Als die Profis von Schalke 04 bei ihrer Rückkehr in die UEFA Champions League verpätet auf dem Athener Flughafen landeten, blieben sie weitgehend unbeachtet. Die meisten Blicke zog noch ein 20-Jähriger auf sich - der griechische Nationalspieler Kiriakos Papadopoulos, kaum eine Sportzeitung verzichtete auf sein Foto. "Es ist schön, in meine Heimat zurückzukehren. Aber es ist auch ein gemischtes Gefühl, weil ich komme, um die Punkte mitzunehmen", sagte der Abwehrspieler vor dem Duell mit seinem Ex-Klub Olympiakos Piräus am Dienstag (20:45 Uhr).
Wie sich die Zeiten ändern: Als die Gelsenkirchener vor anderthalb Jahren die Königsklasse aufmischten und bis ins Halbfinale stürmten, drehte sich - egal wo sie auftauchten - alles um Raúl. "Seine Erfahrung wird uns fehlen", sagte Manager Horst Heldt dem Sport-Informations-Dienst (SID), "jetzt müssen sich andere darauf besinnen, dass sie in ihren Nationalmannschaften schon oft international gespielt haben."
Der spanische Superstar, Rekordtorschütze und Rekordspieler der Champions League, kickt inzwischen in Katar. Die Schalker sind dagegen zum fünften Mal seit 2001 in der Königsklasse. "Wir sind mittlerweile Stammgast", sagte Heldt, "und wollen es auch bleiben."
Statt des 35-jährigen Raúl sollen nun die Jungen wie Papadopoulos, für den der russische Meister Zenit St. Petersburg 20 Millionen Euro geboten hatte, die königsblaue Erfolgsgeschichte in der Champions League fortsetzen. Seit dem Vorrunden-Aus bei der Premiere 2001 steigerten sich die Gelsenkirchener bei jeder Teilnahme - bis ins Halbfinale 2011. "Das war der Wahnsinn", sagte Heldt, "so etwas ist nicht selbstverständlich."
Zunächst soll die Gruppe B mit dem griechischen Meister Piräus, dem französischen Champion HSC Montpellier und dem Top-Favoriten FC Arsenal "überstanden werden". "Drei Teams spielen um den zweiten Platz", sagte Heldt, "da ist es wichtig, sich eine gute Ausgangssituation zu schaffen."
Keine leichte Aufgabe: Seit fast 30 Jahren, seit dem 4:0 des Hamburger SV am 3. November 1982, hat kein deutscher Klub mehr ein Europacupspiel in Piräus gewonnen, zuletzt gab es vier deutliche Niederlagen. Wie schwierig das Unterfangen im Georgios-Karaiskaki-Stadion wird, weiß keiner besser als Papadopoulos. "Uns erwartet ein sehr heißblütiges Publikum und eine sehr gute Mannschaft. Es wird definitiv ein heißer Tanz", sagte der Innenverteidiger, der von 2007 bis 2010 für Olympiakos spielte.
Ganz so heiß wie vor einem Jahr für Borussia Dortmund soll es für die Schalker jedoch nicht werden. Der deutsche Meister ging 1:3 unter, sein Gastspiel wurde von schweren Krawallen im Zuge der Euro-Krise überschattet. "Wir kommen, um Fussball zu spielen und nicht um politische Diskussionen zu führen", betonte Heldt, der keine anti-deutsche Stimmung befürchtet: "Wir stehen mit den Verantwortlichen im Austausch. Uns sind keine Probleme berichtet worden."
Sportliche Probleme hat Schalke bislang auch nicht. Der Bundesliga-Start ist mit sieben Punkten aus drei Spielen gelungen, an die Stelle von Raúl ist "Draxby" gerückt - das Duo Julian Draxler und Lewis Holtby, das zusammen gerade einmal vier Jahre älter ist als der Spanier. Und mit Ibrahim Afellay, der Leihgabe des FC Barcelona, gab am Samstag beim 2:0 beim Neuling SpVgg Greuther Fürth ein weiterer Teil des kollektiven Raúl-Ersatzes sein Startelf-Debüt.
Nun hat Trainer Huub Stevens sogar ein Luxusproblem. Der Peruaner Jefferson Farfán, der in Fürth nach seiner Länderspielreise in Südamerika zunächst auf der Bank saß, drängt in die Anfangsformation. Einer der Offensivkräfte muss daher weichen.
