Das Fussballwochenende stand ganz im Zeichen von Schnee und klirrender Kälte. Auf die Rangfolge in Europas Tabellen hatte der Wintereinbruch allerdings nur bedingt Auswirkungen. Real Madrid und der FC Barcelona konnten gewinnen, die italienischen Spitzenmannschaften traten auf der Stelle. In England landete der FC Arsenal einen Kantersieg. Manchester United und der FC Chelsea lieferten unterdessen ein Spektakel. In Frankreich konnten Paris Saint-Germain und HSC Montpellier jubeln. Und in Deutschland profitierte Borussia Dortmund davon, dass alle Konkurrenten unentschieden spielten.
FIFA.com fasst das wichtigste Geschehen und interessante Fakten zusammen.
Ein Spiel
FC Chelsea - Manchester United 3:3, Premier League, 24. Spieltag
Spannung, Aufholjagd, Spektakel, Tore - das Duell zwischen dem FC Chelsea und Manchester United bot alles, was das Fussballherz begehrt. In der 50. Minute schien schon alles zu Gunsten von Chelsea gelaufen zu sein, als David Luiz das dritte Tor für die Blues schoss. Gästetrainer Alex Ferguson versuchte in der Folge trotzdem noch einmal alles, brachte Paul Scholes und Javier Hernandez. Und seine Schachzüge gingen auf: Wayne Rooney verwandelte zwei Elfmeter, Chicharito besorgte den Ausgleich. Am Ende stand ein Unentschieden, über das sich die Hausherren als einzige nicht freuen konnten.
In dieser Saison sind in den direkten Duellen zwischen Manchester United, Manchester City, dem FC Arsenal und dem FC Chelsea bislang im Schnitt unglaubliche 5,25 Tore gefallen.
Am 3:3 vom Sonntag trugen die Torhüter dennoch keine Schuld. David de Gea und Petr Cech verhinderten im Gegenteil mit einigen Glanzparaden eine noch größere Torflut. Das sagt Einiges aus über die Klasse dieses Spitzenspiels in England. Die Red Devils mussten aber trotzdem zusehen, wie ihnen die gegen Fulham siegreichen Citizens allmählich enteilen.
Zwei Teams
AFC Sunderland, vor zwei Monaten noch akut abstiegsbedroht, hat im Kampf um den Klassenerhalt den Trainer gewechselt und ganz auf Martin O'Neill gesetzt. Unter Leitung des Nordiren zeigte die Entwicklung bei den Black Cats sogleich wieder nach oben. Mit dem jüngsten Erfolg, einem 1:0 bei Stoke City, kommen sie jetzt auf die stolze Bilanz von 28 Punkten aus zehn Partien. Nicklas Bendtner, Sébastian Larsson und Stéphane Sességnon bilden in der Offensive ein magisches Dreieck, und in der Defensive sorgt mit Wes Brown, der aktuell allerdings verletzt ist, Kieran Richardson und John O'Shea ein Trio für Stabilität, das früher bei Manchester United gespielt hat.
Der Absturz von Inter Mailand vollzieht sich derweil beinahe genau so schnell wie zuvor der Höhenflug: Aus im italienischen Pokal, Niederlage gegen US Lecce in der Serie A und dann ein 4:4 gegen US Palermo, das auch nicht weiter brachte. Nun kassierte der Klub, der einst den Catenaccio populär machte, eine 0:4-Klatsche gegen AS Rom. Trainer Claudio Ranieri sprach danach gar von einem "Nicht-Spiel" der Seinen.
Drei Spieler
Djibril Cissé dürfte in den vergangenen Wochen alle Höhen und Tiefen durchgemacht haben. Da war zunächst die chaotische erste Saisonhälfte bei Lazio Rom, nach welcher der Franzose beschloss, seiner Karriere auf der Insel noch einmal neue Impulse zu geben. Es gelang. Zwölf Minuten reichten dem Stürmer zu seinem ersten Tor für die Queens Park Rangers. Gegen Wolverhampton sah Cissé jedoch bereits nach 34 Minuten wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte. Sein zweiter Auftritt im neuen Trikot war eindeutig steigerungsfähig.
Diego Lopez ist es eigentlich gewohnt, mit Villarreal international zu spielen. Nicht anders ergeht es Javier Varas, seinem Gegenüber beim FC Sevilla. Im Duell der Enttäuschten lieferten die beiden Torhüter beste Werbung in eigener Sache ab. Am Ende war es der Schlussmann von Villarreal, der jubeln und sich mit seinem "gelben U-Boot" etwas Luft im Abstiegskampf verschaffen konnte.
