Die nordamerikanische Major League Soccer (MLS) erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Nachdem ehemalige Topstars wie David Beckham oder Thierry Henry den Weg ins "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" gefunden haben, folgte ihnen im Sommer 2011 der deutsche Ex-Nationalspieler Torsten Frings, der bei Toronto FC anheuerte, um nach 14 Jahren in der Bundesliga ein neues Abenteuer anzugehen. Er hat es nicht bereut.
Rund ein Jahr später fällt seine Bilanz positiv aus, auch wenn der aktuell letzte Platz in der Eastern Conference den Ansprüchen des zweimaligen WM-Teilnehmers nicht genügt. 17 Punkte trennen Frings' Klub vom letzten Playoff-Platz, den derzeit DC United einnimmt. In 24 Partien konnte Toronto nur fünf Siege feiern und hatte 14 Mal das Nachsehen. Für Torontos Kapitän trotzdem kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.
"Persönlich fühle ich mich wohl. Sportlich war das Erreichen des Champions-League-Halbfinales [Anm.d.Red.: in der vergangenen Saison] ein großer Erfolg für den Verein. Leider ist der diesjährige Saisonstart während meiner Verletzungspause völlig missglückt. Der Rückstand auf die Playoffs ist zwar eigentlich fast unmöglich, aber wir geben nicht auf, solange es noch eine theoretische Chance gibt", zeigte sich Frings im Gespräch mit FIFA.com gewohnt kämpferisch.
Der amtierende kanadische Meister konnte immerhin auf internationaler Ebene an die Erfolge aus dem Vorjahr anknüpfen. Im ersten Spiel der Gruppenphase der CONCACAF Champions League 2012/13 gelang Frings und Co. ein deutlicher 5:1-Erfolg gegen den salvadorianischen Klub CD Águila. Am 28. August kommt es dann zum Duell gegen den mexikanischen Staffelfavoriten Santos Laguna.
Dem Fussball treu bleiben
Für den 35 Jahre alten Frings ist die Königsklasse der Nord-, Mittelamerika-, und Karibik-Zone eine der letzten Chancen auf einen internationalen Titel. Der Vertrag des Mittelfeldspielers läuft Ende 2013 aus, und ob der 1,82-Meter-Mann mit dann 37 Lenze noch ein Jahr in Kanada oder bei einem anderen Klub dranhängt, steht in den Sternen.
"Eigentlich sollte dies meine letzte Station vor der Rückkehr nach Bremen sein, denn es gefällt mir hier nach wie vor super. Dem Fussball bleibe ich natürlich verbunden. Es ist kein Geheimnis, dass ich mir vorstellen könnte, im Anschluss in Bremen in die Trainerarbeit mit dem Nachwuchs zu gehen, um so mein Wissen und meine Erfahrung an die Jungen weiterzugeben", blickte der ehemalige Akteur von Borussia Dortmund, Werder Bremen und Bayern München nach vorne.
Nie den Respekt verlieren
Der 79-malige Internationale wird also auch in Zukunft dem runden Leder treu bleiben und der Jugend nicht nur sein fussballerisches Talent an die Hand geben. Frings, Fan von großen Autos und auffälligen Tätowierungen, war schon immer ein Mann offener Worte und sieht darin auch einen Teil des Erfolgsgeheimnisses bei seinen bisherigen Stationen.
"Ich bereue nicht, dass ich stets eine eigene Meinung hatte und diese auch vertreten habe. Vielleicht wäre es für mich persönlich manchmal förderlicher gewesen, wenn ich mich mehr zurückzuhalten hätte. Doch habe ich alles stets im Sinne des Erfolges und der Mannschaft gesehen. Wichtig ist jedoch, auch bei Meinungsverschiedenheiten stets den Respekt vor anderen zu haben", erklärte Frings seine Philosophie auf und neben dem Platz.
Der Vater zweier Töchter hat es mit seiner Einstellung jedenfalls weit gebracht. Neben einer Meisterschaft mit den Bayern gewann Frings drei Mal den DFB-Pokal und wurde mit der Nationalmannschaft Vize-Weltmeister 2002, WM-Dritter 2006 sowie Vize-Europameister 2008. Es ist somit keine Überraschung, dass er die DFB-Auswahl aus der Ferne weiterhin ganz genau beobachtet und weiß, wovon er spricht.
"Die Mannschaft spielt einen schönen Fussball und hat so viele Talente in einer Generation, wie nie zuvor. Der unbedingte und absolute Wille zum Sieg ist Kopfsache. Bayern München hat sich nicht umsonst Matthias Sammer geholt. Der verkörpert das und hat mit seinen U-Teams beim DFB bewiesen, was gehen kann, wenn man alles dem Erfolg unterordnet", so Frings zur aktuellen Diskussion möglicher fehlender Siegertypen in der deutschen Nationalmannschaft.
Für die FIFA WM 2014™ sieht der Lutscher, wie Frings' Spitzname lautet, das deutsche Team trotzdem gewappnet. "Natürlich wird Brasilien als Heimmannschaft alles tun, um den Titel im Land zu behalten. Es sind noch zwei Jahre, da kann noch viel passieren. Unser Team ist aber auch auf einem guten Weg", sagte er abschließend.
