Auch zu Beginn des Jahres 2008 sehen sich Kaufhäuser und Händler wieder dem alljährlichen Ansturm Tausender Kunden ausgesetzt, die sich auf Schnäppchenjagd nach günstigen Artikeln befinden. Gleiches trifft auf die überwiegende Mehrheit der Fussballklubs zu. Die einen wollen ihr aktuelles Team umbauen, weil es die zu Saisonbeginn abgesteckten Ziele bislang nicht umsetzen konnte, andere wiederum sind auf der Suche nach einer geeigneten Verstärkung, weil ihre Mannschaft erfolgreich in die laufende Saison gestartet ist und daher höhere Ziele anvisieren kann. Sie alle nutzen den ersten Monat des Jahres, um intensiv nach dem für sie besten "Schnäppchen" zu suchen. Und obwohl die Transferperiode erst am 31. Januar endet, haben einige Vereine schon jetzt die ersten Transfers unter Dach und Fach gebracht.
Die ersten Transferbemühungen wurden bereits im Dezember aus der deutschen Bundesliga gemeldet. Der für seine intensive Aktivität während der Winterpause bekannte FC Bayern München führte schon vor Halbzeit der Saison die ersten Transferverhandlungen. Der deutsche Rekordmeister rekrutierte mit dem jungen Breno ein überaus hoffnungsvolles Nachwuchstalent aus Brasilien. Der erst 18-jährige Innenverteidiger des FC São Paulo gewann mit seinem bisherigen Klub bereits zwei Mal in Folge die brasilianische Meisterschaft und träumt nun davon, bei den Bayern an der Seite von Lucio für eine rein brasilianische Innenverteidigung zu sorgen.
Während mit Breno ein weiterer Abwehrspieler kommt, wird ein anderer den Verein verlassen. Der Franzose Valérien Ismaël, der sich vor allem von den beiden Brasilianern, aber auch durch Daniel van Buyten oder Martin Demichelis, zunehmend von seiner Stammposition verdrängt sah, entschied sich für einen Wechsel zu Hannover 96. Der Ex-Profi von RC Lens und Racing Strasbourg, der lange Zeit verletzt war, hofft nun, in Hannover an sein früheres Leistungsniveau - im Jahr 2004 wurde er mit dem SV Werder Bremen Meister und Pokalsieger, was ihm dann im Jahr 2006 auch mit dem FC Bayern München gelang - anknüpfen zu können. "Ich wollte auf jeden Fall in der Bundesliga bleiben. Und Hannover 96 ist eine Mannschaft, die einen Startplatz in den europäischen Wettbewerben anpeilt. Das kommt mir natürlich entgegen", so der Kommentar des französischen Verteidigers bei der Vertragsunterzeichnung mit den Niedersachsen. "Der Trainer, die Vereinsführung und der Klubpräsident wollen alle etwas bewegen. Das hat mich überzeugt."
Die Klubverantwortlichen des VfB Stuttgart haben sich entschlossen, ihre Angriffsreihe durch den Rumänen Sergiu Radu zu verstärken, der vom VfL Wolfsburg auf Leihbasis zu den Schwaben wechselt. Radu, der die verletzungsbedingten Ausfälle von Mario Gomez und Cacau kompensieren soll, wird beim amtierenden deutschen Meister an der Seite von Landsmann Ciprian Marica stürmen. Beim deutschen Vizemeister Schalke 04 verbindet man mit dem Neuzugang von Albert Streit (bisher Eintracht Frankfurt) die Hoffnung, mit seiner Hilfe die laufende Saison ähnlich gut abschließen zu können wie im Vorjahr. Praktisch im Gegenzug gelang es der Frankfurter Eintracht, sich mit dem tschechischen Supertalent Martin Fenin von FK Teplice eine wertvolle Verstärkung ins Boot zu holen. Der Nationalstürmer der Tschechischen Republik wurde mit der U-20-Auswahl seines Landes Vize-Weltmeister bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007 und stand unter anderem auch auf der Wunschliste von Arsenal London, FC Liverpool, Juventus Turin und Werder Bremen.
