Rekordgewinner Bayern München, Borussia Mönchengladbach und Zweitligist SpVgg Greuther Fürth sind dem deutschen Meister Borussia Dortmund ins Halbfinale des DFB-Pokals gefolgt, für die Trainer Holger Stanislawski und Michael Skibbe wird die Luft dagegen immer dünner. Die Bayern gewannen nach Toren von Franck Ribéry (30.) und Mario Gomez (46.) den Südschlager beim VfB Stuttgart mit 2:0 (1:0) und tanzen weiterhin auf allen drei Hochzeiten. Allerdings verloren die Münchener Nationalspieler Bastian Schweinsteiger durch eine Fußverletzung.

Der Bundesliga-Vierte aus Mönchengladbach siegte dank eines umstrittenen Foulelfmeters von Filip Daems (101.) und einem Treffer von Oscar Wendt (120.+2) mit 2:0 (0:0, 0:0) nach Verlängerung bei Hertha BSC Berlin, dessen Coach Skibbe im vierten Spiel die vierte Niederlage kassierte. Gleichzeitig platzte für Hertha abermals der Traum vom Pokalfinale im eigenen Stadion.

Fürth gewann durch einen Treffer von Torjäger Olivier Occéan (44.) beim Erstligisten 1899 Hoffenheim mit 1:0 (1:0) und zog erstmals ins Halbfinale des Cup-Wettbewerbs ein. Der erst im Sommer verpflichtete Stanislawski steht bei Hoffenheim nun vor dem Aus, nachdem Klubmäzen Dietmar Hopp nach den zuletzt schwachen Leistungen in der Bundesliga den eigenen Coach angezählt und ohne Wenn und Aber den ersten Halbfinaleinzug der Hoffenheimer im Pokal verlangt hatte. Bei 1899 hatte Ex-Nationalspieler Marvin Compper in der 36. Minute wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte gesehen.

Die Halbfinalpartien werden am Samstag im aktuellen sportstudio des ZDF durch Nationalspielerin Kim Kulig ausgelost. Ausgetragen werden die Spiele am 20. und 21. März.

Die Bayern entschädigten sich zwar für den Verlust der Bundesliga-Tabellenspitze am vergangenen Wochenende, ein Wermutstropfen war die frühe Sprunggelenksverletzung von Schweinsteiger (17.). Wie schwer die Blessur ist, soll am Donnerstag in München eine Röntgenuntersuchung zeigen. "Wir hoffen, dass es vielleicht nur eine Kapselverletzung ist", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger bei Sky.

Gladbach reichte im "Gefrierschrank" Olympiastadion eine durchschnittliche Leistung und die Hilfe von Schiedsrichter Felix Brych zum Sieg gegen engagierte, aber glücklose Berliner. Für hitzige Diskussionen sorgte die entscheidende Szene vor dem Tor in der 101. Minute. Hertha-Verteidiger Roman Hubnik hatte Gladbachs Stürmer Igor de Camargo im Strafraum nach Meinung des Unparteiischen eine Kopfnuss verpasst, der Belgier ließ sich spektakulär fallen. Hubnik sah für seine dumme Aktion die Rote Karte, Daems verwandelte den Elfmeter.

"Ach, du großer Gott. Um Gottes Willen", sagte Hertha-Trainer Skibbe beim Studium der TV-Bilder der umstrittenen Szene und konnte sich nur schwer im Zaum halten: "Was der Schiedsrichter da gepfiffen hat, war die Krönung. Hier waren 50.000 Mann im Stadion, keiner hat das gesehen. Unglaublich, unfassbar." In der zweiten Minute der Nachspielzeit machte der gerade eingewechselte Oscar Wendt mit dem 2:0 alles klar.

Drei Tage vor dem Liga-Topspiel am Samstag (18:30 Uhr) gegen Schalke 04 beschränkte sich die Borussia vor 47.465 Zuschauern auf konzentrierte Abwehrarbeit und gelegentliche Konter. Das allerdings reichte, um erstmals seit acht Jahren wieder das Halbfinale zu erreichen und vom vierten Pokal-Triumph zu träumen. Zuletzt hatten die Fohlen 1995 gegen Wolfsburg (3:0) den Cup gewonnen. Die Berliner, deren Amateure 1993 ein Finale im Olympiastadion spielen durften, können sich nach dem Pokal-K.o. zumindest auf den Kampf um den Klassenerhalt konzentrieren.

Auch in Hoffenheim war ein Platzverweis mitentscheidend. Compper hatte sich nach einem Schubser gegen Christopher Nöthe nicht im Griff und leistete sich während der anschließenden Rudelbildung noch einen Wischer in das Gesicht von Stephan Fürstner, was von Schiedsrichter Marco Fritz aus Korb zu Recht mit der Roten Karte geahndet wurde. Wenig später machte Occéan die erste Halbfinalteilnahme der Gäste perfekt, die in der Runde zuvor den fränkischen Lokalrivalen 1. FC Nürnberg aus dem Wettbewerb geworfen hatten.

Stanislawski bezeichnete die Diskussionen um seine Person kurz nach dem Abpfiff bei Sky als "zweitrangig". Er sei viel mehr stolz auf seine Spieler: "Das ist richtig enttäuschend für uns, weil wir eine richtig gute Partie geboten haben. Wir waren auch mit zehn Mann das bessere Team und hatten genug Chancen." Gästetrainer Mike Büskens, der nach dem Spiel alle seine Spieler herzte, meinte: "Alles in allem geht der Sieg in Ordnung. Allerhöchsten Respekt. Was die Jungens leisten, ist sensationell."