In den meisten großen Ligen ist der Sommer-Transfermarkt bereits in vollem Gange. Davon zeugen nicht zuletzt die zahlreichen Vereinswechsel, die in den vergangenen Wochen bekannt wurden und inzwischen als offiziell gelten.
Angesichts der zurzeit laufenden Qualifikationsspiele für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™ und der UEFA EURO 2012 ist das aktuelle Geschehen sicher derart in den Vordergrund gerückt, dass Sie vielleicht den einen oder anderen Transfer rund um den Globus noch gar nicht wahrgenommen haben. Verpasst haben sie dennoch nichts! Denn es gibt FIFA.com, das Ihnen die wichtigsten Transfers der letzten beiden Wochen nachreicht.
Beginnen wir mit dem frisch gebackenen Gewinner der UEFA Champions League, dem jetzt die Verpflichtung eines Spielers gelang, den die beiden Traditionsklubs aus Manchester sowie mehrere große italienische und spanische Vereine schon seit zwei Jahren im Visier haben. Die Rede ist von Eden Hazard, der 2011 mit OSC Lille das Double aus Meisterschaft und Pokal gewann und zuletzt zwei Mal in Folge zum besten Spieler der französischen Ligue 1 gewählt wurde. "Warum nun gerade der FC Chelsea? Weil ich nach England wollte", so der offensive Mittelfeldakteur und belgische Nationalspieler. "Es gab ein zähes Ringen zwischen den Londonern und Manchester United. Ich denke, dass der FC Chelsea mir einfach die bessere Perspektive bietet. Mein vorrangiges Ziel war und ist es, so viel wie möglich zu spielen. Und genau dafür bestehen meines Erachtens in London die größeren Chancen. Der FC Chelsea zählt zu den führenden Klubs der Premier League, und wenn ich gut spiele, werde ich mich dort auch als Stammspieler durchsetzen können."
Auch wenn sie im Rennen um den talentierten Belgier am Ende das Nachsehen hatten, mit der Verpflichtung des Japaners Shinji Kagawa, der mit Borussia Dortmund 2011 und 2012 deutscher Meister wurde und an den jüngsten Erfolgen der Borussen entscheidenden Anteil hatte, haben die Red Devils inzwischen einen zumindest ebenbürtigen Ersatz gefunden. Weitere Abgänge bei den Dortmundern sind der U.S.-amerikanische Stürmer Terrence Boyd sowie Torhüter Johannes Focher, die sich beide aufgrund ihrer Reservistenrolle oder ihres Einsatzes in der B-Mannschaft für einen Wechsel nach Österreich entschieden haben, um fortan für Rapid Wien bzw. Sturm Graz zu spielen.
Beim deutschen Vizemeister Bayern München stand zunächst das Bemühen um einen Ersatz für Mario Gomez im Vordergrund. Und mit der Verpflichtung von Claudio Pizarro landeten die Bayern gleich einen dreifachen Coup. Zum einen ist der Vertrag des Peruaners bei Werder Bremen zum Saisonende ausgelaufen, zum anderen ist ihm der Klub des deutschen Rekordmeisters bereits bestens bekannt, zumal er dort von 2001 bis 2007 schon einmal unter Vertrag gestanden hatte. Und vor allem ist Pizarro mittlerweile der erfolgreichste ausländische Torjäger in der Geschichte der Bundesliga.
Der VfL Wolfsburg verstärkte seine Offensive mit dem Niederländer Bas Dost, der letztes Jahr im Trikot des SC Heerenveen mit 32 Saisontreffern die Torschützenkrone der Eredivisie geholt hatte. Bei seinem neuen Klub wird er künftig an der Seite des tschechischen Nationalspielers Václav Pilař auflaufen, der von Viktoria Plzeň in die VW-Stadt wechselte und bei der laufenden UEFA EURO 2012 sowohl in der Auftaktpartie seiner Mannschaft gegen Russland als auch im zweiten Gruppenspiel gegen Griechenland einen Treffer erzielte. Aufsteiger Fortuna Düsseldorf schließlich holte mit dem südkoreanischen Nationalverteidiger Cha Du-Ri, der zuletzt zwei Spielzeiten für Celtic Glasgow aktiv war, einen bundesligaerfahrenen Spieler nach Deutschland zurück, wo der Sohn des früheren Bundesliga-Stars Cha Bum-kun zuvor acht Jahre für verschiedene Klubs gespielt hatte.
Eine völlig neue Herausforderung fand dagegen der Niederländer Dirk Kuyt, der seit seinem Wechsel zum FC Liverpool im Jahr 2006 Tore wie am Fließband schoss und deshalb zum Idol der Liverpooler Fans geworden war. Nun hofft Kuyt darauf, dass ihm das Gleiche auch bei den heißblütigen Fans von Fenerbahçe Istanbul gelingen wird. Leider wird er dabei nicht auf die präzisen Zuspiele von Emre Belözoğlu bauen können, der vom Bosporus zu Atlético Madrid wechselte, um die dortige Angriffsreihe zu verstärken. Zu Letzterer zählt fortan auch Cristian Rodríguez aus Uruguay, der sich nach einem fünfjährigen Engagement in Portugal, wo er erst bei Benfica Lissabon und danach beim FC Porto unter Vertrag stand, zu einem Wechsel in die spanische Hauptstadt entschloss.
