Matthias Sammer bequem zu nennen, wäre eine völlige Untertreibung. Schon als Spieler polarisierte der heute 44-Jährige. Seine Spitznamen "Motzki" und "Feuerkopf" kommen nicht von ungefähr. Von seiner roten Haarpracht ist zwar nicht mehr viel übrig, seine forsche und geradlinige Art, die ab und an auch stur sein kann, hat der gebürtige Dresdner aber bis jetzt beibehalten.
Und genau deshalb ist Sammer einer, der ganz nach dem Geschmack von Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß kommt. Er soll für eine positive Streitkultur im Verein sorgen, wieder Emotionen wecken. Der neue Sport-Vorstand des FC Bayern könnte auch die neue "Abteilung Attacke" des Rekordmeisters werden. Er scheut wie Hoeneß im Dienste der Sache keine Konflikte und vertritt offen seine Meinung, auch wenn diese nicht immer gut ankommt. Aber es war noch nie die Intention des früheren Dortmunders, "everbodys darling" zu sein.
Vielmehr ist Sammer ein Macher, einer der Probleme erkennt und versucht, diese auf möglichst geradem Wege zu beheben - selbst wenn er sich auf diesem Weg mit einem Joachim Löw oder Oliver Bierhoff anlegen muss. Als Sportdirektor hat er dem Nachwuchsbereich des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) so konsequent eine Struktur und Strategie verpasst, die längst Anerkennung gefunden hat. Die EM-Titel mit der U-21, der U-19 und U-17 sind nur ein äußeres Zeichen dafür.
Schon als Spieler war Sammer unbequem, einer vom Schlag eines Paul Breitner oder eines Stefan Effenberg, einer, der auf Erfolg geeicht war. Höhepunkte seiner Karriere, die er im Oktober 1997 wegen einer bakteriellen Infektion im Knie beenden musste, waren der EM-Titel 1996, der Champions-League-Triumph mit Dortmund 1997, fünf Meistertitel und die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres 1996 sowie zweimal zu Deutschlands Fussballer des Jahres (1995 und 1996).
Eine Saison mit drei zweiten Plätzen, wie sie der FC Bayern zuletzt erleben musste, wäre für Sammer deshalb ein Graus. "Wenn ich am Ende als Nummer eins dastehe, können mich die Leute auch Arschloch rufen", hat er einmal gesagt.
Um nach ganz oben zu kommen, erwartet der Familienvater (drei Kinder), der seit 2005 in Grünwald vor den Toren Münchens lebt, in erster Linie eine Top-Einstellung von den Spielern. Die Sehnsucht nach Erfolg müsse Ehrgeiz wecken. "Mir nutzen keine Spieler, die athletisch, technisch und taktisch top ausgebildet sind, aber eine Verlierermentalität in sich tragen", sagte er zuletzt und verkörpert damit genau dieses "Mia san mia", das sich der FC Bayern seit Jahren auf die Fahne schreibt.
Auch ein weiterer Satz, den Sammer kurz vor der UEFA EURO geäußert hatte, dürfte einem wie Hoeneß gefallen: "Wenn man alle Spieler und Mannschaften analysiert, die zuletzt erfolgreich waren - sie hatten immer Leadertypen im Team, klare Strukturen, eine gute Mischung zwischen Führungs- und Teamspielern und Individualisten." Sammer selbst war so ein Leader, den Hoeneß gerade beim verlorenem "Finale dahoam" so vermisst hatte.
Diese Mentalität hatte der Fussballlehrer auch in seiner Phase als Trainer an die Profis weitergegeben. 2002 war er mit Dortmund Meister geworden. Dass er noch einmal als Coach arbeitet, schloss er jedoch aus: "Ich habe überhaupt kein Interesse daran." Sein Interesse ist vielmehr, den Bayern wieder ihr berühmtes Sieger-Gen zurückzugeben - und wer könnte das derzeit besser, als ein früherer Dortmunder...
Sammer neuer Leiter der "Abteilung Attacke"
(SID) Dienstag 3. Juli 2012