Ebenfalls in die Bundesliga wechseln der Bosnier Ivan Radeljic sowie die Serben Branko Jelic und Dusan Vasiljevic. Alle drei spielen künftig für Energie Cottbus, wo ihnen die schwere Aufgabe zukommt, die Lausitzer vor dem drohenden Abstieg zu retten. Der 1. FC Nürnberg als amtierender DFB-Pokalsieger sicherte sich die Dienste des französischen Abwehrstrategen Jacques Abardonado. Der solide Verteidiger, der einst in der Nachwuchsabteilung von Olympique Marseille mit dem Fussball begonnen hatte, absolvierte seit dem Jahr 2002 nicht weniger als 173 Pflichtspiele für den OGC Nizza und zählte dort zu den Schlüsselspielern.
Afrikanischer Nationen-Pokal bringt Bewegung in Frankreichs
Ligue 1
Der Klub von der Côte d'Azur blieb nach dem Weggang
seines Topverteidigers nicht lange untätig und verpflichtete
kurzerhand den tunesischen Nationalspieler Alaeddine Yahia. Der
Verteidiger der
Adler von Karthago wird mit seiner Nationalmannschaft
nicht zum Afrikanischen Nationen-Pokal 2008 nach Ghana reisen. Ein
Glücksfall für OGC Nizza, der indes nicht allen französischen
Erstligaklubs beschieden ist. So musste Olympique Marseille
kurzfristig den 28-jährigen Verteidiger Juan Angel Krupoviesa von
den Boca Juniors rekrutieren, um damit den Ausfall des Nigerianers
Taye Taïwo für die Zeit des Turniers in Afrika wettzumachen.
Der für seine Zweikampfhärte bekannte Linksverteidiger wurde von seinem Klub an die Südfranzosen ausgeliehen. Im Jahr 2006 hatte er kurz vor seiner Berufung in die argentinische Nationalmannschaft gestanden, die jedoch durch eine schwere Knieverletzung im November 2006 zunichte gemacht wurde. Nach seiner Genesung kam er rasch wieder in Form, so dass er dem Klub aus der südfranzösischen Hafenstadt durchaus dabei helfen könnte, den misslungen Saisonauftakt vergessen zu machen. "Olympique Marseille ist ein großer Verein, und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass es mit der Mannschaft wieder aufwärts geht und sie sich im oberen Tabellendrittel etablieren kann. Vielleicht kann ich mich so auch für unsere Nationalmannschaft empfehlen", so der Argentinier bei seiner offiziellen Vorstellung in Marseille. Weitere Neuzugänge bei OM sind der von RC Lens ausgeliehene Ivorer Kanga Akalé und der defensive Mittelfeldspieler Charles Kaboré aus Burkina Faso, der vom Zweitligisten Libourne Saint-Seurin nach Marseille wechselte. Als Abgang wird der offensive Mittelfeldakteur Salim Arrache aus Algerien gemeldet, der an den FC Toulouse ausgeliehen wurde.
Beim RC Lens wird man zeitweise ebenfalls auf etliche afrikanische Nationalspieler verzichten müssen. Im Angriff soll der neu verpflichtete Toifilou Maoulida den Ausfall von Aruna Dindane kompensieren. Der Ex-Profi von Olympique Marseille, der zuletzt bei AJ Auxerre in Ungnade gefallen war, traf in dieser Saison bisher nur ein einziges Mal und fiel zum Saisonbeginn besonders dadurch auf, dass er in ein und demselben Punktspiel gleich zwei Elfmeter verschoss. Ein weiterer Stürmer, der bislang mit Ladehemmungen zu kämpfen hatte, ist Pierre-Alain Frau von Paris Saint-Germain, der sich für einen Neuanfang entschied und kürzlich bei OSC Lille unterschrieb.
Ruhe vor dem Sturm?
