Das Kapitel der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ ist abgeschlossen. Ehe im kommenden Juni an dem der Endrunde geschrieben wird, gilt es noch, die eine oder andere Episode aus den europäischen Meisterschaften zu erzählen.

An diesem Wochenende stehen in Europa folgende Leckerbissen auf dem Programm: Das Nachholspiel eines französischen Klassikers, Liverpool und Bayern in Not und Barcelona vor heikler Auswärtsaufgabe.

Primera División: Real hofft auf Wunder in der Kathedrale
Real Madrid hat sich inzwischen auf einen Punkt an Tabellenführer FC Barcelona herangeschoben, und wenn alles gut läuft, kann der Rekordmeister am Wochenende von Platz zwei auf eins springen. Dazu freilich müssen die Merengues erst einmal ihre Hausaufgaben gegen Racing Santander (17.) machen und danach Athletic Bilbao die Daumen drücken. Die Basken (8.) empfangen Barça dabei nicht nur daheim in ihrer "Kathedrale", dem Estadio San Mamés, der angeschlagene Zlatan Ibrahimovic muss auch noch passen. Hinter den beiden Titanen des spanischen Fussballs liefern sich der FC Sevilla (3.) und der FC Valencia (4.) ein Fernduell auf Teneriffa (15.) und bei CA Osasuna (10.).

Auf Seiten der unerwartet in Abstiegsnot schwebenden Mannschaften erhoffen sich sowohl der FC Villarreal (16.) als auch Atlético Madrid (18.) Punkte und Plätze, um sich möglicherweise doch noch nicht ganz von den vor der Saison ausgerufenen Zielen verabschieden zu müssen. Die auf dem Papier leichtere Aufgabe hat dabei das Yellow Submarine mit dem Heimspiel gegen Real Valladolid (14.). Die Colchoneros hingegen müssen zu Deportivo La Coruña (5.).

Die Frage des Tages: Vier Siege, sechs Niederlagen – der FC Getafe hat bislang noch nicht ein einziges Mal unentschieden gespielt. Ob es wohl gegen Espanyol Barcelona erstmals zur Punkteteilung kommt?
Das Spitzenspiel: Athletic Bilbao – FC Barcelona, Samstag, 22:00 Uhr, Estadio San Mamés
Zitat: "Unseren Ruf haben wir mit guten Spielen gegen große Mannschaften wieder aufpoliert. Jetzt ist es wichtig, zu gewinnen. Wir können das Spiel in La Coruña kaum erwarten. Vor allem aber wollen wir dort gewinnen!" Antonio López (Kapitän, Atlético Madrid)

Premier League: Letzte Chance für die Reds?
Der FC Liverpool (7.) steckt im Niemandsland der Tabelle fest und ist allmählich mit seinem Latein am Ende. Nach zwölf Spieltagen haben die Reds schon fünf Mal verloren. Hinzu kommt auch noch ein Unentschieden. Angesichts dieser bescheidenen Bilanz muss vor allem zu Hause gepunktet werden, am besten schon gegen Manchester City (6.). Es wird ein Härtetest für die Mannen von Rafael Benítez, die in dieser Saison schon zwei Gesichter gezeigt haben: Gegen Manchester United vor einigen Wochen waren sie top (2:0), gegen Birmingham (2:2) letzte Woche wohl eher ein Flop.

Derweil könnten sich Chelsea (1.), Arsenal (2.) und Manchester United (3.) in aller Ruhe als die Big Three etablieren. Die Blues aus London empfangen Abstiegskandidat Wolverhampton Wanderers (19.), die Gunners reisen nach Sunderland (8.), was ebenfalls machbar sein dürfte, und die Red Devils spielen zu Hause gegen den FC Everton, der in 17 Spielen der Premier League erst ein Mal im Old Trafford gewonnen hat – und das war 1992.

Die Frage des Tages: Wolverhampton hat seit sechs Spielen nicht mehr gewonnen – schafft Chelsea angesichts dieser Bilanz des nächsten Gegners wohl den siebten Heimsieg in Folge?
Das Spitzenspiel:
FC Liverpool – Manchester City, Samstag, 12:45 Uhr, Anfield Road
Zitat: "Ich wüsste nicht, warum Rio Ferdinand nicht wieder Topniveau erreichen sollte. Er muss nur wieder in Form kommen. Wenn er körperlich voll in Schuss ist, ist er ein Riesenspieler." Nemanja Vidic (Verteidiger, Manchester United)

Bundesliga: Ehrung und Rettung
Der 13. Spieltag wird für alle Spieler der Bundesliga ein trauriger sein. Mit Trauerflor und Schweigeminuten soll des am 10. November verstorbenen Torwarts Robert Enke von Hannover 96 gedacht werden. Die psychologisch schwierigste Begegnung dürfte damit die zwischen Hannover 96 (10.) und Schalke 04 (4.) in Gelsenkirchen werden.

Sportlich gesehen ist das Spiel zwischen Bayern München (8.) und dem ungeschlagenen Tabellenführer Bayer Leverkusen die vielleicht interessanteste. Mit einem Heimsieg kann der Rekordmeister den Abstand zur Spitze auf drei Punkte verkürzen, bei einer Niederlage wären es hingegen schon neun Punkte Abstand und die Krise wäre perfekt – wie gegen Ende der letzten Saison. Retter in der Not war damals ein gewisser Jupp Heynckes – und der sitzt heute auf der Bayer-Bank. Werder Bremen (2.) wiederum könnte von einem Ausrutscher des Tabellenersten profitieren, wenn ein Auswärtssieg gegen den FC Freiburg (12.) gelingt. Das gilt aber auch für den Hamburger SV (3.), der den Tabellenvorletzten VfL Bochum (17.) zu Gast hat, der zuletzt vier Mal in Folge verlor.

