Das Warten hat ein Ende. Nach der langen, WM-bedingten Auszeit rollt im argentinischen Fussball ab diesem Wochenende mit dem Auftakt zur Apertura-Meisterschaftsrunde wieder der Ball. Der 1991 ins Leben gerufene Wettbewerb bietet den großen Teams die heiß ersehnte Gelegenheit, nach mehreren Spielzeiten im Schatten wieder ins Rampenlicht zurückzukehren.
Der Titelverteidiger
Argentinos Juniors hatte die etablierten Teams im letzten Clausura-Turnier mit seiner frechen Spielweise unter Trainer Claudio Borghi überrascht. Der Trainer wie auch einige der Stützen des Vereins sind mittlerweile nicht mehr dabei. Dennoch sind die Fans guter Dinge, denn neben dem Trainerstrategen Pedro Troglio konnte auch einige interessante Spieler verpflichtet werden. So sind Nicolás Navarro und Sergio Escudero nach Spielzeiten im Ausland wieder zurückgekehrt, während der Uruguayer Gonzalo Vargas hofft, ähnlich erfolgreich wie im mexikanischen Fussball auf Torejagd gehen zu können.
"Es sind viele gegangen, die als unersetzlich galten, dies zuvor jedoch nicht waren. Meine Arbeit besteht darin, dass die Neuen und diejenigen, die geblieben sind, eine feste Einheit werden. Ich habe großes Vertrauen in diesen Kader", versicherte der Trainer, der mit seinem Team auch vor der Bewährungsprobe der anspruchsvollen Copa Sudamericana steht.
Die Herausforderer
Die Fachpresse ist sich einig: Boca Juniors ist der große Favorit auf den Titel. Die Xeneizes haben Meistertrainer Claudio Borghi verpflichtet, um wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Dabei können sie nun auch auf die stärksten Abwehrspieler des Landes zurückgreifen. Insgesamt hat man sechs erstklassige neue Spieler unter Vertrag genommen, zudem Angreifer Martín Palermo halten können - und steht noch in Verhandlungen mit Juan Román Riquelme.
Der Racing Club seinerseits konnte den Stamm aus dem Clausura-Turnier halten und will im Kampf um die Meisterschaft ebenfalls ein Wörtchen mitreden, was zuletzt auch Independiente gelungen war, das in diesem Halbjahr unter dem neuen Trainer an die zuletzt gezeigten Leistungen anknüpfen möchte.
San Lorenzo, ein weiterer Titelkandidat, setzt große Hoffnungen auf die zweite Saison unter Ramón Díaz. Besonders prekär ist die Lage für River Plate: das Team, das die ewige Tabelle des argentinischen Fussballs mit 34 Titeln, den meisten Siegen und den meisten erzielten Treffern anführt, beginnt die Saison 2010/2011 mit dem niedrigsten Ausgangspunktestand aller Teams, einmal abgesehen von den bereits abgestiegenen Mannschaften. Das mittlerweile von Ángel Cappa betreute Team darf sich kaum einen Ausrutscher erlauben und muss um den Titel mitspielen, will man nicht den ersten Abstieg in der langen und erfolgreichen Geschichte hinnehmen müssen.
Andere Mannschaften wie Banfield, Estudiantes, Newell's Old Boys und Vélez Sarsfield müssen ihre Kräfte gut einteilen, um auch bei der Copa Sudamericana ein Wörtchen mitzureden. Sie sind es jedoch gewohnt, Alles zu geben und dürften sich erneut in den vorderen Tabellenregionen wiederfinden.
Hätten Sie's gewusst?
In den letzten acht Spielzeiten in Argentinien errangen acht verschiedene Teams den Titel, womit dieser Wettbewerb zu den ausgeglichensten und spannendsten der Region zählt.
Die wichtigsten Transfers
Auf dem Transfermarkt hat sich noch einiges mehr als sonst getan, was vor allem für die großen Teams gilt. Boca Juniors, das sich keinen Ausrutscher mehr erlauben möchte, hat sich die Dienste von Torhüter Cristian Lucchetti gesichert, der 2009 mit Banfield Meister wurde, und sich außerdem mit Clemente Rodríguez und Cristian Cellay von Estudiantes verstärkt. Ferner wurde Matías Caruzzo, Spielführer der Meistermannschaft von Argentinos, verpflichtet.
Bei River Plate, das dringend auf Erfolge angewiesen ist, hat man Juan Pablo Carrizo und Mariano Pavone aus Spanien kommend verpflichtet, während Patricio Toranzo und der Kolumbianer Giovanni Moreno nun im Trikot des Racing Club auflaufen werden. Doch es gab noch weitere überraschende Transfers. So gelang es Lanús, den ehemaligen uruguayischen Nationalspieler Mario Regueiro zu verpflichten, Vélez Sarsfield holte aus Frankreich Augusto Fernández, einen ehemaligen Spieler von River, in die Heimat zurück, und Estudiantes verpflichtete den uruguayischen Trojäger Hernán Rodrigo López.
Tore verspricht sich auch das Team von Colón durch die Neuverpflichtungen Joaquín Larrivey und Nicolás Higuaín. Huracán seinerseits setzt auf die erfahrenen Ángel Matute Morales und Rolando Zárate, die die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur führen sollen.
Die Spieler im Fokus
Mit Diego Buonanotte (River Plate), Sebastián Battaglia (Boca Juniors) und Lucas Licht (Racing Club de Avellaneda) kehren drei Spieler, die in den vergangenen sechs Monaten durch Verletzungen außer Gefecht gesetzt waren, wieder ins Rampenlicht zurück, entschlossen, ihren Mannschaften zu Erfolgserlebnissen zu verhelfen. Dagegen hoffen der erst 17-jährige Manuel Lanzini (River Plate) und der drei Jahre ältere Marcelo Cañete (Boca Juniors), die großen Neuentdeckungen der Saison zu werden.
Das Zahlenspiel
147 - So viele Spieler wurden in der letzten Transferperiode neu verpflichtet, ein absoluter Rekord für die Liga. Die meisten Verstärkungen hat Quilmes unter Vertrag genommen, das nach dem neunten Aufstieg nicht weniger als 19 neue Spieler verpflichtet hat.
Das Zitat
"Ich bin mir der Situation von River durchaus bewusst, schließlich komme ich nicht von einem anderen Stern. Ich bin aber auch groß genug, um keine Angst vor Gespenstern zu haben. Ich weiß, dass wir mehr denn je zuvor unbedingt Siege einfahren müssen. Dafür haben wir die Mannschaftlich zusammengestellt, so dass es kein hoffnungsloses Unterfangen ist."
Ángel Cappa (Trainer, River Plate)
