Während in den Top-Ligen Europas, wie Spanien, Deutschland oder England, gerade einmal gut ein Drittel der Saison absolviert ist, wurden in anderen Ländern bereits die Landes-Meister gekürt. Vor allem im kontinentalen Norden konnten bereits zahlreiche Klubs die Champagnerkorken knallen lassen.
So geschehen beispielsweise in Finnlands Veikkausliiga, wo sich HJK Helsinki bereits zum 22. Mal den Titel sicherte. Der Rekordmeister der Männer und Frauen - was in Europa einzigartig ist - sowie amtierender Pokalsieger setzte sich nach sechsjähriger Durststrecke nun wieder an die Spitze und kämpft im kommenden Jahr um die Qualifikation zur UEFA Champions League. Das Kunststück der Teilnahme an der europäischen Königsklasse gelang den Hauptstädtern übrigens bereits 1998/99 - als bislang einziges finnisches Team überhaupt.
Allerdings war es eine Saison mit Höhen und Tiefen. Nach einem 5:1-Auftaktsieg folgte Ende Mai der Absturz auf Rang fünf nach nur einem Sieg in fünf Spielen. Als man sich Mitte der Saison mühsam wieder nach oben gekämpft hatte, waren es fünf Unentschieden in Folge, die erneut die Tabellenführung kosteten. Am Ende sicherte sich HJK Helsinki mit drei Punkten Vorsprung vor den Verfolgern FC Honka Espoo und Turku PS die Meisterschaft.
Weitaus souveräner präsentierte sich dagegen Estlands neuer Champion Levadia Tallinn. Obwohl noch vier Spieltage ausstehen ist die Entscheidung in der Meistriliiga bereits gefallen, da der alte und neue Titelträger bei 15 Punkten Vorsprung auf den Tabellenzweiten JK Kalev Sillamae nicht mehr eingeholt werden kann. Es ist die vierte Meisterschaft in Folge und die siebte in der elfjährigen Vereinsgeschichte insgesamt.
Dazu feierten die Hauptstädter einen weiteren unglaublichen Rekord: Seit 59 Ligaspielen ist das Team ungeschlagen. "Alle haben ihre Sache gut gemacht", lobte Trainer Igor Prins. "Aber es gibt noch einige Dinge, die wir verbessern müssen und können. Wir haben unser Potenzial noch nicht ausgeschöpft."
Wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt ist auch Rosenborg Trondheim. Nach 13 Titeln in Folge zwischen 1992 und 2004 folgte ein Umbruch, der nur noch zu einer weiteren Meisterschaft (2006) reichte. Nun ist Norwegens Rekordmeister wieder ganz oben. In der Tippeligaen hat sich Troillongan, wie Tallinn in Estland, vorzeitig den Titel gesichert, und das ausgerechnet durch einen 2:0-Erfolg beim ärgsten Verfolger Molde FK.
"Das Team befand sich in den letzten Jahren in einer schwierigen Phase der Neustrukturierung, aber nun sind sie wieder zurück. Dieses Team wird in den kommenden Jahren jede Menge Erfolg haben", mutmaßt der ehemalige Trondheim-Trainer Nils Arne Eggen nach dem Titelgewinn.
Formuladeildin nennt sich die heimische Liga der Färöer, die ebenfalls ihren neuen Meister gekürt hat. HB Tórshavn sicherte sich zum 20. Mal den Titel und verwies den letztjährigen Double-Gewinner EB/Streymur auf den zweiten Rang. "Das ist großartig. Ich hatte mir das nie erträumt", konnte HB-Trainer Sámal Erik Hentze das Erreichte kaum fassen. "Ich habe nicht erwartet, dass es so früh in meiner Karriere passiert. Es ist einfach nur fantastisch."
Auf den Spuren der "nordischen" Champions machen wir einen Abstecher nach Westen und damit weg von Skandinavien nach Island. Deildin heißt dort die Liga, in der FH Hafnarfjördur den Titel erfolgreich verteidigen konnte. "Es war ein großartiger Sommer", verkündete der Meister-Kapitän Davíd Thór Vidarsson. "Wir haben sehr guten Fussball gespielt und verdienen den Titel." Als erstes Team in Europa überhaupt sicherten sich die Schwarz-Weißen damit übrigens einen Platz in der Qualifikation zur UEFA Champions League 2010/2011.
Die Würfel sind gefallen - zumindestens in vielen europäischen Ligen des Nordens. Spannend ist es dagegen noch in Schweden, Lettland und Litauen werden. In der Allsvenskan gibt es zwei Spieltage vor Schluss zwischen AIK Solna und IFK Göteborg ein Kopf-an-Kopf-Rennen - nur ein Punkt trennt das Spitzenduo.
Ein Showdown liefern sich auch Metalurgs Liepaja und Titelverteidiger FK Ventspils in Lettlands Virsliga. Zwar führt Erstgenannter kurz vor Saisonende mit fünf Punkten Vorsprung, doch bereits am Wochenende kann der Verfolger im direkten Duell den Rückstand verkürzen.
Getoppt wird der Kampf um den Titel nur noch von Litauens A-Lyga, für die das Sprichwort - Geschichten, die nur der Fussball schreibt - treffender nicht sein kann. Das Szenario: Ekranas Panevezys führt eine Runde vor Schluss die Tabelle vor Vetra Vilnius mit drei Punkten Abstand sowie ein um drei Treffer besseres Torverhältnis an. Am kommenden Sonnabend stehen sich eben jene Teams auf dem Platz gegenüber.
Bei der Betrachtung der Ligen im Norden Europas darf natürlich die Elite-Klasse Dänemarks nicht fehlen. Allerdings sind die Teams im Land von Danish Dynamite erst im Juli in die Saison gestartet, so dass der Nachfolger des Double-Gewinners FC Kopenhagen erst Mitte Mai 2010 gekürt wird.