Die Frage des Tages: Hertha BSC Berlin hat seit dem 8. August nicht mehr gewonnen und ist Schlusslicht. Aber auch Stuttgart ist seit zwei Monaten ohne Sieg. Wem gelingt in der schwäbischen Hauptstadt die Wende?
Das Spitzenspiel: Bayern München – Bayer Leverkusen, Samstag, 15:30 Uhr, Allianz-Arena
Zitat: "Wir haben keine Ausrede mehr. Leverkusen ist ein direkter Konkurrent, wir spielen zu Hause. Wir müssen also unbedingt gewinnen." Hans-Jörg Butt (Torhüter, Bayern München und Ex-Leverkusener)

Serie A: Die Ruhe vor dem Sturm
Bevor es bis zum Jahresende Schlag auf Schlag geht mit den Spitzenspielen steht in Italien noch einmal ein ganz "normaler" 13. Spieltag an. Zunächst trifft Inter Mailand (1.) am Samstag um 18:00 Uhr auf den FC Bologna (15.).

Es wird allgemein erwartet, dass die Nerazurri mit einem durch die WM-Qualifikation Kameruns euphorisierten Samuel Eto’o anreisen und wenig zu fürchten haben. Es sei denn freilich, sie spielen auf demselben Niveau wie bei ihrem letzten Auswärtsmatch gegen den AS Rom (1:1).

Damit sich der mit fünf Punkten ohnehin schon recht große Rückstand von Juventus Turin (2.) nicht noch weiter vergrößert, hat sich die Alte Dame geschworen, die nächsten beiden Spiele in der Serie A zu gewinnen, um das Heimspiel gegen Inter am 5. Dezember dann in Schlagdistanz bestreiten zu können. Ob das gelingt, entscheidet sich am Sonntag im Heimspiel gegen Udinese (14.). Der AC Mailand (3.) befindet sich aktuell in einem richtigen Höhenflug, und das soll auch gegen Cagliari (8.), den großen Überflieger des Calcio, so bleiben. Der AC Florenz schließlich ist einer von zwei Protagonisten des einzigen Spiels zwischen zwei Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel. Genau genommen trennt die Viola (4.) und den FC Parma (7.) sogar nur ein Punkt.

Die Frage des Tages: Mit vier Siegen in Folge – drei davon ohne Gegentor – rollte Cagliari zuletzt das Feld von hinten auf. Wo landen die Sarden wohl am Saisonende?
Das Spitzenspiel:
AC Florenz – FC Parma, Samstag, 20:45 Uhr, Artemio-Franchi-Stadion
Zitat: "Wir wollen unbedingt ins internationale Geschäft. Aber dafür müssen wir hart arbeiten und in jedem Spiel beweisen, das wir es verdient haben." Ezequiel Lavezzi (Stürmer, SSC Neapel)

Ligue 1: Endlich der Klassiker!
Es ist des Klassikers zweiter Versuch. Wegen akuter H1N1-Fälle im Pariser Lager muss das eigentliche Spitzenspiel des zehnten Spieltags zwischen Olympique Marseille und Paris Saint-Germain am Freitag nachgeholt werden, bevor dann scheibchenweise der 14. Spieltag folgt. Und beide Mannschaften haben gehörig Druck. Denn PSG ist aktuell nur Zwölfter und verlor zuletzt daheim gegen Nizza (0:1). OM ist Achter und lieferte am letzten Spieltag eines des spektakulärsten Spiele in der Geschichte des französischen Fussballs ab. Das 5:5 zwischen Lyon und Marseille war ganz nach dem Geschmack der Fans, konnte einen Trainer aber auch zur Verzweiflung treiben. So kam Didier Deschamps denn auch nicht umhin, die klaffenden Lücken in der Hintermannschaft der Hafenstädter zu monieren. Mit anderen Worten ist es ein Klassiker zwischen zwei Mannschaften in Zugzwang.

Am Tag darauf wird es dann mit dem Kampf um und in höheren Tabellenregionen weitergehen. Die besten Karten haben dabei auf dem Papier Spitzenreiter Girondins Bordeaux daheim gegen AFC Valenciennes (7.) sowie Olympique Lyon (2.), das beim Tabellenletzten Grenoble Foot 38 antreten muss. AJ Auxerre (3.) und AS Monaco (4.) treffen derweil im Abbé-Deschamps-Stadion zum zweiten Spitzenspiel des Wochenendes aufeinander.

Die Frage des Tages: Seit September befindet sich PSG im freien Fall. Kann diese Negativspirale jetzt gestoppt werden?
Das Spitzenspiel: Olympique Marseille – Paris Saint-Germain, Freitag, 20. November, 21:00 Uhr, Stade Vélodrome
Zitat: "Es ist kein Zufall, dass dieser Verein seit 16 Jahren nichts gewonnen hat – trotz sehr guter Mannschaften und sehr guter Trainer. Dafür gibt es Gründe." Didier Deschamps (Trainer, Marseille)

In anderen Ligen
In Polen steht die Meisterschaft ganz im Zeichen ihrer wichtigsten Derbys. Das in Warschau ist dabei ein Duell der Gegensätze. Legia (3.) spielt ganz oben mit, Polonia (15.) läuft der Musik und den eigenen Ansprüchen hinterher. Im Krakauer Stadtduell stehen sich Tabellenführer Wisla und der Tabellendreizehnte Cracovia gegenüber.
In Israel schließlich will Spitzenreiter Maccabi Haifa den zehnten Sieg im zehnten Spiel – was angesichts des Heimspiels gegen Maccabi Ahi Nazareth (13.) sogar durchaus machbar scheint.