Nachdem man im vergangenen Jahr wegen des Ligaskandals den italienischen Meistertitel am grünen Tisch zugesprochen bekommen hatte, krönte Inter Mailand die gerade abgelaufene Saison mit einer ausschließlich auf sportlichem Wege errungenen Meisterschaft und stellte dabei alle bisherigen Rekorde in der Serie A in den Schatten.

Die Mannschaft von Trainer Roberto Mancini eilte von Beginn der Saison an von einem Sieg zum anderen und raubte damit der Serie A schon bald jegliche Spannung. Davon zeugt vor allem eine makellose Auswärtsbilanz (15 Siege und vier Remis bei keiner einzigen Niederlage). Damit brachen die Nerazzuri sämtliche Rekorde der vergangenen Jahrzehnte. Dies gilt für die 97 Punkte aus 38 Spielen (sechs Punkte mehr als der FC Turin in der Saison 1946/47) ebenso wie für die Gesamtbilanz von 30 gewonnenen Partien, die einen weiteren Rekord des FC Turin aus der Saison 1947/48 (29 Siege) ablöste.

Außerdem übertraf Inter Mailand auch den bisherigen Rekord von elf Siegen in Folge, der erst in der Vorsaison vom AS Rom aufgestellt worden war. Inter Mailand gewann in dieser Spielzeit sage und schreibe 17 Meisterschaftsspiele in Serie und erzielte in den letzten 89 Heimspielen stets mindestens einen Treffer.Darüber hinaus kann sich Vereinspräsident Massimo Moratti über eine durchschnittliche Ausbeute von 2,55 Punkten pro Spiel freuen, mit der Inter Mailand vor Manchester United (2,34), Olympique Lyon (2,13) und dem VfB Stuttgart (2,06) rangiert, die in den weiteren Topligen Europas den Meistertitel holten.

Im Übrigen führten die zu Beginn der Saison verhängten Punktabzüge dazu, dass sich gleich mehrere Außenseiter im unmittelbaren Gefolge von Inter Mailand etablieren konnten. Andererseits schafften es sowohl die beiden Hauptstadtklubs (AS Rom und Lazio Rom) als auch AC Mailand, sich am Ende noch einen Startplatz in der UEFA Champions League zu sichern. Dagegen musste sich der mit 15 Strafpunkten belegte AC Florenz trotz einer guten Saison mit der Teilnahme am UEFA-Pokal begnügen. Bei seinem neuen Anlauf in der kommenden Spielzeit muss der toskanische Traditionsverein zudem den Weggang von Luca Toni verkraften, der in seinen bislang 71 Partien in der Serie A insgesamt 49 Tore erzielte. Inzwischen ist der Wechsel des Torjägers zum FC Bayern München perfekt.

Parma und Siena schaffen das Wunder
Auch wenn die Tabellenführung nur für kurze Zeit umkämpft war, der Kampf gegen den drohenden Abstieg im unteren Tabellendrittel war dafür umso härter und intensiver. Für den FC Parma, einen der führenden Klubs vergangener Jahre, kommt Rang 12 in der Abschlusstabelle als beste Platzierung dieser Saison schon einem kleinen Wunder gleich, zumal man sich nach 21 Spieltagen noch in der Abstiegszone befunden hatte.

Für den größten Spannungseffekt sorgte indes der AC Siena, dessen Fans bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt bangen mussten. Denn gegen Lazio Rom gelang erst in der 85. Spielminute das erlösende Siegtor zum 2:1. Der späte Treffer von Paolo Negro sicherte dem FC Siena den Verbleib in Italiens höchster Spielklasse, während Chievo Verona den schweren Gang in die Serie B antreten muss. Nach nunmehr sechs Spielzeiten in der Serie A (2001-2007) war damit der Abstieg der Mannschaft aus einem nur 2.430 Einwohner zählenden Stadtteil von Verona (bei 4.732 zahlenden Mitgliedern!) ebenso besiegelt wie für Ascoli Calcio und den FC Messina, wobei die Veroneser mit einem Absturz von Rang 4 in der Vorsaison auf Platz 18 in diesem Jahr den wohl größten Qualitätsverlust hinnehmen mussten.

Totti - der König unter Italiens Torjägern
Jüngst wurden in der Serie A einige Stimmen laut, wonach die große Anzahl ausländischer Akteure bei italienischen Spitzenklubs die Entfaltung der einheimischen Spieler beeinträchtigen würde. Bei Inter Mailand zum Beispiel finden sich unter den 34 Profis nicht weniger als 25 Ausländer aus zehn Nationen. Allein ein Blick auf die Torschützenliste macht indes deutlich, dass eine solche Kritik aus der Luft gegriffen scheint. Denn dort finden sich auf den ersten sieben Plätzen ausschließlich italienische Spieler.

Als erster Ausländer rangiert auf Platz 8 der Rumäne Adrian Mutu vom AC Florenz (16 Tore in 33 Partien). Auch sei an dieser Stelle auf die beachtliche Leistung der beiden Torjäger von Reggina Calcio, Rolando Bianchi (18 Jahre) und Nicola Amoruso (17 Jahre) verwiesen, die beide zusammen 35 der insgesamt 52 Treffer ihrer Mannschaft erzielten!

Der absolute Topstar dieser Saison ist jedoch zweifellos Francesco Totti vom AS Rom, der mit seinen 26 Treffern souverän Torschützenkönig wurde. Mit durchschnittlich einem Treffer pro 116 Minuten übertraf er zudem den Rekord (24 Tore) von Andriy Shevchenko aus der Saison 2003/04. Totti, der sich eine einjährige Auszeit von der italienischen Nationalmannschaft genommen hatte, um sich gezielt in seiner Rolle als Sturmspitze weiterzuentwickeln, kann jetzt auf eine Gesamtbilanz von 151 Toren in der Serie A und 202 Treffern aus sämtlichen Pflichtspielen verweisen. Den letzten Platz in der Torschützenliste belegt Edelreservist Christian Vieri, der in gerade mal sieben Einsätzen bei Atlanta Bergamo zwei Treffer erzielte und dafür die stattliche Summe von 200.000 Euro kassierte. Hintergrund ist ein Vorschlag des früheren Stars vom AS Monaco, wonach er in Bergamo ein leistungsbezogenes Gehalt bezieht.

Insgesamt haben die Italiener in der Serie A 68% aller Treffer erzielt und liegen damit weit vor den Brasilianern (6,8%) und den Argentiniern (4,7%). Dies belegt, dass der italienische Fussball über ein solides Reservoir verfügt und von daher optimistisch in die Zukunft blicken kann. Wirklich überraschend ist das indes nicht! Schließlich ist Italien ja Fussball-Weltmeister...