Dagegen ist das üblicherweise für seine intensiven
Aktivitäten bekannte englische Transferkarussell derzeit noch nicht
in Schwung gekommen. Der bislang einzig nennenswerte Transfer der
Premier League betrifft den Mexikaner Nery Castillo, der von
Schachtor Donetsk zu Manchester City wechselte. Der mexikanische
Nationalspieler, der bei der jüngsten Copa América als einer der
großen Entdeckungen galt, soll dem Stadtrivalen von
ManU helfen, den bislang erfolgreichen Saisonauftritt der
Citizens möglichst fortzusetzen. Die Bolton Wanderers
vermeldeten ihrerseits den Neuzugang des israelischen
Nationalspielers und Mittelfeldakteurs Tamir Cohen, der bisher bei
Maccabi Netanya unter Vertrag stand. Bei dem 23-Jährigen handelt es
sich um den Sohn von Avi Cohen, der früher als Verteidiger beim FC
Liverpool aktiv war und für Israel drei Länderspiele bestritt.
Was hingegen die großen Traditionsklubs anbelangt, so hat bislang einzig Manchester United am Transferkarussell gedreht. Nachdem die Red Devils zuletzt für die Verpflichtungen einiger hoffnungsvoller Talente wie Nani, Anderson und Carlos Tevez noch Millionensummen investiert hatten, nimmt sich der jüngste Neuzugang in Person des in Europa noch unbekannten Nationalspielers Manucho aus Angola eher bescheiden aus. Der 24-jährige Angreifer, der bislang zehn Treffer für seine Nationalmannschaft erzielte, war in der Meisterschaft seines Landes, wo er bei Petro Atletico Luanda spielte, bereits zwei Mal Torschützenkönig.
Im Übrigen geht der allgemeine Trend zum Jahresbeginn in England eher dahin, dass die spektakulären Transfers wohl noch bevorstehen. Tottenham Hotspur verpflichtete beispielsweise den 18-jährigen Waliser Chris Gunter, während der FC Liverpool und der FC Everton mit dem 16-jährigen Schotten Alex Cooper bzw. den 17-jährigen Engländer Dan Gosling ebenfalls noch sehr junge Spieler rekrutierten. Beim derzeitigen Tabellenführer Arsenal London beschränken sich die Neuzugänge bisher auf den jungen Verteidiger Johan Djourou aus der Schweiz, der zum Saisonbeginn vom FC Birmingham auf Leihbasis in die englische Hauptstadt wechselte und den Coach Arsène Wenger jetzt reaktiveren will, um den Ausfall des Ivorers Kolo Touré während des Afrikanischen Nationen-Pokals in Ghana abzufedern.
Nachdem man in der Sommerpause gnadenlos zugelangt und Riesensummen für Neueinkäufe ausgegeben hatte, halten sich die englischen Klubs bis jetzt also weitestgehend zurück. Dennoch zweifelt wohl niemand ernsthaft daran, dass die finanzstarken Vereine bald erneut größere Summen locker machen werden, um sich noch den einen oder anderen Star zu angeln. Immerhin stehen mit Nicolas Anelka und Dimitar Berbatov schon heute zwei begehrte Topspieler zur Auswahl.
Banega soll es in Valencia richten
Fast identisch stellt sich derzeit die Situation in
Spanien dar, zumal auch dort erst einmal eine Art winterliche Ruhe
Einzug gehalten hat. Von den Spitzenklubs der Primera División
meldet der FC Sevilla den Abgang des deutschen Verteidigers Andreas
Hinkel, der seinen Wechsel zu Celtic Glasgow bekanntgab, nachdem
ihn der starke Brasilianer Daniel Alvès seinen Stammplatz in der
Abwehr der Andalusier streitig gemacht hatte.
Dem FC Valencia, der nach dem vorzeitigen Ausscheiden in der UEFA Champions League in eine Krise stürzte und in der spanischen Meisterschaft aktuell mit 15 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Real Madrid auf einem für seine Verhältnisse unwürdigen siebten Platz rangiert, stehen nach der jüngsten Neuverpflichtung vielleicht schon bald wieder bessere Zeiten ins Haus. Denn der spanische Traditionsklub sicherte sich die Dienste von Ever Banega, einem der neuesten "Produkte" aus der argentinischen Talentschmiede. Der erst 19-jährige Mittelfeldspieler der Boca Juniors wurde nach Valencia geholt, um künftig die Rolle des von Trainer Ronald Koeman ausgemusterten David Albelda auszufüllen.
