Brasilien ist nicht gerade bekannt dafür, viele großartige Abwehrspieler hervorzubringen. Doch zwischen 1989 und 2000 konnte die Seleção auf einen Verteidiger zurückgreifen, der wohl zu den besten seiner Zunft zählt. Der imposante, aber dennoch elegante Aldair Santos do Nascimento, oder einfach nur Aldair, war ein Urgestein in der Verteidigung der brasilianischen Nationalmannschaft, in der er insgesamt 81 Mal zum Einsatz kam. Zu seinen größten Erfolgen zählen der Gewinn der Copa América (zwei Mal), des FIFA Konföderationen-Pokals 1997 und des FIFA Weltpokals ™ 1994 in den USA.

Seine Leistungen in den USA waren mit verantwortlich für den vierten WM-Triumph seiner Mannschaft. Während Romario als bester Spieler des Turniers mit dem Goldenen Ball von adidas ausgezeichnet und Dunga für seine Führungsrolle gelobt wurde, waren es nicht zuletzt Aldairs Defensivleistungen, die den Brasilianern im Halbfinale zu einem 1:0-Erfolg über Schweden verhalfen und auch im Finale gegen Italien, das die Südamerikaner schließlich im Elfmeterschießen für sich entschieden, dafür sorgten, dass die Seleção ohne Gegentreffer blieb.

Doch Aldairs Erfolge beschränkten sich nicht nur auf den internationalen Fussball. Er gewann sowohl in seinem Heimatland als auch in Italien Meistertitel und erreichte zudem mit Benfica Lissabon das Finale des Europapokals der Landesmeister, dem Vorläufer der UEFA Champions League. Ausgerechnet dieser Wettbewerb veranlasste den mittlerweile 41-Jährigen, im Jahr 2004 seinen Rücktritt vom Rücktritt zu erklären. Der legendäre Abwehrrecke bereitet sich auf seine Aufgabe bei SS Murata aus San Marino vor, wenn der Meister des Kleinstaates in Hin- und Rückspiel gegen den finnischen Champion Tampere United antritt. FIFA.com blickt auf Aldairs Karriere zurück und setzt sich mit seiner jüngsten Herausforderung auseinander.

Eine Ikone der Giallorossi
Sein Weg zu Ruhm und Ehren begann 1986 bei Flamengo, wo er die Lücke schließen sollte, die Mozer hinterlassen hatte, und bereits im darauf folgenden Jahr holte er mit O Mengão den Titel in der Copa União. 1989 wechselte Aldair zu Benfica Lissabon, wo er ironischerweise erneut den diesmal zu Olympique Marseille abgewanderten Mozer ersetzen sollte. In seiner einzigen Saison bei Benfica erreichte er mit den Portugiesen sogar das Finale des Europapokals der Landesmeister, dem Vorläufer der UEFA Champions League.

Nachdem er beim FIFA Weltpokal™ Italien 1990 bei Brasilien nur auf der Bank saß, wechselte Aldair schließlich zum AS Rom, wo er eine lange und glückliche Zeit verbrachte. In 13 Spielzeiten in der italienischen Hauptstadt brachte es der Brasilianer auf über 400 Einsätze und spielte sich als Abwehrchef mit seinen genau getimten Tacklings und seinem unermüdlichen Kampfgeist in die Herzen der Giallorossi. Nachdem er 1991 die Coppa Italia in Händen halten durfte, konnte er im Jahr 2001 endlich über den Meistertitel in der Serie A jubeln, womit ihm ein Platz in den Annalen des AS Rom sicher war.

Als der in Ilhéus geborene Abwehrspieler die Roma verließ, erhielt er zahlreiche Anfragen aus der italienischen Serie A, doch er zeigte Loyalität und dachte nicht einmal über diese Angebote nach. "Ich könnte niemals gegen die Roma spielen", erklärte er. "Dieses Trikot ist für mich wie eine zweite Haut." Seine Liebe für diesen Klub wird auch erwidert. Die Roma vergab seit seinem Weggang das von Aldair getragene Trikot mit der Nummer 6 nicht mehr, ähnlich wie bei Luigi Riva, Diego Maradona und Franco Baresi, deren Nummer 11 (Cagliari), Nummer 10 (Neapel) bzw. Nummer 6 (AC Milan) diesen Spielern zu Ehren gesperrt wurden.

Überraschendes Comeback
Der damals 37-Jährige wechselte stattdessen zum FC Genua in die italienische Serie B und beendete nach diesem kurzen Gastspiel in Ligurien seine Karriere, was ihm auch niemand verübeln konnte. Warum also entschied sich der Routinier, seine Fussballschuhe noch einmal anzuziehen und für SS Murata aufzulaufen, nachdem er sich bereits zurückgezogen hatte und den Fussballsport nur mehr beim Beach Soccer praktizierte?

Der Verteidiger verspürte einfach das Verlangen, wieder auf einem richtigen Platz zu stehen; dieses Verlangen wurde nicht zuletzt von der Überzeugungskraft eines Spielers begünstigt, gegen den er in der Serie A bereits des Öfteren gespielt hat. Dieser Spieler ist Massimo Agostini, der im hohen Fussballeralter von 43 Jahren SS Murata noch zum Titelgewinn in San Marino verhalf, womit der "Fussballzwerg" nun zur Teilnahme an der Qualifikation für die UEFA Champions League berechtigt ist. Das letzte kontinentale Abenteuer der Mannschaft endete allerdings mit einem 1:7-Debakel (nach Hin- und Rückspiel) gegen Apoel Nicosia aus Zypern in der ersten Qualifikationsrunde des UEFA-Pokals 2006/07. Nach dieser herben Niederlage wurde Agostini klar, dass er seinen Kumpel überzeugen musste, wieder auf die italienische Halbinsel zurückzukehren.

Aldair spielt zwar nicht neben Zico, Renato Gaucho, Giuseppe Giannini, Romario, Dunga, Cafu, Rivaldo, Roberto Carlos, Gabriel Batistuta, Ronaldo und Francesco Totti, wenn Tampere United am 17. Juli zu Gast in San Marino ist, doch wenn es ihm tatsächlich gelingen sollte, mit SS Murata die erste Qualifikationsrunde der UEFA Champions League zu überstehen, wird er wohl auch in San Marino unsterblich werden.