Sein Landsmann Gonzalo Chori Castro, der mit Nacional Montevideo drei Mal uruguayischer Meister wurde und seit 2007 das Trikot des RCD Mallorca trug, unterschrieb einen Vierjahresvertrag bei Real Sociedad San Sebastián, wo er die von Mittelfeldspieler Mikel Aranburu hinterlassene Lücke schließen helfen soll. Dieser hat seine Karriere nach 15 Spielzeiten für den baskischen Klub beendet. Der Mexikaner Andrés Guardado, der zuletzt "nur" fünf Jahre bei Deportivo La Coruña unter Vertrag stand, verließ die nordspanische Hafenstadt, um künftig für den FC Valencia aufzulaufen. Dafür brach der niederländische Abwehrspieler Hedwiges Maduro seine Zelte in Valencia ab, um beim Ligakonkurrenten FC Sevilla zu unterschreiben.
In Frankreich sorgte der OSC Lille nicht nur mit mehreren Abgängen, sondern auch mit einigen Neuzugängen für Gesprächsstoff. Aufmerksamkeit erregte besonders die Verpflichtung des offensiven Mittelfeldspielers Marvin Martin (bisher FC Sochaux), der die französischen Nationalfarben zurzeit mit den Bleus in Polen und der Ukraine vertritt. Während sich andere Klubs wie Paris Saint-Germain bislang noch zurückhalten, waren es vor allem die Aufsteiger in die Ligue 1, die bereits auf dem Transfermarkt aktiv wurden. So sicherte sich der ES Troyes AC erneut die Dienste des inzwischen 35-jährigen Routiniers Benjamin Nivet, der bereits zwischen 2002 und 2007 für den Klub in der Champagne gespielt hatte, bevor er für fünf Jahre zu SM Caen wechselte. Überhaupt hat sich in dieser Region in jüngster Zeit einiges auf dem Transfermarkt getan. Dies wird auch am Beispiel des ebenfalls aufgestiegenen Stade Reims deutlich, das mit dem defensiven Mittelfeldakteur und polnischen Nationalspieler Grzegorz Krychowiak (bisher Girondins Bordeaux) und dem malischen Innenverteidiger Mohamed Fofana (vom FC Toulouse) gleich zwei Neuzugänge vermeldete.
Mit dem Kameruner Dany Nounkeu weckte ein weiterer Verteidiger vom afrikanischen Kontinent das Interesse der Klubverantwortlichen von Galatasaray Istanbul, die ihn vor wenigen Tagen unter Vertrag nahmen. Er hatte bis 2010 ebenfalls beim FC Toulouse unter Vertrag gestanden und danach beim türkischen Erstligisten Gaziantepspor mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Der brasilianische Angreifer Bobô, Ex-Profi beim Stadtrivalen Beşiktaş Istanbul, kehrte nach einem kurzen Gastspiel in seiner Heimat, wo er zehn Pflichtspiele für Cruzeiro Belo Horizonte bestritt, wieder in die Türkei zurück, um künftig für Kayserispor zu stürmen. Dies bedeutet, dass er bei den bevorstehenden Derbys zwischen Cruzeiro Belo Horizonte und Atlético Mineiro nicht mehr dabei sein wird.
Dafür wird ab sofort Ronaldinho, der nach der Auflösung seines Vertrags mit Flamengo Rio de Janeiro bei Atlético Mineiro unterschrieb, mit von der Partie sein. "Ich freue mich sehr, dass ich jetzt das machen kann, was ich gerne tue, und dabei das Gefühl habe, für eine Mannschaft wichtig zu sein", so der Weltmeister von 2002 nach seinem ersten Pflichtspieleinsatz für seinen neuen Verein. "Ich habe ein Team gefunden, das mich mit offenen Armen empfangen hat. Auch wenn der Klub seit längerer Zeit keinen großen Titel mehr gewonnen hat, die Zuschauer hier sind dennoch voller Leidenschaft und sehr warmherzig. Das hat mich wirklich berührt. Ich bin einfach glücklich, und das werde ich auch auf dem Platz zum Ausdruck bringen."
In den kommenden Wochen wird auf dem Transfermarkt noch einiges in Bewegung geraten. Dabei wird es vor allem hinter den Kulissen heiß hergehen, und Spieler und Vereine werden weniger auf dem Spielfeld, sondern vielmehr beim Verhandlungspoker und bei Vertragsunterzeichnungen aktiv sein.
