Wenn man die letzte Spielzeit in der österreichischen Bundesliga Revue passieren lässt, dann kommt man an einer Mannschaft nicht vorbei. Dabei handelt es sich keineswegs um Meister Red Bull Salzburg, sondern um einen kleinen Verein aus Niederösterreich mit dem Namen FC Admira Wacker Mödling. Der Aufsteiger spielte eine sensationelle Saison, stand mehrere Spieltage an der Spitze und belegte am Ende Rang drei, der dem Team einen Startplatz im Europacup bescherte.

Großen Anteil an diesem Erfolg hat Dietmar Kühbauer. Seit April 2010 betreut der ehemalige österreichische Nationalspieler die Kampfmannschaft Admiras. Seine erste Trainersaison krönte er mit dem Meistertitel in der ersten Liga und dem damit verbundenen Aufstieg in die Bundesliga. Dass Admira seinen Höhenflug auch dort fortsetzen konnte, ist bekannt, und auch in dieser Saison scheint das Team nahtlos an diesem Erfolgskurs anzuschließen. Zwei Siege und eine Niederlage, so lautet die Bilanz nach drei Partien.

"Die zweite Saison ist oftmals schwieriger. Jeder Gegner kennt einen, und man wird nicht mehr so leicht genommen, wie in der Saison davor. Der persönliche Druck steigt, die Erwartungshaltung im Club ist höher und auch die der Fans und Zuschauer. Damit steigt auch der psychische Druck der Spieler", wagt Kühbauer im exklusiven Interview mit FIFA.com einen Ausblick auf die neue Spielzeit.

Die Mischung macht’s
"Von meiner Seite aus ist es so, dass wir eine gute Saison spielen wollen. Aber das muss nicht gleich bedeuten, dass wir wieder den Europapokal schaffen. Das wäre vermessen zu sagen, da wir ein kleines Budget haben und andere Clubs weit über uns stehen. Unser Ziel ist, dass wir wieder nach oben schielen und am Ende vielleicht Platz fünf schaffen könnten. Das wäre eine gute Sache. Aber ich würde mich nicht dagegen wehren, wenn es wieder funktionieren würde", fasst er das angepeilte Ziel zusammen.

Mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal 24 Jahren verfügt Admira über einen der jüngsten Kader in der Bundesliga, der nur über wenig internationale Erfahrung verfügt. Spieler wie Patrik Jezek oder Gernot Plassnegger spielen mit einem Alter von über 30 Jahren deshalb eine besonders wichtige Rolle für Kühbauer.

"Alt bedeutet nicht immer, dass sie Erfahrung mitbringen. Sie sind charakterlich sehr stark und sehr gut im Umgang mit den jungen Spielern. Das ist schon ein riesiges Plus für uns. Sie helfen den jungen Spielern und haben die nötige Qualität, dem Spiel einen Stempel aufzudrücken. Die Mischung macht es aus. Bei uns haut das einwandfrei hin, und das soll auch noch lange so bleiben", fasst er die besondere Stellung dieser Akteure zusammen.

Ein Fan der deutschen Bundesliga
Eine Rolle, die Kühbauer selbst gut kennt. Als Aktiver schnürte er unter anderem für Admira, Rapid Wien, Real Sociedad und den VfL Wolfsburg seine Fussballschuhe. Es ist also wenig verwunderlich, dass er die deutsche Bundesliga aufmerksam verfolgt und beobachtet.

"Natürlich ist die deutsche Liga sehr interessant. Es spielen sehr viele Österreicher dort und auch eine gute Rolle dabei. Es wäre unproduktiv, wenn ich als Österreicher die deutsche Liga nicht schauen würde. Vor allem wenn sie boomt und sie wirklich guten Fussball spielen, siehe Dortmund. Ich bin nach wie vor ein Fan der deutschen Bundesliga", so der ehemalige Bundesliga-Spieler.

Für die Nationalmannschaft kam Kühbauer in 55 Partien zum Einsatz und nahm 1998 an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft in Frankreich teil. 14 Jahre später kämpft die aktuelle Auswahl Österreichs in der Gruppe C neben Deutschland, Schweden, Republik Irland, Färöer und Kasachstan um die Qualifikation für die Endrunde 2014 in Brasilien.

Österreich auf einem guten Weg
"Über die Deutschen brauchen wir nicht viel zu reden. Da muss schon alles zusammenbrechen, damit sie sich nicht qualifizieren. Sie haben einfach die besten Spieler, das hat man ja gerade wieder gesehen. Ich glaube trotz allem, dass es durchaus möglich ist, dass wir den zweiten Platz erreichen können. Wenn wir uns so präsentieren, wie wir es teilweise schon gemacht haben und alles gut läuft. Ich glaube zu 100 Prozent an diese Mannschaft."

Auf dem Weg zur WM in Brasilien kann Nationalcoach Marcel Koller dabei voll und ganz auf die Unterstützung Kühbauers setzten "Das Amt des Nationaltrainers ist das schwierigste Amt, das man als Trainer übernehmen kann. Man hat acht Millionen Teamchefs in Österreich, die es nach dem Spiel meistens besser gewusst haben, als der Trainer selbst", findet der sympathische Österreicher.

"Er ist auf einem sehr guten Weg mit dieser Mannschaft. Was ich bemerkt habe ist, dass er sehr kommunikativ ist mit den Trainern. Wir haben immer einen Austausch. Deshalb bekommt er von mir - und auch den anderen Trainern - die notwenige Unterstützung, um irgendwann gemeinsam das Ziel zu erreichen wieder zu einer Endrunde zu fahren", führt er weiter aus.

Nächste Station: Prag
Die Konzentration Kühbauers gilt jedoch voll und ganz seiner Admira und den Partien in der Bundesliga und der Qualifikation für die UEFA Europa League. Dort kassierte man in der dritten Qualifikationsrunde zuletzt allerdings eine 0:2-Niederlage gegen Sparta Prag.

Am Donnerstag steht nun das Rückspiel auf auswärtigem Boden an, und die Ausgangsposition ist denkbar schlecht für die Elf des 41-Jährigen. Aber wie die Partie zwischen dem FC Düdelingen und Red Bull Salzburg eindrucksvoll gezeigt hat [Anm. d. Red.:  der Amateurverein aus Luxemburg warf Salzburg aus der UEFA Champions League]: Im Fussball ist alles möglich und der FC Admira Wacker Mödling hat in den letzten Monaten immer wieder für Überraschungen gesorgt.