Noch vor ein paar Monaten kannten ihn in Belgien allenfalls Eingeweihte, jetzt ist Michy Batshuayi in aller Munde. Die 18-jährige Nachwuchshoffnung von Standard Lüttich schoss gegen Lierse SK beim 2:0 erneut die Führung heraus und die Anhänger des Vereins fragen sich schon jetzt, wo der Teenager überhaupt Schwächen hat. Batshuayi ist schnell, technisch stark und beidfüssig - und er weiß, wo das Tor steht. Da spricht man normalerweise von einem kompletten Stürmer.
Vier Zahlen
12 - Kaum zu glauben, dass Borussia Mönchengladbach in der vergangenen Saison noch die Schießbude der Bundesliga war. Denn jetzt sind es nach 20 absolvierten Spieltagen gerade einmal zwölf Gegentore für die Niederrheiner, gleichbedeutend mit Platz vier in der Tabelle. In neun Begegnungen blieben die Mannen von Trainer Lucien Favre bislang völlig ohne Gegentor.
13 - Auch wenn es für Olympique Marseille im Spitzenspiel des 22. Spieltags gegen Olympique Lyon nicht zu einem Sieg reichte (2:2), konnten die Südfranzosen ihre beeindruckende Serie von wettbewerbsübergreifend 13 Begegnungen ohne Niederlage dennoch ausbauen.
7 - Gegen die Blackburn Rovers präsentierte sich der FC Arsenal mal wieder als Tormaschine. 7:1 hieß es am Ende für die Gunners mit ihrem stets treffsicheren Torjäger Robin van Persie. Der Niederländer schraubte seine Torausbeute dank dreier Treffer auf satte 22, wobei er für sein erstes Tor gerade einmal 79 Sekunden benötigte. Danach war van Persies Jubiläum perfekt: Es war Tor Nummer 100 für die Gunners.
8 - Bayern München hat eine treffsichere Bank. Acht Jokertore stehen für den Rekordmeister schon zu Buche. Zwei davon hat Ivica Olic beigesteuert, darunter auch den jüngsten Ausgleich beim 1:1 gegen Hamburg. Es scheint, als träfe der Kroate gegen seinen Ex-Verein besonders gern, denn sein erstes Saisontor machte er auch schon gegen den HSV. Ansonsten trafen für Bayern die Einwechselspieler Arjen Robben (3), David Alaba (2) und Nils Petersen (1).
Fünf besondere Momente
Kältewelle
Die sibirische Kälte, die Europa momentan heimsucht, sparte natürlich auch den Fussball nicht aus. In Frankreich mussten die Partien SM Caen gegen AJ Auxerre und FC Sochaux gegen OSC Lille ausfallen. Im Spiel von AS Saint-Etienne gegen den FC Lorient musste der Schiedsrichter trotz des guten Willens der 22 Akteure nach zehn Minuten abbrechen.
Freunde fürs Leben
Mainz liebt Mohamed Zidan und Mohamed Zidan liebt Mainz. Der Rückkehrer aus Dortmund schoss gleich in seinem ersten Spiel die Führung gegen Schalke 04. Am Ende schafften die Königsblauen zwar noch den 1:1-Ausgleich, aber der amtierende deutsche Meister und Erzrivale aus Dortmund konnte trotzdem auf zwei Punkte davonziehen.
Das Märchen geht weiter
Hapoel Ironi Kiryat Shmona kann weiter träumen: Gegen Maccabi Haifa gab es ein erneutes 1:0 und einen Riesenschritt Richtung Titel. Die Überraschungsmannschaft der israelischen Saison hat in dieser Spielzeit erst einmal verloren. Der erst 2000 gegründete Klub hat sechs Spieltage vor Schluss zwölf Punkte Vorsprung und schreibt weiter fleißig an seinem eigenen Märchen.
Von wegen schwarze Katze
Am Ende gewann der FC Barcelona sein Heimspiel gegen Real Sociedad mit 2:1. Damit sind die Katalanen im Nou Camp wettbewerbsübergreifend seit 46 Spielen unbesiegt. Die Anhänger der Blaugranas mussten jedoch bis zum Schluss zittern – und das lag wohl nicht an der schwarzen Katze, die zuvor über den Rasen geflitzt war…
Rückentor
Wenn's läuft, dann läuft's. HSC Montpellier hat ohnehin schon die treffsicherste Offensive der Ligue 1. Jetzt stand beim 42. Tor auch noch Fortuna Pate. Geoffrey Dernis traf mit dem Rücken, obwohl er gar nichts dafür konnte. Er stand eher zufällig in der Schussbahn von Mannschaftskamerad Rémy Cabella.