Aus gesamteuropäischer Sicht scheint der bislang größte Coup Olympiakos Piräus gelungen zu sein. Tatsächlich konnten sich die Griechen mit dem Argentinier und bisherigen Spielmacher von River Plate Fernando Belluschi deutlich verstärken. Unterdessen wechselte der 31-jährige tschechische Nationalspieler Stanislav Vlcek von Slavia Prag zum belgischen Erstligisten RSC Anderlecht, und der früher im offensiven Mittelfeld von AJ Auxerre und Inter Mailand tätige Senegalese Khalilou Fadiga wird in Zukunft für KAA Gent auflaufen.
Von Europa nach Südamerika
Während zahlreiche Transfers von Südamerika nach Europa
stattfinden, kam es bislang eher selten vor, dass Spieler in
entgegen gesetzter Richtung den Verein wechseln. In diesem Jahr
scheint sich dieser Trend jedoch erstmals abzuschwächen. Dafür
steht in erster Linie die Rückkehr des Argentiniers Juan Román
Riquelme zu den Boca Juniors. Nachdem er sich beim FC Villarreal
mit seinem Trainer überworfen hatte, war Riquelme bereits im ersten
Halbjahr 2007 an seinen Heimatklub ausgeliehen worden und gewann
mit ihm prompt die Copa Libertadores. Seit seiner Rückkehr nach
Spanien im Sommer 2007 bestritt er für den FC Villarreal kein
einziges Punktspiel mehr, was ihn jedoch nicht daran hinderte, in
die argentinische Nationalmannschaft berufen zu werden und dort
durch herausragende Leistungen auf sich aufmerksam zu machen.
Mit dem Brasilianer Adriano kehrte ein weiterer Topstar aus Südamerika in seine Heimat zurück. Der Angreifer hofft, im Zuge seiner Ausleihe an den FC São Paulo seine anhaltende Formschwäche, mit der er seit über einem Jahr bei Inter Mailand zu kämpfen hat, endlich überwinden zu können. Im Team des brasilianischen Doppelmeisters wird dem wuchtigen Stürmer vor allem bei der bevorstehenden Copa Libertadores eine wichtige Rolle zukommen, so dass er sich mit entsprechenden Leistungen auch wieder für die brasilianische Seleção empfehlen könnte, für die er in bisher 41 Länderspielen 27 Tore erzielte. "Ich habe mir für das Jahr 2008 viel Gutes vorgenommen, und ich bin fest entschlossen, die verlorene Zeit wieder gutzumachen", so der Torjäger, den bei diesen Worten anlässlich der Bekanntgabe seiner sechsmonatigen Ausleihe die Erleichterung deutlich anzusehen war. In den Stadien seiner Heimat werden sich seine Wege auch mit dem kolumbianischen Nationalspieler Edixon Perea kreuzen, der gleichfalls von einem europäischen Klub (Girondins Bordeaux) nach Brasilien wechselte und fortan für Grêmio Porto Alegre spielen wird.
Zum Abschluss unseres ersten Überblicks über die weltweiten Aktivitäten auf dem Transfermarkt des Jahres 2008 werfen wir noch einen kurzen Blick auf die wichtigsten Ligen in Afrika. Wenige Tage nach dem erfolgreichen Abschneiden bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2007, wo der afrikanische Vertreter Étoile du Sahel Platz vier belegte, verpflichtete der tunesische Klub den jungen Sambier Tembo Fwayo, der bei der jüngsten Auflage des Afrikanischen Nationen-Pokals für Junioren als bester Torschütze aus dem Turnier hervorging. Ein weiterer tunesischer Verein, CS Sfaxien, holte sich mit Guy Lusadisu Basisila einen Nationalspieler aus Kongo DR. Und auch der hauptstädtische Traditionsklub Espérance Tunis verstärkte sich mit dem routinierten brasilianischen Stürmer Carlos Eduardo Ferrari, der bereits für die Glasgow Rangers, Birmingham United und UD Salamanca aktiv war, bevor er zu Cerro Porteño in Paraguay wechselte.
Bis zum 31. Januar wird das Transferkarussell sicher noch volle Fahrt aufnehmen. Denn bis dahin werden alle Vereine noch den einen oder anderen Coup landen wollen. Wenn Sie stets aktuell informiert sein und keinen Transfer verpassen wollen, brauchen Sie nur FIFA.com anzuklicken.

