Im Kreise der Mannschaft gibt er hin und wieder den Spaßvogel, abseits des Spielfelds bevorzugt er dagegen die leisen Töne: Marco Reus ist kein Freund großer Worte. Daran haben auch überragende Leistungen für Borussia Mönchengladbach und sein bevorstehendes Debüt in der Nationalmannschaft nichts geändert.
"Ohne meine Mitspieler hätte ich das nicht geschafft", sagt Reus bescheiden. Der Offensivspieler ist in der Bundesliga Gladbachs Lebensversicherung im Abstiegskampf. Top-Leistungen in Serie und insgesamt zehn Treffer sowie acht Torvorlagen in dieser Saison haben allerdings auch bei hochkarätiger Konkurrenz Begehrlichkeiten geweckt.
Seit Wochen liefert der 21-Jährige hervorragende Arbeitsnachweise ab und hat damit maßgeblichen Anteil daran, dass die Fans am Niederrhein wieder vom Klassenerhalt träumen dürfen. Nach drei Siegen in Folge ohne Gegentor steht Mönchengladbach erstmals seit dem achten Spieltag nicht auf einem direkten Abstiegsplatz und kann das rettende Ufer aus eigener Kraft erreichen. Bei den Siegen in Hannover (1:0) und gegen Freiburg (2:0) steuerte Reus zuletzt jeweils ein Tor bei.
In der Führungsetage der Borussia beurteilen die Verantwortlichen Reus wohl auch unter verhandlungstaktischen Gesichtspunkten verhältnismäßig zurückhaltend. "Marco erfüllt seine Aufgaben gut. Aber ohne die zehn anderen wäre er nichts", sagt Vizepräsident Rainer Bonhof. Sportdirektor Max Eberl lobt zwar Reus' "Schnelligkeit, Technik und Spielintelligenz", verweist aber ebenso wie Trainer Lucien Favre auf das gesamte Team.
Tempo-Dribbler Reus steht längst auf dem Einkaufszettel der finanzstarken Konkurrenz. Gerüchten zufolge sollen sich neben Rekordmeister Bayern München und Meister Borussia Dortmund nun auch DFB-Pokalfinalist Schalke 04 um die Dienste des torgefährlichen Mittelfeldspielers bemühen.
Mit solchen Gedankenspielen will sich Reus zurzeit nicht auseinandersetzen. "Ich beschäftige mich nur mit Borussia Mönchengladbach, fühle mich hier total wohl und sehe meine Zukunft in Gladbach", sagt Reus. Eine Aussage, die die Loyalität des Westfalen gegenüber seinem Arbeitgeber widerspiegelt und insbesondere den Gladbach-Fans gefallen dürfte.
Eberl, der Reus 2010 für weniger als eine Million Euro vom Zweitligisten Ahlen in den Borussia-Park holte, verweist auf den Vertrag mit Reus, den man erst während der Hinrunde bis 2015 verlängert hatte. "Das hat er ja nicht aus Jux und Dollerei gemacht", sagt Eberl.
Doch wenn der fünfmalige deutsche Meister den dritten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte nicht vermeiden sollte, dürfte das Kapitel Reus trotz des langfristigen Vertrages beendet sein. Im Fall eines Sturzes in die Zweitklassigkeit muss Reus an seine Entwicklung und Zukunft denken.
Schafft Gladbach indes den Klassenerhalt, würden die Chancen auf einen Verbleib des gebürtigen Dortmunders deutlich steigen. "Wir gewinnen einfach das Spiel am Wochenende, dann wird alles gut", sagt Reus. Im letzten Saisonspiel am Samstag (15:30 Uhr) beim Hamburger SV oder einer möglichen Relegation könnte Reus mit weiteren Toren dazu beitragen, dass sich diese Vorhersage erfüllt.
