Im vergangenen Oktober hing die weitere Karriere von Petr Cech, dem tschechischen Nationaltorhüter des FC Chelsea, am seidenen Faden. Nach einem Zusammenprall mit Stephen Hunt vom FC Reading in einer Premier-League-Begegnung zog sich der Schlussmann einen Schädelbruch zu und blieb minutenlang bewusstlos liegen.

Doch mit seiner schnellen Genesung überraschte er selbst die Ärzte. Jetzt ist er mit einem hochmodernen Kopfschutz ausgerüstet und hat sich wieder fest als Nummer 1 des englischen Meisters etabliert, der in dieser Saison Chancen auf gleich vier Titel hat. Nachdem sie den Liga-Pokal schon gewonnen haben, freuen sich die Blues nun auf das Halbfinale der UEFA Champions League gegen den Rivalen FC Liverpool und außerdem auf das FA-Cup-Endspiel gegen Manchester United, den direkten Rivalen im Kampf um die englische Meisterschaft.

In einem Exklusivinterview mit FIFA.com wirft Cech einen Blick voraus auf diese Begegnungen, spricht darüber, was es für ihn bedeutet, seine Rolle in dieser Saison erfüllen zu können, und erklärt, warum Chelsea es durchaus schaffen könnte, die vier Titel zu holen.

Petr Cech, wie viel bedeutet es Ihnen, eine solch erfolgreiche Saison mit Chelsea zu genießen, nach all dem, was Sie persönlich mit dieser Verletzung durchgemacht haben?
Es ist eine denkwürdige Saison für mich. Am Anfang war ich prima in Form, doch dann kam die schwere Verletzung. Ich bin einfach nur glücklich, dass die Genesung so gut verlief und ich so schnell zurückkehren konnte. Der Rest der Saison ist ein Bonus für mich und macht mir daher viel Spaß.

Angesichts all der verletzungsbedingten Ausfälle in dieser Saison ist es außerordentlich beachtlich, dass Chelsea schon einen Titel in der Tasche hat und bei der Jagd auf drei andere noch im Rennen liegt.
Dies zeigt, wie stark die gegenwärtige Mannschaft von Chelsea ist. Es lief nicht immer so, wie wir es wollten, aber der Vierfach-Erfolg ist noch möglich. Das ist wirklich außerordentlich.

Glauben Sie, dass die Chancen auf den Gewinn der UEFA Champions League mit dem gegenwärtigen Kader von Chelsea besser als je zuvor sind, seit Sie bei dem Verein spielen? Und warum?
Wir haben dieses Jahr sicherlich eine sehr gute Chance auf Erfolg. Ich denke, der entscheidende Faktor ist, dass wir jetzt über noch mehr Erfahrung verfügen. Wir waren schon einmal im Halbfinale der Champions League. Wir wissen, was uns erwartet. Das Team ist reif, und das kann unser Vorteil sein. Den Sieg gegen Valencia haben wir eben dieser Erfahrung zu verdanken.

Sie haben auch noch die Möglichkeit, den dritten Meistertitel in der Premier League in Folge zu gewinnen - ein Kunststück, das zuvor nur Ihrem derzeit ärgsten Rivalen Manchester United gelungen ist. Wie viel würde Ihnen das bedeuten?
Natürlich würden wir das gerne schaffen. Aber leicht wird es nicht sein. Unser Restprogramm scheint schwerer als das von Manchester United. Von jetzt an ist jedes Spiel entscheidend, wir können es uns nicht mehr leisten, auch nur einen Punkt zu verschenken. Sonst sind wir aus dem Rennen. Auf der anderen Seite steht auch Manchester United unter Druck. Wir freuen uns, dass wir noch gegen Manchester spielen werden. Es wäre toll, wenn wir vor dem Spiel nicht mehr als drei Punkte zurückliegen. Allerdings müssen wir in den verbleibenden Partien noch mehr als drei Punkte wettmachen, denn Manchester United hat ein besseres Torverhältnis als wir, und das könnte entscheidend sein, wenn wir beide am Schluss über den gleichen Punktestand verfügen. Doch in der Premier League ist alles möglich.

José Mourinho, der Trainer des FC Chelsea, beschrieb Sie als jemand "ganz Besonderen". Es muss Ihnen gut getan haben, ein solches Kompliment vom "ganz Besonderen" zu erhalten?
Es ist immer etwas Besonderes, Lob vom Trainer zu hören. Ich habe mich über seine Worte gefreut und arbeite hart daran, seinen Erwartungen in den nächsten Spielen gerecht zu werden. Wir alle müssen "ganz besonders" gut spielen, wenn wir sicherstellen wollen, dass diese Saison erfolgreich endet.

Wie "besonders" ist José Mourinho denn genau?
Unser Spiel und unsere Ergebnisse beruhen auf seiner Arbeit und Taktik. Ihm gebührt ein großer Teil unseres Erfolges. Er ist ein toller Trainer, daran gibt's nichts zu rütteln.

Was die tschechische Nationalmannschaft betrifft, so mussten Sie sich kürzlich einige Kritik gefallen lassen, u.a. dass einige Spieler trotz der Niederlage im letzten Qualifikationsspiel zur UEFA EURO 2008 gegen Deutschland bis spät in die Nacht feierten. Wie sehr hat das die Moral im Lager beeinflusst?
Das war keine nette Angelegenheit. Die Atmosphäre innerhalb des Teams war in Ordnung, doch der Druck, der von außen ausgeübt wurde, war schon sehr groß. Wir sind alle froh, dass diese Angelegenheit vorüber ist.

Vor kurzem ging das Gerücht um, dass Sie vielleicht Kapitän des Nationalteams werden. Ist da etwas dran?
Nein, darüber denke ich nicht mal nach. Tomas Rosicky wurde vor der Saison zum Kapitän gewählt, und er wird vom Team unterstützt. Es gibt überhaupt keinen Grund, warum er die Kapitänsbinde abgeben sollte.

Rosicky spielt ja jetzt für Arsenal, er ist also sowohl Nachbar wie auch Rivale in der englischen Liga. Stehen Sie sich nahe? Und haben Sie öfter die Gelegenheit, sich in London zu treffen?
Ja, wir haben bei Sparta (Prag) zusammen gespielt und natürlich auch für die Nationalmannschaft. Wir kommen gut miteinander aus. Doch wir sind beide sehr beschäftigt und haben daher kaum Zeit, uns zu treffen. Aber wenn wir uns treffen, gibt's immer viel zu besprechen.

Glauben Sie, dass die tschechische Nationalmannschaft sich zurzeit in genügend guter Verfassung befindet, um sich für die EURO 2008 zu qualifizieren?
Wir können uns durchaus noch qualifizieren. Die Deutschen stehen momentan besser da als wir, doch wir sind Gruppenzweiter, und die Qualifikation liegt noch völlig in unserer Hand.

Nach dem Rücktritt von Pavel Nedved musste die tschechische Nationalelf eine große Lücke schließen. Er muss schwer zu ersetzen sein…
Nun, Spieler wie Pavel Nedved sind nahezu unersetzlich. Doch es bringt nichts, darüber zu lamentieren, dass er nicht mehr dabei ist. Pavel ist weg, und wir müssen das akzeptieren. Ich glaube, wir haben schon bewiesen, dass wir auch ohne ihn Erfolg haben können.