'Das ist ein Treffer à la Henry, ganz ehrlich'", so der langjährige Coach der Gunners über den Dreierpack von Adebayor beim 5:0-Sieg über Derby County.

"Ich überlasse es anderen, mich zu beurteilen"
Derlei Komplimente wirken wie Balsam auf die Seele des Togoers, der von den englischen Medien zu Beginn dieser Saison, als man auf der Suche nach einem geeigneten Ersatz für den zum FC Barcelona gewechselten Thierry Henry war, noch mit reichlich Skepsis bedacht wurde. "Man sollte den Leuten ihre Meinung lassen. Bei vielen stand zum Saisonbeginn nicht ich, sondern Robin (van Persie) oder Eduardo ganz oben. Abgerechnet wird aber erst am Saisonende. Dann wird man sehen, wer tatsächlich den Platz von Thierry Henry eingenommen hat. Zwar habe ich durchaus den Ehrgeiz, am Ende der Beste zu sein. Das Wichtigste ist jedoch, dass wir als Mannschaft auch Titel gewinnen. Dazu möchte ich mit möglichst vielen Toren beitragen und dabei auf dem Spielfeld auch meine Freude haben. Wie ich dann zu beurteilen sein werde, das überlasse ich lieber anderen, in erster Linie natürlich den Fans", so der Kommentar des Angreifers, der in der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ für Togo elf Tore erzielt hatte.

"Wenn die Rede von den besten Spielern der englischen Premier League ist und dabei auch mein Name fällt, würde mich das schon freuen. Doch im Moment geht es erst einmal darum, die Saison möglichst gut zu Ende zu bringen und entsprechende Titel zu holen. Schließlich möchte ich in diesem Jahr unbedingt etwas gewinnen. Wenn ich am Ende 30 Tore auf dem Konto habe und wir trotzdem ohne Titel bleiben, dann ist das Ganze ohnehin nichts wert", setzt der Torjäger, der im Übrigen seit jeher ein glühender Verehrer von Nwankwo Kanu ist, der früher ebenfalls bei den Gunners spielte und ihm von der Statur her ähnlich ist, noch einen drauf. Adebayor, der beim FC Arsenal unter anderem immer dann als Dreh- und Angelpunkt bei Angriffen aus der Tiefe dient, wenn der Spielfluss seiner Mannschaft ausnahmsweise ins Stocken gerät, entwickelte seit seiner Rückkehr ins Team im September vorigen Jahres einen Torinstinkt, wie man ihn zuvor bei ihm nicht gekannt hatte.

Das in Monaco verblasste Image erstrahlt neu
"Bis jetzt habe ich meine Effizienz entscheidend verbessern können, so dass ich vor dem Tor endlich den richtigen Riecher habe. Ich springe ziemlich hoch und bin meist rechtzeitig am Ball. Nun muss ich noch daran arbeiten, über eine gesamte Spielzeit hinweg konstante Leistungen zu bringen. Genau das ist nämlich das Erfolgsrezept der Topspieler. Außerdem leide ich vielleicht auch an einer mangelnden Vermarktung meiner Person im Vergleich zu anderen Spielern. Aber das ist für mich kein Problem", so der ehemalige Profi des FC Metz, der bis zu seinem Wechsel zu AS Monaco, für den er dann in zwei Spielzeiten (2003/04 und 2004/05) insgesamt 17 Tore erzielte, in Lothringen faktisch den Feinschliff erhalten hatte. Seine überzogenen Gehaltsforderungen an die Klubverantwortlichen trübten jedoch zunehmend sein Ansehen im Fürstentum, was sich durch einige unbedachte und übereilt ausgesprochene Äußerungen noch zusätzlich verschärfte. Damit war der Zeitpunkt gekommen, sich nach einem neuen Verein umzusehen. Die dann getroffene Wahl hätte besser nicht sein können.

In anderthalb Jahren schoss Adebayor für die Gunners in 42 Spielen der Premier League zwölf Tore. Er sei durchaus zufrieden, aber fest überzeugt, dass er es noch besser könne, lautete die Bilanz des Fussball-Lehrers Wenger am Jahresende. Nachdem Henry zu Beginn der laufenden Saison in die katalanische Metropole gewechselt war, gab es für Adebayor eigentlich nur die Alternative, bei den Londonern endlich den Durchbruch zu schaffen. Natürlich war dabei die Verletzung, die sich der Stürmer im Sommer zugezogen hatte, alles andere als hilfreich. Doch wie schon ein altes Sprichwort sagt, ist 'aufgeschoben nicht aufgehoben'. "Ich befand mich mental wie physisch in bester Verfassung. Als ich mich dann in Österreich an den Adduktoren verletzt hatte, war das für mich ein herber Rückschlag. Schließlich handelt es sich dabei um eine ernst zu nehmende Verletzung. Mir war klar, dass ich mindestens die ersten zwei oder drei Meisterschaftsspiele verpassen würde. Nichts ist wichtiger als eine optimale Saisonvorbereitung. Aber jetzt bin ich wieder zurück. Ich kann zwar noch nicht drei Partien pro Woche durchspielen, doch ich fühle ich mich schon wieder fast hundertprozentig fit", so Adebayor optimistisch.

Rückkehr in die Nationalmannschaft
Ebenso wie seine Mannschaft hat auch Adebayor an menschlicher Reife und Selbstvertrauen hinzugewonnen. "In diesem Jahr spielt das Team wesentlich befreiter auf. Das ist gut für die Spieler und für den Trainer. Wir haben Spaß am Spiel, und es geht mit uns voran. Im vergangenen Jahr war die Mannschaft noch sehr jung, und sobald wir ein Gegentor kassierten, war die Hölle los. Plötzlich wussten wir nicht mehr, was wir tun sollten. Inzwischen haben wir viel gelernt und spielen einen richtig guten Fussball. Jeder Einzelne von uns weiß genau, welche Rolle er in den 90 Spielminuten auszufüllen hat. Selbst wenn wir in Rückstand geraten, versetzt uns das nicht mehr in eine Art Schockzustand. Diese Dynamik gilt es fortan beizubehalten. Wir haben eine Mannschaft, die den Ball kontrollieren und spielen kann. Das erschwert das Spiel des Gegners", urteilt der Togoer.

Zusätzlich untermauert wird seine derzeitige Erfolgsphase noch durch die Rückkehr in die Nationalmannschaft seines Landes, nachdem er aus Gründen, die nicht im sportlichen Bereich lagen, aus dem togoischen Nationalkader gestrichen worden war. Demnach könnte das Jahr 2008 also durchaus zum großen Erfolgsjahr von Emmanuel Adebayor werden.