2009 gab es eine Mannschaft, die in der Nord-, Mittelamerika- und Karibik-Zone für Begeisterung sorgte. Und das war keiner der großen mexikanischen oder U.S.-amerikanischen Klubs, und auch kein Traditionsverein aus Costa Rica oder Honduras, sondern die Puerto Rico Islanders.
Der Klub schaffte entgegen aller Voraussagen den Sprung ins Halbfinale der CONCACAF Champions League und machte dem mexikanischen Spitzenklub CD Cruz Azul dort das Leben schwer. Erst im Elfmeterschießen mussten die Puerto-Ricaner sich geschlagen geben.
Aber in Puerto Rico gibt es noch einen weiteren Klub, der auf sich aufmerksam macht. Es handelt sich dabei um einen Verein, bei dem man zu der Auffassung gekommen ist, dass man mit nachhaltiger, professioneller und verantwortungsbewusster Arbeit die höchsten Ziele erreichen kann - selbst in einem Land, in dem der Fussball nicht die beliebteste Sportart ist.
Die Rede ist vom Bayamón Fútbol Club, der sich in der Region einen Namen machen will. FIFA.com erzählt seine Geschichte.
Wenige Jahre, große Pläne
Die sogenannten Vaqueros (die Cowboys) gibt es erst seit 2008, aber sie haben bereits nach kurzer Zeit Spuren hinterlassen. In seiner ersten Spielzeit in der höchsten Liga des Landes gewann der Klub direkt den Titel. Nachdem man die reguläre Saison als Tabellenzweiter abgeschlossen hatte, setzte man sich in der abschließenden Playoff-Runde am Ende mit 3:2 gegen Atlético San Juan durch.
Dieser schnelle Erfolg war keinesfalls ein Zufallstreffer. Vereinspräsident Alberto Santiago stammt zwar gebürtig aus Puerto Rico, wanderte jedoch schon als Kind mit seiner Familie nach Spanien aus. Dort wuchs er auf wie jeder andere Junge im "Mutterland", nämlich als fanatischer Fussballfan, in seinem Fall vor allem vom FC Sevilla, dem Klub der Stadt, in der er lebte. Im Erwachsenenalter beschloss er dann, in sein Geburtsland zurückzukehren, und zwar mit der festen Absicht, die Methoden Sevillas dort umzusetzen - natürlich mit einem Schuss Karibikflair.
So schuf er einen Klub, der in jeder Hinsicht Vorbildcharakter hat. Er investierte in Anlagen, die jedem Industriestart würdig gewesen wären und weit über den Standards dieser Region lagen. Außerdem handelt es sich um den einzigen Klub des Landes, der in allen Spielklassen Teams am Start hat, von neunjährigen Kindern bis hin zum Frauenbereich. Und dann organisiert der Verein jährlich die Copa Ciudad de Bayamón, einen Wettbewerb, der die besten Amateurteams Puerto Ricos anzieht und dem Klub auch dazu dient, neue Talente für die erste Mannschaft zu entdecken.
Brillante Zukunft
Santiago möchte, dass Bayamón zum Vorzeigeklub der Region wird, und hat sich daher nicht damit zufriedengegeben, seinem Lieblingsverein nachzueifern. Er hat einen Kooperationsvertrag mit den Spaniern abgeschlossen, die einen erstklassigen Trainer und einen Fitnesstrainer abgestellt haben. Es handelt sich dabei um die Spanier David Caballero und Jesús Franco, die in ihrer ersten Saison bereits dafür gesorgt haben, dass das Team in den blau-gelben Trikots einen weiteren Meistertitel einheimsen konnte.
Beim Finale waren 4.000 Zuschauer im Stadion, eine mehr als beachtliche Anzahl, wenn man bedenkt, dass der Fussball auf der Insel in puncto Beliebtheit noch längst nicht mit den Traditionssportarten Baseball, Boxen und Basketball mithalten kann. Noch dazu gelang der Titelgewinn nachdem man zuvor sage und schreibe anderthalb Jahre lang inaktiv gewesen war. Der Grund waren administrative Probleme der Puerto Rico Soccer League. Jetzt nimmt der Verein stattdessen an der Liga Nacional teil, einem weiteren lokalen Wettbewerb.
Der Kooperationsvertrag mit Sevilla beinhaltet außerdem, dass die größten Talente des Vereins ihr Glück auf dem Alten Kontinent versuchen können, sofern sie das erforderliche Potenzial haben. Die ersten Früchte trug der Pakt im Januar, als der puerto-ricanische Nationalspieler Andrés Cabrero beim FC Sevilla mittrainierte und einen sehr guten Eindruck hinterließ.
Ziele sind klar definiert
"Er hat eine positive Rolle gespielt und weltweit die Botschaft vermittelt, dass es auch in Puerto Rico hochklassige Fussballer gibt. Hoffen wir, dass er die Chance bekommt, seine positive Entwicklung in Spanien fortzusetzen", so der Kommentar des stolzen Vereinspräsidenten.
Und noch ist der Klub nicht am Ziel. Trainer Caballero bereitet gerade den zweiten Coup seiner Amtszeit bei Bayamón vor. Dieses Mal hat er es auf kontinentalen Erfolg abgesehen. "Wir sind dabei, für die CONCACAF zu planen und werden versuchen, den Pokalwettbewerb von Puerto Rico zu gewinnen. Man lässt uns hier arbeiten, und wir haben Einrichtungen und eine professionelle Einstellung der Spieler vorgefunden, die sich mancher Klub in Spanien wünschen würde. Für mich ist es ein Privileg, hier arbeiten zu dürfen", erklärt er.
Damit sind die Ziele abgesteckt, und es mangelt weder an Einsatz noch an der nötigen Organisation. Wenn die Fans in der Nord-, Mittelamerika- und Karibik-Zone künftig von Puerto Rico sprechen, wird ihnen außer den Islanders sicherlich auch der Bayamón Fútbol Club in den Sinn kommen.
