Der honduranische Angreifer David Suazo spielt ab der kommenden Saison bei Inter Mailand, nachdem der norditalienische Verein nach zähem Ringen den Transferpoker um das Stürmertalent aus Mittelamerika für sich entscheiden konnte. Seine Verpflichtung sichert Inter Mailand Kontinuität in punkto Tore, Teamgeist und Bescheidenheit.
Wie in jedem Jahr sorgten Inter Mailand und der AC Mailand auch
in diesem Sommer für die meist beachteten Schlagzeilen im
italienischen Fussball. In der norditalienischen Metropole, in der
Fussball aus dem Alltag nicht wegzudenken ist und die durch die
klassische Rivalität zwischen den beiden ortsansässigen
Traditionsklubs ganz besonders geprägt ist, beschränkt sich der
ewige Konkurrenzkampf zwischen dem AC und Inter längst nicht mehr
nur auf die stets brisanten Lokalderbys. Vielmehr findet dieser
seit geraumer Zeit auch abseits des Spielfeldes statt.
So auch vor wenigen Wochen, als sich beide Vereine intensiv
um die Verpflichtung eines Stürmers bemühten und damit ihre uralte
Rivalität um ein weiteres Kapitel erweiterten. Bei näherem Hinsehen
zeigte sich, dass das Objekt der Begierde diesmal weder ein
italienischer noch ein französischer oder brasilianischer Profi
war. Denn jener Stürmer, der ganze Seiten der einheimischen Presse
füllte, besitzt einen honduranischen Pass.
Óscar David Suazo, von dem hier die Rede ist, wurde am 5.
November 1979 in San Pedro Sula, der zweitgrößten honduranischen
Stadt nach der Hauptstadt Tegucigalpa, geboren. Da ihm der Fussball
seitens seiner Familie faktisch mit in die Wiege gelegt wurde,
stand für Suazo schon als Kind fest, dass seine Zukunft einmal aufs
Engste mit dem runden Leder verbunden sein würde.
Gene plus Talent
Während Óscar David langsam heranwuchs, machte sein
älterer Bruder Nicolás bereits die ersten Schritte seiner
Fussballkarriere, in deren Verlauf er später zu den besten
Angreifern aller Zeiten des honduranischen Fussballs avancierte.
Kein Wunder also, dass sich der Jüngste der Familie gemeinsam mit
seinem Cousin Maynor Figueroa seinen berühmten Bruder als Vorbild
nahm, um eines Tages in dessen Fußstapfen zu treten. Fortan machten
die beiden Jungs dank einer effizienten Mischung aus Genen und
Nachahmungseffekten sowie mit einem beachtlichen Torinstinkt auf
sich aufmerksam. Es dauerte denn auch nicht lange, bis man das
erfolgreiche Angriffsduo in die Hauptstadt Tegucigalpa holte, damit
es dort in der Jugendmannschaft des Traditionsklubs Olimpia auf
Torejagd gehen konnte.
Als beide das 20. Lebensjahr vollendet hatten, feierte David
bei Olimpia, wo man sein Talent nicht nur erkannt, sondern
zielstrebig weitergefördert hatte, sein Erstligadebüt. Wie nicht
anders zu erwarten, kamen schon bald neue Überraschungen auf den
jungen David zu. Nach gerade mal zehn Pflichtspielen für den
honduranischen Spitzenklub wurde er bereits in die honduranische
U-20-Auswahl berufen, die sich kurz zuvor für die Endrunde der FIFA
Junioren-Weltmeisterschaft Nigeria 1999 qualifiziert hatte. Die
Teilnahme an diesem WM-Turnier hatte entscheidenden Einfluss auf
die weitere Karriere des Nachwuchstalents.
