Wenn am Sonntag im Camp Nou die Mannschaften des FC Barcelona und Real Madrids das Feld betreten, werden die zahlreichen Kameramänner vor lauter Stars gar nicht mehr wissen, wohin sie ihre Objektive zuerst richten sollen: Kaká, Zlatan Ibrahimovic, Xavi, Xabi Alonso, Iker Casillas oder Andres Iniesta? Oder auf das die Massen elektrisierende Duell zwischen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi?

Der Portugiese, FIFA Weltfussballer 2008, und der Argentinier, der 2007 und 2008 jeweils Zweiter wurde, treffen erstmalig seit dem Finale der UEFA Champions League wieder aufeinander, in dem der katalanische Klub sich gegen Manchester United durchsetzte und eine unglaubliche Saison mit drei Titeln krönte (Meisterschaft, Pokal und Champions League).

Sechs Monate nach jenem historischen Erfolg und auch nach der denkwürdigen 6:2-Demütigung der Madrilenen vor eigenem Publikum reisen die Königlichen als Tabellenführer mit einem Punkt Vorsprung vor ihren Erzrivalen in die katalanische Metropole.

Ronaldo und Messi sind zwar beide angeschlagen, doch um nichts um der Welt werden sie sich eines der größten Duelle des Weltfussballs entgehen lassen. "Mir geht es gut und ich möchte spielen. Die Verletzung stört mich überhaupt nicht. Ich musste anderthalb Monate pausieren und bin nicht bei 100 Prozent, aber ich möchte der Mannschaft im Camp Nou helfen", erklärte Cristiano Ronaldo.

Die ersten Idole
Diese Ansammlung von Stars ist indes nicht die erste in der Geschichte des Duells Barcelona gegen Madrid. Der Klassiker Spaniens sorgt bereits seit langer Zeit für historische Momente und Rivalitäten zwischen großen Fussballern.

Die erste Begegnung zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid geht auf den 17. Februar 1928 zurück, damals gewann der Hauptstadtklub mit 2:1 bei den Katalanen. Doch die ersten legendären Duelle ließen noch bis Mitte der 50er Jahre auf sich warten, als bei den Königlichen der Argentinier Alfredo Di Stefano und bei Barça der Ungar László Kubala wirkten.

In der Saison 1953/54 deklassierte Kubalas FC Barcelona Real Madrid mit 5:1, Di Stefano war in jenem Jahr gerade bei den Madrilenen angekommen. Trotz ihrer Rivalität in der Meisterschaft standen die beiden später im Trikot der spanischen Nationalmannschaft gemeinsam auf dem Feld.

Die folgenden Jahre blieb das Glück den Katalanen treu, bis Real Madrid 1958 im frisch eingeweihten Camp Nou ein 2:0-Auswärtserfolg gelang. Doch auf seine persönliche Revanche musste Di Stefano bis zum letzten Klassiker warten, den sein Rivale Kubala bestreiten sollte. In einem wahren Duell der Stars setzte sich 1960 das Real Madrid von Di Stefano (2), Ferenc Puskás und Paco Gento (2) mit 5:3 gegen den FC Barcelona von Kubala (1) und Luis Suárez durch.

Bis zur Ankunft von Johan Cruyff sollte der "Clasico" Spaniens keine große Rolle mehr spielen. Mit dem in Barcelona als Idol verehrten Niederländer gelang der Mannschaft schließlich nach 14 Jahren wieder der Gewinn der Meisterschaft. Auch wenn bei seinem ersten Klassiker lediglich ein 0:0 heraussprang, feierte Cruyff 1974 mit dem legendären 5:0-Sieg im Santiago-Bernabeu-Stadion seinen größten Erfolg. Ihm gegenüber standen Fussballer vom Range eines José Antonio Camacho, Vicente del Bosque oder Santillana. In der Folge blieb das Camp Nou für die Königlichen bis zur letzten Saison des Holländers eine uneinnehmbare Festung. 1978 schließlich führten Santillana und der Neuzugang Uli Stielike Real Madrid wieder zu einem 3:2-Erfolg auf des Gegners Platz.

Maradona, Butragueño und das Dream Team
Wenige Jahre später kam Diego Armando Maradona zum FC Barcelona, und auch wenn sein Gastspiel bei den Katalanen recht kurz war, drückte der berühmteste argentinische Fussballer dem spanischen Traditionsduell seinen Stempel auf. In der Saison 1982/83 schlug Maradona Real Madrid, dieses Mal unter dem Trainer Di Stefano, praktisch im Alleingang mit 2:1. Ein Jahr später revanchierten sich die von Don Alfredo betreuten Hauptstädter mit dem letzten Sieg Real Madrids im Camp Nou in 20 Jahren (2:1).

Ende der 80er Jahre konnte nicht einmal der Jahrgang um Emilio Butragueño und Michel sowie Torjäger Hugo Sánchez diese Serie beenden, obwohl der Hauptstadtklub in dieser Zeit fünf Meisterschaften in Folge feiern konnte. In den 90er Jahren wiederum sorgte Johan Cruyff als Trainer mit dem so genannten Dream Team für Furore und gewann vier Liga-Titel hintereinander. Denkwürdig war in dieser Zeit der 5:0-Sieg aus der Spielzeit 1993/94, den Romario alleine mit drei Treffern besiegelte, unter tatkräftiger Unterstützung von Ronald Koeman, Michael Laudrup und dem jungen Josep Guardiola.

Die Ankunft der Brasilianer Ronaldo und Rivaldo oder des Portugiesen Luis Figo bei den Katalanen sicherte in der Zeit zwischen 1992/93 und 1998/99 die Fortführung der Erfolgsserie im "Clasico" vor heimischem Publikum, obwohl sich Real Madrid unter anderem mit Fernando Redondo, Davor Suker oder Predrag Mijatovic verstärkte.

Die Galaktischen, Ronaldinho und Messi
Am 13. Oktober 1999 sorgte Raúl nach langer Zeit wieder für betroffene Stille im Camp Nou, als er den Treffer zu einem 2:2-Unentschieden, das sich indes wie ein Triumph anfühlte, erzielte und damit endlich die unselige Serie von Niederlagen beendete. Doch ein Sieg wollte Madrid in der Rolle des Gasts weiterhin nicht gelingen. Dies änderte sich erst, als die Galaktischen in der spanischen Hauptstadt landeten. Zinedine Zidane, Roberto Carlos, David Beckham, Raúl sowie Figo und Ronaldo, die die Seiten gewechselt hatten, gelang in der Spielzeit 2003/04 ein 2:1-Sieg in Barcelona.

Barça reagierte darauf mit neuen Kräften aus der eigenen Jugendarbeit wie Xavi und Carles Puyol sowie mit neuen Stars wie Ronaldinho oder Samuel Eto’o. Schon bald darauf stießen Andrés Iniesta und Lionel Messi hinzu, letzterer glänzte in der Saison 2006/07 (3:3) mit einem Hattrick.

Vor einem Jahr sorgten Eto'o und Messi gegen eine Madrider Mannschaft in der Krise für einen 2:0-Erfolg in Barcelona. Nun steht die neueste Auflage eines der weltweit größten Klassiker bevor, und beide Mannschaften befinden sich inmitten eines Kopf-an-Kopf-Rennens in der Meisterschaft und treffen mit neuen Ambitionen aufeinander. Ein wahres Fussballfest, das man nicht verpassen darf.