Rodney Marsh und Stan Bowles sind Vereinslegenden des englischen Klubs Queens Park Rangers, aber auch der talentierte Marokkaner Adel Taarabt ist auf dem besten Wege, zu einem Helden der Fans zu werden. Seit drei Jahren bereitet der talentierte Mittelfeldakteur den Anhängern der Hoops mit seinen Toren, Pässen und außergewöhnlichen Dribblings große Freude. Nach glänzenden Auftritten in der vergangenen Spielzeit schien er zu Beginn dieser Saison, noch seine Form zu suchen. Inzwischen brilliert er wieder – genau zum richtigen Zeitpunkt.

"Es stimmt, dass mein Saisonstart nicht gut war. Ich stand kurz davor, transferiert zu werden, doch am Ende kam es nicht zustande", erzählte der in Fez geborene Taarabt im Gespräch mit FIFA.com. "Aber auch wenn ich mich immer weiter verbessern kann: Heute kann ich sagen, dass ich 'zurück' bin. Ich habe gegen Tottenham und gegen Arsenal getroffen und ich habe insgesamt das Gefühl, dass meine Leistungen seit einigen Spielen besser sind."

Taarabt ist ein Akteur mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Mit seinen 19 Treffern und 16 Torvorlagen hatte er in der letzten Spielzeit wesentlichen Anteil am Aufstieg der Queens Park Rangers in die Premier League. Sein Trainer Nick Warnock machte anschließend keinen Hehl aus seinem Wunsch, den Publikumsliebling an der Loftus Road zu halten. "Es ist ein fantastischer Erfolg für den Klub, dass es ihnen gelungen ist, ihn an Bord zu behalten. Wir freuen uns alle sehr darüber, dass er bleibt. Wir brauchen einen Spieler, der in der Lage ist, uns in den wichtigen Partien zum Sieg zu führen. Und genau das ist er." 

Publikumsliebling, Wunderknabe – und launisch
Doch das gefeierte Wunderkind kann bisweilen auch eine sehr launische Seite an den Tag legen. In seiner ersten Profi-Saison 2006 bei RC Lens lieferte der ebenso talentierte wie ungestüme Youngster eine Kostprobe seines ausgeprägten Charakters. Nach einem heftigen Wortwechsel mit einem seiner Kollegen verließ er mitten in der Partie das Spielfeld – und damit gleich die französische Liga. Er brach in Richtung England auf.

"Ich habe nur gute Erinnerungen an meine Zeit in Lens. Ich war dort sieben Jahre und habe ebenso viele gute Betreuer wie gute Freunde kennen gelernt. Ich habe dort sehr viel gelernt", räumte Taarabt ohne Groll ein. "Dann hatte ich die Gelegenheit, nach Tottenham zu gehen, in die Premier League, die meiner Meinung nach zurzeit die beste Liga ist. Und ich habe sie genutzt."

Der Transfer begann als Leihgeschäft, doch Tottenham Hotspur zog schnell die Kaufoption. Dennoch fiel es dem jungen Marokkaner zunächst schwer, sich in der englischen Eliteliga durchzusetzen. Die Queens Park Rangers boten ihm die Aussicht auf mehr Spielzeit, und Taarabt stimmte einem Wechsel zu. Damit begann eine wahre Romanze zwischen dem marokkanischen Prinz und den Queens. Eine Beziehung mit all seinen Höhen und Tiefen. Doch seine Leistungen ließen schnell vergessen, dass er sich zu Saisonbeginn mit Abwanderungsgedanken beschäftigte oder bei der demütigenden 0:6-Schlappe gegen den FC Fulham in der Halbzeitpause das Stadion verließ.

"Ich gebe zu, dass ich einen starken Charakter habe, doch das ist nur auf dem Platz so. Außerhalb bin ich sehr pflegeleicht." Wie dem auch sei: Taarabt würde seine individuellen Erfolge – er wurde 2011 als Spieler des Jahres in der Meisterschaft und als bester arabischer Spieler 2011 ausgezeichnet – nur zu gerne gegen den Klassenerhalt für seinen Klub eintauschen. "Das ist doch völlig klar. Ich werde alles dafür tun, um den Klub zu retten. Es wäre großartig, wenn wir das schaffen." Und er ergänzte: "Ich hoffe sehr, dass ich mein Abenteuer in der Premier League fortsetzen kann, mit QPR. Das Beste für mich wäre es, bei diesem Klub zu bleiben."

Honeymoon und Scheidung
Seine Beziehung zur marokkanischen Nationalmannschaft wiederum verlief nicht weniger leidenschaftlich. Der inzwischen zehnmalige Nationalspieler (3 Tore) sorgte im Juni 2011 erstmals für Schlagzeilen, als er seinen Rücktritt erklärte, nachdem er erfahren hatte, dass er gegen Algerien nicht in der Startelf stehen würde. Aber auch dieser Ausbruch wurde ihm schnell verziehen, als er zu einem der Leistungsträger der erfolgreichen Qualifikation für die CAF Afrikameisterschaft 2012 avancierte, insbesondere nach seiner Galavorstellung gegen Tansania (3:0) im Oktober.

Die Endrunde verlief indes weniger erfolgreich. Marokko scheiterte bereits in der Gruppenphase des kontinentalen Kräftemessens. "Ich glaube, wir waren nicht vorbereitet auf diesen Wettbewerb. Es war sehr heiß, und die schlechte Qualität der Plätze behinderte unser Spiel, das wir aufziehen wollten. Wir haben dennoch gekämpft. Vielleicht lag es auch daran, dass wir gedacht hatten, es würde leicht werden, aber das war es nicht. Dennoch war es eine gute Erfahrung für einen Spieler wie mich, der erst 22 Jahre alt ist", analysierte er im Rückblick.

Dieses Scheitern hatte indes auch eine "Scheidung" zur Folge. Adel Taarabt und sein Nationaltrainer, der ihn für seinen Geschmack zu wenig einsetzte, überwarfen sich. "Ich verstehe mich nicht sehr gut mit Eric Gerets. Ich liebe mein Land sehr und ich habe immer Lust, es zu repräsentieren, doch es erscheint mir schwierig, für meine Nationalmannschaft zu spielen, solange der Trainer noch da ist."

Am Sonntag, 13. Mai, hat der junge Marokkaner in der Partie gegen Tabellenführer Manchester City eine weitere Gelegenheit, bei seinem Klub Trost zu finden. Am letzten Spieltag der Saison hat Prinz Taarabt die einmalige Chance, seine Queens zu retten und damit gleichzeitig die Krönung eines neuen Königs zu verhindern.