Für die honduranische U-20-Auswahl selbst endete das Turnier
mit einer bitteren Erfahrung und einer Bilanz von drei Niederlagen
in drei Spielen. Dennoch ragte ihr Mittelstürmer dabei wie ein
Leuchtturm aus der Dunkelheit hervor. Als Mannschaftskapitän
erzielte Suazo zwei der insgesamt drei Tore des
mittelamerikanischen Teams. Damit hatte er das Interesse des
uruguayischen Trainers von Cagliari Calcio,
Maestro Óscar Tabárez
, geweckt, der ihn ohne Zögern nach Sardinien holte.
Ein
Panther in Italien
So kam es, dass der erst 20-jährige David Suazo in
ein für ihn fremdes Land wechselte, wo Fussball auf einem ganz
anderen, höheren Niveau als bei ihm zu Hause gespielt wird. Da war
es nur logisch, dass ihm die Anpassung nicht leicht fiel. In 13
Pflichtspielen traf der Angreifer nur ein einziges Mal und musste
mit seiner Mannschaft obendrein noch den schweren Gang in Italiens
Serie B antreten.
Sollte dies bereits sein Ende in Cagliari gewesen sein? Nein,
im Gegenteil: Der Abstieg in die Zweitklassigkeit erwies sich für
den jungen Stürmer eher als ideal, um sich an seine neue Umgebung
zu gewöhnen. In vier Spielzeiten auf Sardinien brachte er es in 123
Pflichtspielen auf insgesamt 40 Treffer. Dank dieser Torausbeute
gaben ihn die Fans in jener Zeit den Spitznamen
La Pantera(der Panther), den er bis heute nicht mehr los wurde.
Inzwischen zählt der Stürmer längst zur Stammformation der
honduranischen Nationalmannschaft. Und obwohl sich Honduras weder
für den FIFA-Weltpokal Korea/Japan 2002™ noch für die FIFA
Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ qualifizieren konnte,
präsentierte sich Suazo bei allen Länderspielen in bestechender
Form und entwickelte sich in der Folge zum derzeit besten
Nationalspieler seiner honduranischen Heimat.
In der Saison 2004/05 schaffte der Torjäger mit Cagliari
Calcio dann den Wiederaufstieg. Für den
Panther war damit die Voraussetzung geschaffen, sich
endlich für sein verpatztes Debüt in der Serie A zu rehabilitieren.
Und genau das gelang ihm auch auf eindrucksvolle Weise! In seiner
ersten kompletten Saison schoss er zunächst sieben Tore, bevor er
in der darauf folgenden Spielzeit förmlich explodierte und sage und
schreibe 23 Treffer erzielte. Dies entsprach der bislang höchsten
Torausbeute in der Klubgeschichte der Sardinier. Ein Erfolg, der
umso mehr wiegt, wenn man berücksichtigt, dass Cagliari Calcio
trotz allem den erneuten Abstieg nicht verhindern konnte.
Seine Treffsicherheit brachte Suazo nicht nur den Titel des
besten ausländischen Spielers der Serie A in der abgelaufenen
Saison ein, sondern weckte gleichzeitig die Begierde seitens der
namhaftesten Klubs der Welt. Ein Jahr später nahm dann die eingangs
erwähnte
Telenovela zwischen Inter und dem AC Mailand ihren Lauf.
Am Ende entschied sich der Topstürmer für den alten und neuen
italienischen Meister, so dass er ab der kommenden Saison im Trikot
der
Nerazzurri auflaufen wird. Auf jeden Fall ist es ein
großer Erfolg für den honduranischen Fussball und für dessen besten
Vertreter im Ausland.
Und auch Inter Mailand kann sich glücklich schätzen, denn mit Suazo konnte man gleich in mehrfacher Hinsicht hinzugewinnen. Zu seinen Pluspunkten zählen seine Schnelligkeit, sein Torinstinkt und sein Durchsetzungsvermögen ebenso wie seine Zuverlässigkeit, seine Bescheidenheit und seine ausgeprägte Fähigkeit, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Lehnen wir uns also zurück und freuen uns auf eine spektakuläre Saison des Panthers.
