Die Abwehr von Bayern München hat trotz der Verpflichtungen des Nationaltorwarts Manuel Neuer sowie der Verteidiger Jerome Boateng und Rafinha zuletzt wieder erhebliche Probleme offenbart, die durch die Verletzung von Daniel van Buyten nicht kleiner geworden sind.
Rund 45 Millionen Euro hat Bayern München vor der Saison in seine Abwehr investiert - doch nach einem tollen Saisonstart hat sich die Defensive des deutschen Rekordmeisters wieder zur Problemzone entwickelt. Die Verletzung des Innenverteidigers Daniel van Buyten, der mit einem Mittelfußbruch einige Wochen ausfällt, vergrößert die Sorgen noch.
Dennoch wollen Vereinsführung, Trainer und auch Spieler vor dem Bundesligaspiel am Samstag (15:30 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg nicht in Panik verfallen. Sportdirektor Christian Nerlinger schloss bereits einen weiteren Einkauf bis zum 31. Januar aus. Erst im Sommer wollen die Bayern in der Abwehr noch einmal nachlegen.
Bis dahin "muss man keinen Alarm deswegen machen. Wir haben noch genug Qualität für die Abwehr", betonte Nationalspieler Jerome Boateng. Auch Holger Badstuber ist "sehr guter Dinge, dass wir das wieder besser machen".
Die Gründe dafür, dass es defensiv zuletzt nicht so lief, liegen für Badstuber auf der Hand. Es hätten Kompaktheit und Aggressivität gefehlt, "die Räume waren zu groß". Zudem habe man nach dem Ausfall von Bastian Schweinsteiger im Herbst "ein bisschen geschlampert", fügte er an. Deshalb forderte Abwehrchef Badstuber wieder "mehr Kommunikation, damit wir die Nachlässigkeiten abstellen".
Die Fehler drücken sich ganz klar in Zahlen aus. Musste Nationaltorhüter Manuel Neuer in den ersten neun Bundesliga-Spielen nur einen einzigen Treffer hinnehmen (770 Minuten ohne Gegentor), so musste er anschließend in neun Partien gleich zwölf Mal hinter sich greifen - erst am vergangenen Freitag wieder drei Mal in Gladbach (1:3).
Vor allem die häufigen Wechsel auf der rechten Seite der Viererkette führten zu einer gewissen Unwucht in der Abwehr. Weder Rafinha noch Boateng, eigentlich für die Zentrale verpflichtet, konnten auf dieser Position bisher überzeugen. "Kaiser" Franz Beckenbauer will sogar erkannt haben, dass Boateng nicht zu Superstar Arjen Robben passt und es deshalb bei seinen Bayern hakt.
Für Anatoli Timoschtschuk ist es dagegen ein generelles Problem, das die Bayern in den letzten Wochen befiel. Es müssten wieder alle "als Mannschaft zusammenarbeiten, nach vorne und hinten", forderte er deshalb. Dies hätte auch Trainer Jupp Heynckes sagen können, für den die Balance zwischen Defensive und Offensive, zwischen solider Wertarbeit und gehobener Kunst, "das A und O" für erfolgreichen Fussball ist.
Zu dieser Balance wollen die Bayern wieder finden. Personell stellt sich durch den Ausfall von van Buyten die Abwehr alleine auf. Boateng wird endlich auf seine Lieblingsposition in die Zentrale neben Badstuber rutschen. "Jerome wird seine Sache sehr gut machen, das ist seine eigentliche Position", sagte Badstuber dazu. Rafinha, der sich zuletzt häufig auf der Bank wiederfand, erhält eine erneute Bewährungschance auf der rechten Seite.
Viel passieren darf in der Münchner Abwehr allerdings jetzt nicht mehr, zumal auch Diego Contento (Zehenbruch) fehlt. Neben Badstuber und Boateng steht nur noch ein weiterer Innenverteidiger im Bayern-Kader: Breno. Doch der Brasilianer ist nach Verletzungen und privaten Eskapaden weiterhin schwer einzuschätzen. Den Beweis seiner Klasse ist er bisher schuldig geblieben.
Nerlinger nennt deshalb vor allem die Mittelfeldspieler Timoschtschuk und Luiz Gustavo als Alternativen. Auch Badstuber betonte, dass er sich "keine Gedanken" machen würde, sollte es weitere Ausfälle geben: "Wir sind in der Breite so besetzt, dass wir auch solche Sachen kompensieren können."
